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die geistige und sittliche Entwickelung der Jugend kein Streit
herrsche. Auch ob Phaedrus und Ovid, ob für zwölfjährige Knaben
Cäsar der geeignete Schriftsteller sei, unterliege erheblichen Zweifeln.
Mehr als fraglich sei es auch, ob die größere Schwierigkeit der
lateinischen Lectüre für noch so junge Knaben wirklich einen Vortheil
enthalte.
Dem etwanigen Einwande, daß das Lateinische früh begonnen
werden müsse, stellte Hr. Ostendorf die Frage entgegen, ob denn
eine moderne Cultursprache, wenn sie dem Schüler bis zu einem
gewissen Grade zu eigen werden solle, nicht gah begonnen werden
müsse. Freilich, bemerkte er, könne man das Lateinische, wenn man
es erst in dem Lebensalter der Unter-Tertianer beginne, nicht so
betreiben, wie man es jetzt in Serta betreibe; aber die ganze Art
des lateinischen Unterrichts in Sexta sei auch nichts als ein Anachronismus.
- .
Man frage ferner, ob sich im Lateinischen und im Griechischen
noch genug leisten lasse, wenn man jenes drei Jahre später beginne.
Er behaupte, dies sei möglich, selbst wenn alles, was jetzt gefordert
werde, auch wirklich nothwendig wäre. Denn man beginne die
alten Sprachen dann mit besser vorgebildeten Schülern und in
besser Classen; und namentlich jeder Realschul-Director
kenne wohl aus eigener Erfahrung Beispiele genng, wie rasch tüchtige
Knaben, welche durch das Betreiben einer neueren fremden Sprache
vorgebildet sind, sich das Lateinische aneignen. Daß aber alles,
was man jetzt in den alten Sprachen, namentlich in der lateinischen
fordere, nothwendig sei, daß insbesondere das lateinisch Sprechen
und der lateinische Aufsatz durch das anerkannte Endziel des altsprachlichen
Unterrichts, in die Lectüre der Classiker einzuführen,
erfordert werde, müsse er bestreiten. — Man habe behauptet, das
Gymnasium verliere, wenn es den fremdsprachlichen Unterricht mit
einer neueren Sprache beginne, seinen Mittelpunct, um den sich
jetzt der gesammte Unterricht gruppire. Indeß sei er der auch von
anderer Seite anerkannten Ansicht, daß der wahre Mittelpunct für
jeden Schulunterricht nicht eine bestimmte fremde Sprache sein
könne, sondern daß der wahre Mittelpunct nur ein idealer, und
wie er hinzusetzen möchte, ein nationaler sei.
Wenn ferner die Behauptung richtig wäre, daß der einzelne
Mensch in seiner Bildung denselben Weg gehen müsse, den die
Menschheit gewandelt sei, dann müßte consequenter Weise der Unterricht
damit beginnen, daß der Knabe zunächst in die Welt des
Orients eingeführt werde, darauf Griechisch und später Lateinisch
lernte. Ebensowenig habe der Einwand, daß es ein Borspo#
#a rep sei, wenn man das Französische vor dem Lateinischen
betreibe, irgend welche Bedentung, da in jedem Unterrichtsfache und
zwar aus guten pädagogischen Gründen gar oft dieselbe Ordnung