Metadata : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

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die  geistige  und  sittliche  Entwickelung  der  Jugend  kein  Streit
herrsche.  Auch  ob  Phaedrus  und  Ovid,  ob  für  zwölfjährige  Knaben
Cäsar  der  geeignete  Schriftsteller  sei,  unterliege  erheblichen  Zweifeln.
Mehr  als  fraglich  sei  es  auch,  ob  die  größere  Schwierigkeit  der
lateinischen  Lectüre  für  noch  so  junge  Knaben  wirklich  einen  Vortheil
  enthalte.

Dem  etwanigen  Einwande,  daß  das  Lateinische  früh  begonnen
werden  müsse,  stellte  Hr.  Ostendorf  die  Frage  entgegen,  ob  denn
eine  moderne  Cultursprache,  wenn  sie  dem  Schüler  bis  zu  einem
gewissen  Grade  zu  eigen  werden  solle,  nicht  gah  begonnen  werden
müsse.  Freilich,  bemerkte  er,  könne  man  das  Lateinische,  wenn  man
es  erst  in  dem  Lebensalter  der  Unter-Tertianer  beginne,  nicht  so
betreiben,  wie  man  es  jetzt  in  Serta  betreibe;  aber  die  ganze  Art
des  lateinischen  Unterrichts  in  Sexta  sei  auch  nichts  als  ein  Anachronismus.
  -  .

Man  frage  ferner,  ob  sich  im  Lateinischen  und  im  Griechischen
noch  genug  leisten  lasse,  wenn  man  jenes  drei  Jahre  später  beginne.
Er  behaupte,  dies  sei  möglich,  selbst  wenn  alles,  was  jetzt  gefordert
werde,  auch  wirklich  nothwendig  wäre.  Denn  man  beginne  die
alten  Sprachen  dann  mit  besser  vorgebildeten  Schülern  und  in
besser  Classen;  und  namentlich  jeder  Realschul-Director
kenne  wohl  aus  eigener  Erfahrung  Beispiele  genng,  wie  rasch  tüchtige
Knaben,  welche  durch  das  Betreiben  einer  neueren  fremden  Sprache
vorgebildet  sind,  sich  das  Lateinische  aneignen.  Daß  aber  alles,
was  man  jetzt  in  den  alten  Sprachen,  namentlich  in  der  lateinischen
fordere,  nothwendig  sei,  daß  insbesondere  das  lateinisch  Sprechen
und  der  lateinische  Aufsatz  durch  das  anerkannte  Endziel  des  altsprachlichen
  Unterrichts,  in  die  Lectüre  der  Classiker  einzuführen,
erfordert  werde,  müsse  er  bestreiten.  —  Man  habe  behauptet,  das
Gymnasium  verliere,  wenn  es  den  fremdsprachlichen  Unterricht  mit
einer  neueren  Sprache  beginne,  seinen  Mittelpunct,  um  den  sich
jetzt  der  gesammte  Unterricht  gruppire.  Indeß  sei  er  der  auch  von
anderer  Seite  anerkannten  Ansicht,  daß  der  wahre  Mittelpunct  für
jeden  Schulunterricht  nicht  eine  bestimmte  fremde  Sprache  sein
könne,  sondern  daß  der  wahre  Mittelpunct  nur  ein  idealer,  und
wie  er  hinzusetzen  möchte,  ein  nationaler  sei.

Wenn  ferner  die  Behauptung  richtig  wäre,  daß  der  einzelne
Mensch  in  seiner  Bildung  denselben  Weg  gehen  müsse,  den  die
Menschheit  gewandelt  sei,  dann  müßte  consequenter  Weise  der  Unterricht
  damit  beginnen,  daß  der  Knabe  zunächst  in  die  Welt  des
Orients  eingeführt  werde,  darauf  Griechisch  und  später  Lateinisch
lernte.  Ebensowenig  habe  der  Einwand,  daß  es  ein  Borspo#
#a  rep  sei,  wenn  man  das  Französische  vor  dem  Lateinischen
betreibe,  irgend  welche  Bedentung,  da  in  jedem  Unterrichtsfache  und
zwar  aus  guten  pädagogischen  Gründen  gar  oft  dieselbe  Ordnung