Volltext : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

Die  I.  Armee  hatte  feit  dem  5.  September  einen  schweren  Angriff
aue  Harie  hervorgebrochener  Rräfte  westlich  des  Ourcq  abgewehrt  und
beabsichtigte,  den  Feind  am  §.  nach  Umgruppierungen  innerhalb  der  eigenen
Front  selbst  anzugreifen,  weil  ste  sich  der  Lage  durchaue  gewachsen  fühlte.
Allerdinge  blaffte  zwischen  der  I.  und  2.  Armee  eine  erhebliche  Lücke.

Die  2.  Armee  hatte  gegen  überlegenen  Feind  den  Detit  Morin-Abschnitt
zwischen  Montmirail  und  St.  Gond  gehalten,  an  ihrem  linken  Flügel
war  wegen  der  dort  herrschenden  schwierigen  Kage  ein  Teil  der  benachbarten
3.  Armee  eingesetzt.

Die  4.  Armee  gewann  langsam  Gelände  südlich  des  Rhein  —  Marne—
Ranale  zwischen  Vitry  le  Francçois  und  Revigny,  an  ihren  rechten  Flügel
war  der  andere  Teil  der  3.  Armee  angeschlossen.

Die  lage  meiner  5.  Armee  wurde  besprochen,  sie  hielt  ihre  Linien
unbedingt  fest  in  der  Zand  und  war  mit  dem  V.  A.  R.  im  Angriff  gegen
Fort  Troyon.

Aus  der  6.  und  7.  Armee  waren  zur  Bildung  einer  neuen  Armee
für  den  Westflügel  zwei  Armeekorps  und  die  7.  R.  D.  ohne  Zwischenfälle
berauegezogen  und  im  Abtransport  nach  Belgien.

Somit  ergab  sich  aue  der  Orientierung  des  Gberstleutnants  Sentsch
eine  im  ganzen  befriedigende  Gesamtlage,  zumal  die  Schwierigkeiten  bei
der  I.  und  2.  Armee  ausgeglichen  erschienen.

Immerhin  konnten  wir  uns  in  meinem  Operatlonsstab  der  Tatsache
nicht  verschließen,  daß  in  dem  bieherlgen  raschen  Siegeslauf  dee  deutschen
Heeres  ein  Stillstand  eingetreten  war.  Wir  hörten  die  Bestätigung  der
schwirrenden  Gerüchte  und  die  Richtigkeit  der  aus  den  Meldungen  über
feindliche  Truppentraneporte  gezogenen  Kombinationen,  daß  die  franzssische
  ZSeeresleitung  doch  rechtzeitig  an  entscheidender  Stelle  überlegene
Kräfte  zum  planmäßigen  Gegenangriff  angesetzt  hatte.  Sbenso  sah  man,
daß  dae  feste  Gefüge  des  anfange  so  geschlossen  durchgeführten  Vormarsches
der  deutschen  Armeen  sich  durch  thre  taktischen  Sinzelkämpfe  gelockert  hatte,
was  besonders  auf  dem  äußersten  rechten  Flügel  bei  der  I.  und  2.  Armee
Bedenken  erwecken  konnte.

Was  meine  und  die  4.  Armee  betraf,  so  erschien  es  angesichts  der
schweren  Rämpfe  der  letzten  Tage  recht  unsicher,  ob  das  von  der  G.  Z.  L.
gewünschte  rasche  Vordringen  in  südöstlicher  Richtung  bald  gelingen  würde.

Endlich  durfte  man  sich  nicht  die  eigenen  großen  Oerluste  an  bester

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