Volltext : Publicationen aus den K. Preussischen Staatsarchiven. Preussen und die Katholische Kirche seit 1640. (77)

keine  Butter  habe;  man  solle  sich  an  den  Oberpräsidenten  wenden!  Der
aber  hatte  eben  mitgeteilt,  daß  in  dringenden  Fällen  Butter  bei  der
3EG.  angefordert  werden  müsse!  Endlich  am  22.  7.  16  verfügte  das
Ministerium  eine  endgültige  Regelung.  Danach  wurde  die  Fettbewirtschaftung
  den  Kommunalverbänden  übertragen;  den  Auggleich  zwischen
diesen  sollte  die  Provinzialfettstelle  (P  Fe.)  regeln,  zwischen  den  Provinzen
  die  Landesfettstelle  (LFe.),  während  die  Reichsfektstelle  über  dem
ganzen  schweben  sollte  (R  Fe.).  Dazu  ließ  der  Oberpräsident  am  3.  8.
mitteilen,  daß  die  PFe.  mit  2  Geschäftsabteilungen  eingerichtet  sei,  der
Butterstelle  des  Molkereiverbandes  für  Butter  und  der  Domm.  landwirkschaftlichen
  Hauptgenossenschaft  für  die  übrigen  Fette;  die  Geschäftsabteilung
  1  wurde  als  Provinzialbutterstelle  (PB.)  bezeichnet.  Schleunigst
  telegraphierte  der  Magistrat  an  die  neue  P#B.  und  erbat  voll  Hoffnung
  Zuweisung  von  Butter,  weil  die  ländlichen  Molkereien  nichts  mehr
liefern  könnten.  Leider  mußte  er  eine  Enttäuschung  erleben:  er  erhielt
nur  einen  Brief  der  Butterstelle  des  Molkereiverbandes,  daß  die  PB.
erst  am  12.  8.  „oder  später“  in  Tätigkeit  trete  und  daß  er  versuchen  solle,
Butter  freihändig  zu  haufen,  schlimmsten  falls  Ueberpreise  anzulegen!

Inzwischen  hatte  in  Stolp  schon  Anfang  Juli  die  Butterversorgung
vollkommen  versagt.  Um  wenigstens  etwas  zu  tun,  hatte  Stettin  die
Molkerei  Stolp  angewiesen,  ihre  Buttererzeugung  von  3  Tagen  —  27
Ztr.  —  der  Stadt  zur  Verfügung  zu  stellen;  kaum  war  das  geschehen,
wurde  die  Molkerei  von  der  3EG.  dringend  aufgefordert,  diese  Menge
nachzuliefern,  und  es  dauerte  ziemlich  lange,  bis  diese  Angelegenheit  zur
Zufriedenheit  aller  Teile  beigelegt  war.  Ende  Juli  kam  wenigstens  eine
größere  Lieferung  von  Butter,  nämlich  60  Fässer,  die  allerdings  aus
Kolberg  geschickt  wurden.  Auch  diese  Lieferung  war  eine  Enttäuschung:
die  60  Fässer  halten  zusammen  ein  Mindergewicht  von  mehr  als  60
Pfd.,  und  außerdem  war  die  Ware  zu  einem  erheblichen  Teil  ranzig  und
ungenießbar!

In  jenen  Tagen  waren  auch  die  ersten  Schritte  zur  Regelung  der
Margarineversorgung  getan  worden,  indem  der  Regierungspräsident  eine
Anmeldung  des  Margarinebedarfs  der  Städte  verlangt  hatte.  Zunächst
aber  kam  nur  eine  spärliche  Zuweisung  von  20  Ztr.  für  einen  ganzen
Monat,  und  die  Stadt  mußte  sich  weiter  durchhungern,  bis  die  geplante
endgültige  Regelung  wirklich  in  Kraft  trat.  Die  Butterration  war  schon
Anfang  Juli  auf  62“  gr  herabgesetzt  worden,  doch  konnten  meistens  nur
48  gr  geliefert  werden,  sodaß  die  Stadt  sich  gezwungen  sah,  einmal  sogar

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