Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Nummer  80

.  Mosenheim,  19.  April.
Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
DLudwig  Fischer,  Sohn  der  Pedellsmitwe  Anna
Fiscker  in  Wasferburg,  Assistent  am  K.  Landgericht
  Munchen.  Soldat  in  einem  Res.  Inf.
Reg.;  Peter  Bichlmaier,  Gütlerssohn  aus  Maisenberg
  bei  Engeloberg,  Soldat  in  einem  Juf.
Regiment.

Auszeicknungen  im  Felde.  Dem  Ein
#jährig  Freimilligen  Unteroffizier  Mickael  Biebl
ber  bereits  im  Besitz  des  Militärverdienstireus#es
3.  Kl.  ist,  murde  jetzt  auch  für  aus  erordentliche
Tapferkeit  und  unermudliche  Pflichttreue  das
Eiserne  Kreuz  2.  Kl.  verliehen;  Unterofsiiern
Biebl  wurde  seinerzeit  als  schner  verwundet  ent.
lassen  und  gehört  jegt  zum  Lehrlkorper  des  K.
Gymnasiums  Nosenbeim.  Dem  Unteroff#ier
Luruig  Weindler  in  einer  Maichi  inengewehriom
pagnie  cincs  Zuf.  Reg.  wurde  das  Militärverdienstlreuz
  3.  Kl.  mit  der  Krone  u.  mit  Schwer-.
tern  verlichen:  mit  dem  Tijernen  Kreuz  2.  Kl.
wurde  er  früher  schon  ausgeszeichuet.  Sein  Bru.
der  Joseph  Weindler  ist  im  Besitze  des  Eiser-#nen
  Kreuzes  2.  Kl.,  des  Militärverdienstkreuzes
J.  Kl.  und  der  hessücchen  silbernen  Tapferkeitsmedaille.
  Die  beiden  tapferen  Mitlämpser  sind
Söhne  des  Salinarbeiters  Johann  Weindler
in  Rosenheim.

Todesfall.  Der  Mags#tratsassistent  Herr
Joseph  Obermeier  ist  in  jugendlichem  Alter  von
nur  25  Jahren  einem  Lungenleiden  erlegen.  Der
Verewigte  stand  seit  dem  Jahre  1908  im  Ge
meindedienit  und  arbeitete  zuletzt  im  sliäotischen

Versicherungsamte.  Groses  Bedauern  wendet
sich  seiner  Mutter  zu.  die  in  ihm  den  einzigen
Sohn  und  die  Stütze  für  die  alten  Tage  verloren
  hat.

Verein  „Maria  Stella“.  In  der  Monatsversammlung
  am  Dienetag,  den  17.  os.
begrüßte  der  Verein  mit  dankbarer  Freude  als
Gast  und  Referent  HH.  Benefieiaten=  Staffler,
der  sckon  in  Friedens-eit  einmal  so  schön  vom
„Menschenglück  und  Schicksal“  er  ählte.  Auch
diesmal  verstand  der  Redner  es  aufs  Beste,  die
Juhörer  mit  dem  Kriegsthema  „Spionage“  zu
2  Es  war  interessam  zu  versolgen,  wie
diese  dunkle  Macht  ihre  Fänge  durch  alle  Zeien

  bim  ieht,  des  einen  Volkes  Herrschaft  begrun.
di.  ein  anderes  zerietzl.  Wir  kennen  Ruslands
Spionage  als  „unheimlick:  Justiz“,  u.  die  struvellofe
  Hinterlist  der  schlitzäugigen  Asiaten.  —=viei
  Böses  die  Spionage  auch  will,  so  schafft
zie  doch  viel  Gutes,  aus  rechtlichen  Motiven  her.
vorgehend.  Wie  nötig  sie  einer  wirlsamen  Kriegslechnik
  gegen  einen  bösen  Nachbarn  in,  zeigt  sich
in  diesem  Kriege.  Allerdinge.  chrif  eliche  Grund
fätze  brauchen  leinerlei  Spionage,  ebensowenig
wollen  wir  ein  glückliches  Kriegsende  von  diesem
duntlen  Faltor  abhängig  wähnen.  Den  Frieden
lann  nur  GCott  uns  wiedergeben.  Des  Vereins
erneute  Hankbarkeit  lohnt  des  Nedners  freund.
licze  Güte.  SH.  Präses  beiehrie  die  Mitglieder
dann  noch  über  gute  Spie  enage,  bef.  im  Vereinsbiatt.
  28  Siadtkaplan  Jäger  dat  in  einem  herr.
lichen  Lied  den  Frühling  um  seinen  Sonnen
schein.  Nun  wird  er  gewiß  bald  lommen  und
#o  mande  fortiocken  nach  dem  schönen  Ferienleeim
  Annabrunn.  Mit  der  Bekanntmachung  der
Wiederaufnahme  der  verichiedenen  Kurse  ichloß
die  Versammlung.

Erhöhung  und  Verbilligung  der
Fleisckration.  Der  Stadtmagistrat  veröffentlicht
  beute  eine  Bekanntmachung  über  die  Erhbung
  und  Verbilligung  der  Fleischration,  wie
sie  vom  Kriegsernährungsamt  ab  16.  April  zu.
neslanden  wurde.  Darnack  gibt  die  Stadt  eine
besondere  Zusanzfleischiarte  aus,  welche  morgen
Freitag  in  Empfang  genommen  werden  kann.
Die  dadurch  erzielte  Verbilligung  des  Fleisches
beträgt  70  Pfa.,  da  jede  einzelne  Marke  der
Zusatzkarte,  also  ein  Zehntel  Anteil,  aloe  Gulschein
  für  sieben  Pfennige  gilt.  den  Mehger.
Mursthändler,  Gastwirte  und  Volloluche  mit  die
sem  Betrag  in  Zahlung  zu  nehmen  haben.  Wer
Aso  3.  B.  mit  der  Zusatzkarte  ein  halbes  Pid.

Sd  wweinefleisch  kaufen  will,  hat  zehn  Marlen  der
Zusatzkarte  abzuliefern  und  nur  noch  20  Pfg.
in  bar  zu  zahlen.  Am  lommenden  Samstag  und
Somntag  dürfen  Fleisch  u.  Wurstwaren  nur  auf
diese  Zusatzmarken  abgegeben  werden,  sodaß  uns
also  damit  zwei  billige  Fleischtage  gegeben  sind.
Für  die  gewöhnlichen  Fleif  Ichtarten,  die  bereits
seit  anfangs  dieser  Woche  in  Umlauf  sind,  hat
diese  Vergünstigung  jedoch  keine  Geltung,  sondern
  nur  für  die  Zusatzkarte,  welche  morgen
Freitag  zur  Ausgabe  gelangt.  Wir  machen  auf
die  Vekamtmachung  des  Stadtmagistrates  im
Anzeigenteik  des  „Nosenheimer  Anzeiger"  besonders
  aufmerlsam.  Man  ist  also  erfreulicher.
weise  von  der  ursprünglichen  Absicht,  das  Mehr
an  Fleisch  mur  in  Gestalt  von  Wiiche  hinauszuge.
ben,  wieder  abgekommen.

Eleischearmen  und  Kleischnenkaus.
F#  die  hat  Stadtmagistrat
eine  neue  rrerbeng  Wini-  Danach  dürfen
in.  hiesigen  Geschäften  Sieich  und  Wurstwaren

Kommunald#er
tälne  (E##isnteinrard,  wiieenn  Traunstein
usw.)  aiche  mehr  Puhr  werden.  Dagegen
sind  die  Gastwirtschaften  ven  auch
ken  auswärtiger  Konmunaw#en  ände  anzuneh.
men,  soweit  sie  über  Fleischvorräte  verfügen.
Dieje  Marien  muisen  aber  pon  den  Wirten  an

 

Kosen  eme  Anzelgen

die  städt.  Fleisclwersorgungsstelle  oelierert  wer
den  und  dürfen  zum  Fleischeinlauf  für  oiese
Wirtschaften  nicht  verwendet  werden.  Durch  diese

Vestimmung  soii  vffenbar  erreicht  werden,  dak

die  Abwanderung  von  Fleischmarken  vom  Lande
  an  slädt.  Fleischkäufer  unterbunden  wird.  Feruer
  wurde  angeordnet,  daß  die  Mehger  ihre

Verlaufsstellen  morgens  um  6  Uhr  zu  öffnen  u.
wolange  offenzuhalten  haben,  als  sie  Vorräte  besitzen.
  k

Muschelninu  Sulz  sind  nach  einer  Bekanntmachung
  des  Stadtmagistrates  in  verschiedenen
Geschäften  erhältlich.  Bei  der  derzeitigen  Knapp.
heil  wird  dieses  Angebot  willkommen  sein.

Fleischversorgung  der  Landbezir
le.  Vom  1.  Mai  übernimmt  die  bayerische
Fichschversorgungsstelle  die  Lieferung  des
Scklachtvichs  auch  in  den  Kommnnaloerbän.
den,  welchen  bisher  das  Recht  der  Selbstversorgung
  zugestanden  war.  Von  diesem  Tage  ab
sind  die  Metzger  im  Amtsbezirk  n#ht  mehr  bered
  tigt,  Schlachivieh  selbst  aufrulaufen;  es  wird
illnen  vielmehr  von  der  Fleischversorgungostelle
zugewiesen.  Um  über  diese  Neuregelung  Auftlärung
  'u  schaffen,  beruft  das  K.  Bezirksamt
Relenheim  auf  kommenden  Sonntag,  den  22.
April,  vormittags  11  Uhr,  eine  Ve  rfammllung  in
den  Saal  des  Flötzingerbräu.  Herr  K.  Beziriotierarst
  Rasberger  wird  das  Neferat  erstatten.
IZu  dieser  Versammlung  sind  namentlich  oie
Metzger  und  Gastwirte  eingeladen.

Bezug  von  Saatlartoffeln.  Das  Mi
nisterium  des  Innern  gibt  bekannt:  Es  wird
vielsach  darüber  geflagt,  daß  die  Distriltsver
waltungebehörden  den  Bezug  von  Saatlartof.
seln  in  kleineren  Mengen,  der  auf  Grund  ver
wandtschaftlicher  Beziehungen  angestrebt  wird,
erschweren  .Bei  der  berrschenden  Myheit  an
Kariofseln  ijt  es  nicht  erwünscht,  daß  der  Versorgung
  auf  diesem  Wege  Hindernisse  bereitet
vweden.  Die  Distrittsverwaltungsbehörden  wer.
den  daher  angewiesen,  den  Be#ug  von  Saat
lartofseln  in  Ueineren  Mengen  aus  Grund  nach.
gewic##ener  verwandtschoftlicher  oder  auch  älterer
geschäftlicher  Beziehungen  nicht  zu  erschweren.

Nochmals  ist  es  Winter  geworden.
Ueber  r  Nacht  iit  wieder  Schnee  gefallen,  der  aber
heute  u  einem  großen  Teil  der  Sonne  wieder
weichen  musie.  Leider  sind  dadurch  die  Gartenarbeiten
  abermals  verzögert  worden.  Die
—Ed  walben  von  denen  ver  etlichen  Tagen  schon
die  ersten  Boten  hier  gesehen  wurden,  sind  in
z  oschen  tratz  des  ungüastigen  Wetters  in  größe.
rer  Zahl  wiedergekeh#rt.  Loffentlich  folgt  ihnen
jetzt  auch  recht  bald  schönes  Frühlingswetter.

Aus  dem  Gerichtsfagl.

Ein  neuer  Mal:ischieberprozeß.

Bamberg.  17.  April.  Vor  der  Strafkammer
hat  heute  der  Strasprozer  gegen  den  Kom.
mer:ienrat  und  Mal#fabrilanten  OIohann  B/p64
tist  Weghermann  in  Bamberg  wegen  eines  fortçesetzten
  Vergehens  gegen  die  Kriegszustands
gesetze,  verübt  durch  Malesckiebereien,  begonnen.
TLer  Angeklagte  hai  über  12  000  Zentner  Malz
nack  Norddeutschland  verbr#s#u##drig  verlauft  u.
dabei  einen  Reingewinn  von  360  1000  M.  erpgielt.
  Der  Verhandlung,  die  einen  sehr  interes.
zanten  Verlauf  nahm,  mohnten  sehr  viele  In.
lercisenten  von  auswärls  bei.  Der  Staatsanwalt
beantragte  6  Monate  Gefängnis  und  722  000
Mari  Geldstrase  und  Aberkennung  der  bürgerlichen
  Ehrenrechte  auf  die  Dauer  von  sünf  Jah.
ren.  Der  Verteidiger  Geh.  Justimat  Diez  (Bam
berg)  trat  diesem  Antrag  mit  ungewöhnlicher
Sd’irse  emgegen.  Das  Urteil  wird  Dienstag,
24.  April,  vormittag  9  Uhr,  verlündet  werden.

Der  Weltkrieg.

(Trahtbericht.)
Die  Riesenkämpfc  im  Wesilen.

Basel,  19.  Axril.  Die  „Baseler  Nachrichlten“
  melden  aus  Paris:  Die  französische  Offensiuve
  zwischen  Soissons  und  Reims  bildet  die
größte  Schlacht  der  deutsch-französischen  Front
seit  den  Marnekämxfen.  Die  Schlacht  steigert  sich
sogleich  zu  einem  Kampf  von  unerhörter  Erbilterung.
  Schon  jetzt  mißt  die  Schlachtfront  200
Kilomcter.  Genaugenommen  sind  4  Schlachten
entbrannt,  bei  Arras,  St.  Quentin,  Laon  und
Craonne,  die  5.  Schlacht  tobt  in  der  westlichen
Champagne.

Laut  „Jüricher  Post“  greift  die  englisch-französische
  Offensive  auch  auf  die  belgische  Front
bei  Dirmuiden  über,  wo  der  Artilleriekampf  stetig
  wachse.

Mit  der  Wetterungunft  versuchen  Kommentare
  der  Pariser  Blätter  zu  erllären,  warum  der
Hauptzweck  der  zum  Alleräußersten  gesteigerten
englischfranzösischen  Anstrengungen,  an  denen
auch  russische  und  portugiesische  Truppen  teilnehmen,
  namlich  die  Eckrfeiler  der  deutschen
Stellungen  ins  Wanken  zu  bringen,  sich  bisher
gle  unvurchfohrbar  erwiesen  haben.  Man  kömm

 

 

 

angesichts  der  sehr  kräftigen  deutschen  Verteidigung
  augenblicklich  nicht  erkennen,  in  wieweit  die
aufs  Ganze  gerichteten  Pläne  der  Generale  Nivelle
  und  Haig  ihrer  Verwirklichung  entgegen
gerückt  sei.

Die  Pariser  Blätter  bezeichnen  die  französische
Osfensive  in  der  Chamxagne  als  den  Beginn  u.
einen  Teil  der  letzten  und  höchsten  Anstrengungen
  der  Ententeheere  zur  Erzwingung  der  Enischeidung
  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatze.
Diese  Schlacht  sei  der  Ansang  eines  gewaltigen
Durchbruchsversuches.

Senator  Berenger  sagt  im  „Paris  Midi“
Die  Morgenröte  der  schrecklichen  Tage  des  Spät
srühlings  von  1917  gebt  auf  über  den  letzten
Stunden  der  Entscheidung.

In  Erwartung  des  Friedens.

Zurich,  19.  April.  Die  „Jüricher  Poil“
schreibt:  Laut  Londener  Meldungen  der  „  Stam

a“  sehen  englische  Blättor  in  der  jüngsten  Re
de  Lloyd  Geerg  eine  Anspielung  auf  einen  nicht
mehr  fernen  Friedensschluß.  „Daily  Expreß“
hebt  hervor,  der  Premierminister  habe  eiar
Anspielung  auf  den  Frieden  gemacht,  indem  er
sagte,  es  hätten  sich  in  diesem  Kriege  sonderbare
Vorfälle  crcignet,  noch  merlmürdigere  Ereignisse
seien  im  Gange  und  rücken  schon  heran.

Der  Kampf  um  Deutsch  Ostafrita.

Berlin,  19.  April.  In  der  ersten  Aprilwoche
gab  das  englische  Kriegsamt  eine  Belanntma
cung  über  den  Stand  der  Kämpse  in  Oltasrila
au  die  englische  Presse.  Darin  ist  die  tapfere
Schutztruppe  für  Deutsch  Oflafrika  selbst  nach
amtlicher  englischer  Auffassung  leineswegs  schon

„erledigt“,  wie  der  frühere  englische  Oberbeset
  kehaber  in  Ostasrika,  Bur  Smuts,  vor  zwei
Monaten  bereits,  d.  h.  bei  seinem  Abzug  aus
Deutsch  Ostafrila,  giaubte  behaupten  zu  können.
Vielmehr  scheint  gerade  der  letzte  Absag  der
amtlichen  englischen  Meldung  darauf  hinzuden.
en,  daf  die  deutsche  Verteidigung  Ostafritas
in  der  Gegend  von  Nyassa-See  gegen  die  schon
in  den  Oktober  und  Nevember-Kämpfen  schwer
mitgenommenen  Truppen  des  engl.  Generals
Northey  neuerdings  unter  Ueberwindung  ver
früher  weit  öftlich  davon,  d.  h.  zwischen  Jrin.
ga  und  Songen  laufenden  englischen  befestigten
Linien  wieder  erheblich  an  BVoden  gewann.

Gouverneur  v.  Bissing  F.

Brüssel,  10.  April.  Der  Generalgurerneur
  von  Belgien,  Generaloberit  Freiherr  von
Bissing  st  gestern  Abend  gestorben.

Lebeusmitielmangel  in  Amerika.

Bern,  19.  Axril.  Der  New  VYorker  Mitarbeiler
  des  „Matin“  meldet:  In  einigen  Wochen
wird  die  Lebeneomittelfrage  in  den  Vereinigten
Staaien  die  gleiche  sein,  wie  in  Europa.  In
den  großen  Zentren  beginnen  die  Lebeneminel
knapxp  zu  werden.  Die  Preise  sticgen  betrachtlich
Die  Sxeisenfolge  in  den  Wirschaften  wurde  seit
der  Kriegserllärung  um  die  Hälfie  verringert.

Die  kurländische  Front.

Stockhelm.  19.  April.  Petersburger  Blät
ter  berickten  aus  Riga:  Im  nördlichen  Teil  der
Front  sind  infolge  der  Schneeschmelze  ricienhafte
Uebersckwemmungen  eingetreten.  Die  Schutzen
gräben  liesen  voll  Wasser.  Die  Soldaten  sind
zum  großten  Teil  zurückgezogen  worden.
In  Riga  selbst  slehe  in  vielen  Straßen  das
Wasser  vier  Meter  tief.  Der  Verkehr  wird  mit
Vooten  aufrechterhalten.  Insolge  der  Ueber
schuemmungen  ist  die  Versorgung  der  Stadt  weiter
  erschwert.  Die  Bevöllerung  lebt  spärlich  von
den  geringen  Vorräten.

Cehle  Rachtigien.

Das  Eisenbahnunglküc

bei  Rannhoien.
München,  19.  April.  Der  König  hat  sich
über  das  Eisenbahnunglück  in  Nannhofen  ein-.
gehend  Bericht  erstatten  lassen  und  den  Oberstzeremonienmeister
  Grafsen  Moy  an  die  Unglücksstelle
  sowie  in  die  Krankenhäuser  nach  München
  und  Augsburg  entsandt,  um  den  Verunglückten
  und  deren  Angehörigen  seine  herzliche
Teilnahme  zu  bezeugen.  Zur  Linderung  augenblicklicher
  Not  hat  der  König  eine  Spende  von

2000  Mark  angewiesen.  *

Die  Ausbebung  des  «
Jesuitengesetzes.
Berlin,  19.  April.  Aus  gut  unterrichteten
parlamemarischen  Kreisen  erfährt  die  „Vossische
Zeilung“,  daß  sich  der  Bundesrat  in  vieser  Wo- 



 

Freitag,  20.  April  1012

che  mit  dem  ihm  seit  langem  vorgelegten  Neichs
tagobeschluf  auf  Aushebung  des  Jesuitengesel.
zes  beschäftigen  und  ihm  beitreten  wird,  Damit
wird  ein  vom  Reichstag  wiederholt  angenomme.
#ner  Beschlus.  zum  Gesetz.  *v

Hochwasser.

Berlin,  19.  Axril.  Imolge  andauernder
Regengüsse  und  starler  Schneeschmelze  im  Niesengebirge
  und  im  Böhmerwald  führt  die  Elbe
ständig  steigendes  Hochmasser.  Seit  1890  ist
selches  H#chwasier  dort  nicht  zu  verzeichnen.  Die
Schiffahrt  ist  eingestellt.  Auch  die  Reise  führt
starles  Hochwasser.  Melrere  Fabriten  haben
den  Betrieb  eingeitelll.  Bei  Kleinbademensel
sind  die  Treisedämme  an  wei  Stellen  ourckbrochen.
  Die  Fluren  sind  meithin  überschwemmt.
Ein  Opppelmerdversuch.

Wiecn,  10.  April.  In  Liesing  üll  an  die  Wi.-ner
  Polizeidiretlien  die  Mitteilung  über  zwei
Mordveriuce  gelangt,  die  ein  offenbar  geiflig
nicht  normaler  Mann  an  zwei  angesehenen  Bür.
gern  der  Stadt  pverübt  hat  Der  Täter  ist  flüch
tig  und  mird  versolgt.  Seine  Opser  sind  der
Notar  Dr.  Cdmund  ZKresch  und  der  Notar
Dr.  Mar  Slern,  beide  in  Liesing.  Der  Täter  ül
der  50jährine  Privatier  Anton  Kohlendorfer
aus  Neulengbac.  Aus  Dr.  Kosch  gab  er  zwei,
auf  Dr.  Stern  einen  Schuf  ab.  Belde  sind
schn  er  veriet.  Köhlendorser  flüchtele  nach  der
Tat.  Es  liegt  offenbar  ein  Nachealt  zugrunde.
Der  Täter  hatte  schon  längere  Zeit  einen  Rechtsstreit
  mit  Dr.  Koich  und  scheint  der  Melnung  ge
mesen  zu  sein,  das.  ihm  unrecht  geschehen  sei.  Er
hat  wiederholt  Drohbriefe  an  Dr.  Kosch  ge.
richtel.  Nach  einer  späteren  Meldung  gelang  es,
den  Fläck  tigen  in  Hietzing  zu  verhaften.

siter  samen

Der  außerordentliche  Mangel  an  Kleesamen
für  die  kommende  Saatseil  Dat  die  landivirt.
schatliche#4  Bevöllerung  in  begreifliche  Unruhe
versetzt.  Der  Grund  für  den  Mangel  liegt  teils
in  dem  sa  fechten  Aussail  der  letzten  Ernie,  teils
in  dem  Aussall  der  jonit  sehr  erheblichen

Zufuhr  aus  Rußland  sowie  in  der  gänz  lichen
Absperrung  der  Schwei:  für  die  französische  und
italienische  Zufuhr  und  in  dem  Ausfuhrverbot
Oesierreid.  Ungarns.  Im  Vorzjahr  hat  sich  dies
namemlich  auch  insolge  der  guten  Jnlandsernte
nock  nicht  in  gleichem  Maße  fühlbar  gemacht.

Belschräntte  Mengen  Kleesamen  werden  in  die
jem  Jahre  von  Ungarn  zur  Verfügung  gestellt.
Diese  werden  jedoch  voraussichtlich  nur  2000  Wa.
gen  für  das  ganze  Reich  sein.  Näheres  über
Preise  und  Beschaffenheit  dieer  Ware  ist  aus
dem  Rundschreiben  der  Landesfuttermittelstelle
vom  15.  lsd.  Mis.  zu  entnehmen.  Die  vielfach
verbreitete  Meinung,  als  ob  Bayern  bei  der
Verteilung  diesen  Kleesamens  ungenügend  berücksichligt
  werde.  ist  nicht  zutreffend.  Bayern  hat
vielmehr  seinen  Anteil  in  reichlichem  Maßc  zu
gewiesen  erhalten.

Die  Bevôlkerung  i#m  in  geeigneter  Weise  nus.
milären  und  davon  zu  verfländigen,  daß  allce
geschehen  wird,  um  den  Aussall  an  Kleefutter
im  Herbst  1917  und  im  Jahre  1918,  soweit  es
nach  der  Lage  der  Sache  überhaupt  möglich  il,
iu  ereigen.  Zunächst  wird  es  notwendig  sein,  in
diesem  Jahre  Bhimeickende  Mengen  von  Wil
len  und  Seuf,  die  in  erster  Linie  als  Ersatz
iunerpilanzen  in  Betracht  kommen,  zur  Samen
gewinnung  anzubauen,  damit  genügend  Saatut
  für  den  Anbau  1916  zur  Verfügung  ge.
stellt  werden  lann.

Die  Landesfuttermittelstelle  verleilt  3,  diesem
  Zwecke  40/00  Zir.  reine  Wicken  und  500  KJur.
Senssaat  gegen  die  Verpflichlung  der  Rudlie
serung  eines  Teiles  der  Ernte.  Um  die  Land
wirte  noch  besonders  anzuspornen,  erhalten  lie
auf  den  Hektar  der  Vertragesläche  1  Dovpellentner
  schwefelsaures  Ammoniek  zur  belie.
bigen  Verwendung  in  der  Wirtschaft.  Die
Landwirtc,  jener  Bezirke,  in  denen  diese  Früchle
schon  bisher  angebant  werden  sind.  sind  auf
die  Teilnahme  an  diesem  Vertragsbau  besonders
  hinzuweisen.  Auch  Saatmaie  kann  voraussichtlich
  wieder  wie  im  Vorjahre  durch  die  Laudesfuttermiktelstelle
  zugewiesen  werden;  die
ersten  Wagen  sind  bereits  eingetroffen.  Im
übrigen  ist  den  Landwirten  dringend  rEW*
en,  heuer  die  Vorräte  an  inländischem  9  -
Feesamen  durch  Mischung  mit  Samen  von  anderen
  Kleearken  und  mit  Grassämereien  m
strecken  und  sich  selbst  aus  der  Ernte  dieses  Jahres
  eine  hinreichende  Menge  von  Kleesamen  für
das  nächste  Jahr  aufzubewahren.

Der  Bayerische  Landwirtschaftsrat  bereitet
durch  seinen  ständigen  Ausschuß  für  Acker-  und
Pflanzenbau  ein  Flugblatt  vor,  das  alke  hier  in
Betracht  kommenden  Fragyen  behandelm  uund  voen-E
  Verteikung  kommen  wird.

h0  Forbrczkung  dieses  Flupblattes  unter  1
ltn  ist  Sorge  zu  trayen.

 

—-Wetterbericht

  für  Freilag,  den  20.  April  1917:
Langsame  Besserung,  Vachtfrost.