350 Grofbrikanmmien. (November 6.)
Bei der Begründung erklärt RP. Macdonald (Unabh. Arb.), die engl.
Politik müsse folgende Grundlage haben: Keine Annexionen und keine Entschädigungen!
Wenn man als erstes Kriegsziel die Besiegung des Feindes
instelle, so sei das eine Verherrlichung der Politik des Machtwillens. Ein
riede auf dieser Grundlage sei ein militärischer Waffenstillstand, so daß
nach einer Ruhepause derselbe fürchterliche Kampf von neuem beginne.
Die beste Bürgschaft gegen eine Erneuerung des Krieges sei der Völkerbund.
In bezug auf Elsaß-Lothringen könne man Frankreich keinen Giftbecher
reichen. Die Provinzen zurückzunehmen ohne eine Volksabstimmung,
wäre ein Fehler, und wenn England dazu helfe, zeige es sich weder als
Freund Frankreichs noch als Verteidiger der europäischen Freiheit. Der
Bund der Nationen dürfe kein Bund der Regierungen, sondern müsse ein
Bund der' Völker sein.
Lees Smith verweist auf einen geheimen Vertrag zwischen Frankreich
und Rußland, der Frankreich aßer Elsaß-Lothringen große Landstrecken
am linken Rheinufer verspricht. Es sei zu nichts nütze, Deutschland
mit gesellschaftlicher und mit wirtschaftlicher Aechtung zu bedrohen, wenn
man aufrichtig verlange, einen Völkerbund und eine wirkliche europäische
Gemeinschaft zu stiften.
Der Staatssekretär des Ausw. Balfour erwidert, nach seiner Ansicht
trügen solche Erörterungen wenig zu einem ehrenvollen, möglichst
baldigen Frieden bei. Der Hauptinhalt der Ausführungen der Vorredner
sei gewesen, daß das Land am Kriege festgehalten würde zu dem Zweck,
Elsaß-Lothringen an Frankreich zurückzubringen. Das bedeute eine vollständige
Verkennung der allgemeinen Ansichten der gegenwärtigen und der
vorhergehenden Regierung und des Landes in seiner Gesamtheit hinsichtlich
der Kriegsziele. Anscheinend wünschten die Friedensfreunde, den Krieg solange
fortzusetzen, bis jedes Land demokratisiert sei (Zustimmung und Gelächter),
sie wünschten, daß der Krieg als Mittel gebraucht werde, um die
demokratische Regierungsform auf alle europäischen Staaten auszudehnen.
Macdonald führte die deutschen Sozialisten als Beweis dafür an, dos
nichts Deutschland gegen seine gegenwärtigen Feinde mehr einige als der
Gedanke, daß die letzteren beabsichtigen, ihm gegen seinen Willen eine
Regierungsform aufzuzwingen, welche seine Feinde, aber nicht Deutschland
zufällig bewunderten. Balfour sagt weiter, er sei einer derjenigen geweser.
die leidenschaftlich gewünscht hätten, daß die freiheitlichen Einrichtungen
über ganz Europa ausgedehnt würden, aber er habe niemals geglaudt.
daß es klug oder für ein Land möglich wäre, einem anderen Lande voruschreiben,
unter welcher Regierungsform dieses Land leben soll. (Zutimmung)
Lees Smith habe die Regierung angegriffen, weil sie ihre
Kriegsziele so weit gespannt habe, daß diese jede Art von Zielen einschlössen,
an denen England sehr geringes unmittelbares Interesse hätte,
und dem Hause zu verstehen gegeben, daß er glaubwürdige Mitteilungen
besitze, wonach die Alliierten durch einen geheimen Vertrag gebunden wären,
Frankreich oder einem unabhängigen Staat den tatsächlich deutschen Teil
Deutschlands auf dem linken Rheinufer auszuhändigen. Das sei ein vollständiger
Unsinn. Es bestehe kein derartiger Vertrag, noch dächte er, daß
irgendein solcher Vertrag bestanden habe. Es sei bedauerlich, daß Leez
Smith ein solches Argument gebraucht habe, das natürlich in Deutschland
ohne Widerspruch wiederholt würde (Zustimmung) und das zur Grundlage
ätte, daß die Ziele der Alliierten nicht diejenigen wären, die sie laut verndeten,
nämlich die Befreiung der kleinen Völker und möglichst baldige
Schaffung eines Verfassungszustandes in den europäischen Staaten, der
soweit als möglich mit den Wünschen ihrer Bewohner im Einklang stände.