Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

242  Gefecht  bei  Dreux.

sichere  Los  der  Loirearmee  gewesen,  denn  der  Feldmarschall  Prinz
Friedrich  Karl  würde  sie  völlig  abgeschnitten  haben.

Doch  der  General  Aurelles  de  Paladine  war  klug  genug,  nicht  in  den
Fehler  einer  zu  eifrigen  Verfolgung  zu  verfallen.  Er  begnügte  sich,
Orleans  wieder  zu  besetzen  und  die  vorgefundenen  Erdwerke  zu  erweitern
  und  zu  verstärken.  Bei  Orleaus  beabsichtigte  die  provisorische
Regierung  ein  verschanztes  Lager  anzulegen  und  hier  alle  ausgebildeten
  Mobilgarden  zu  sammeln,  um  dereinst  mit  einer  großen  Armee
Paris  zu  befreien.

Auch  von  Westen  her  hatten  einige  Korps  der  Mobilgarde  sich
Paris  genähert.  Angeblich  waren  sie  die  Spitzen  einer  Armee,  welche
der  Graf  Keratry  in  der  Bretagne  versammelt  hatte.  Der  Großherzog
  von  Mecklenburg  lieferte  ihnen  am  17.  November  ein  Gefecht
bei  Dreux,  6  Meilen  westlich  von  Chartres.  Mit  einem  eigenen
Verluste  von  3  Todten  und  35  Verwundeten  warf  der  Großherzog
die  Mobilgarden  zurück,  die  22.  Division  besetzte  Dreur  und  lieferte
dem  Feinde  auch  am  18.  November  ein  kleineres  Gefecht  bei  Chateauneuf,
  in  welchem  200  Gefangene  gemacht  wurden.

Das  Wetter  war  in  den  letzten  Wochen  schon  recht  rauh  geworden,
  den  Rückzug  von  Coulmiers  auf  Chartres  führte  General
von  der  Tann  theilweise  im  Schneegestöber  aus.  Der  Winter  meldete
  sich.

Die  Operazionen  der  deutschen  Armeen  wurden  durch  die  heranrückende
  rauhe  Jahreszeit  durchaus  nicht  unterbrochen.  Von  Deutschland
  aus  waren  die  deutschen  Truppen  mit  warmen  wollenen  Unterkleidern
  reichlich  versehen,  und  selbst  die  später  so  heftig  auftretende
Kälte  vermochte  nicht,  die  tapfern  deutschen  Truppen  auch  nur  einen
Augenblick  in  der  treuesten  Erfüllung  ihrer  schweren  Pflicht  wankend
zu  machen.