Full text : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

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ner  der  Steiß  dem  Muttermunde  etwas  näher,  und  das  Kind  liegt
daher  mehr  schief,  als  völlig  quer  in  der  Gebärmutter.

Bei  gewöhnlicher  Größe  und  regelmäßiger  Gestalt  der  Gebärmutter
  und  gehöriger  Festigkeit  ihrer  Wände  kann  das  Kind  nicht
wohl  eine  Schief=  oder  Querlage  in  derselben  annehmen.  Ist  aber
die  Gebärmutter  ungewöhnlich  weit,  z.  B.  bei  zu  vielem  Fruchtwasser,
oder  sind  ihre  Wände  sehr  nachgiebig  und  schlaff,  so  kann  leicht  eine
solche  fehlerhafte  Lage  entstehen,  so  lange  sich  das  Kind  noch  völlig
über  dem  kleinen  Becken  befindet,  also  namentlich  dann,  wenn  ein
enges  Becken  den  Eintritt  des  Kopfes  oder  des  Steißes  verhindert.
Bei  Erstgebärenden  kommt  eine  Schief=  oder  Querlage  äußerst  selten
  vor.

g.  293.

Man  unterscheidet  zwei  Arten  von  Schief=  und  Querlagen.
Bei  der  ersten  ist  die  Rückenfläche  des  Kindes  nach  vorn,  bei
der  zweiten  nach  hinten  gerichtet.  Während  der  Schwangerschaft
und  auch  in  der  ersten  Geburtszeit,  vor  dem  Abflusse  des  Fruchtwassers
  und  so  lange  die  Wehen  noch  schwach  sind,  pflegt  dabei  die
Haltung  des  Kindes  eine  regelmäßige  zu  bleiben.  Je  weniger
diese  aber  von  der  gewöhnlichen  abweicht,  um  so  höher  wird  das
Kind  in  der  Gebärmutter  zurückgehalten,  da  der  untere  engere  Abschnitt
  derselben  es  so  nicht  aufnehmen  kann.  Mit  der  Zunahme
der  Wehen  und  der  stärkeren  Verkleinerung  der  Gebärmutter  muß
entweder  die  Lage,  oder  die  Haltung  des  Kindes  sich  ändern.
Liegt  das  Beckenende  dem  Muttermunde  näher,  so  erfolgt  meistens  der
Uebergange  in  eine  Beckenlage.  Liegt  dagegen  das  Kopfende  tiefer,  so
ändert  sich  häufiger  die  Haltung,  als  die  Lage  des  Kindes.  Nach  dem
Abflusse  des  Fruchtwassers  ist  der  Uebergang  in  eine  Kopflage  nicht
wohl  mehr  zu  erwarten.  Ueber  dem  inneren  Muttermunde  befindet
sich  in  der  Regel  eine  Schulter.  Die  Haltung  des  Kindes  wird  nun
in  der  Weise  verändert,  daß  die  abwärts  gerichtete  Schulter  herabgedrängt,
  der  Kopf  der  entgegengesetzten  Schulter  genähert,  und  das
Beckenende  nach  derselben  Seite  hin  erhoben  wird.  So  entsteht  also
eine  Schulterlage.  Die  Richtung  der  Schulternbreite  entspricht  dem
queren,  oder  einem  der  schiefen  Durchmesser  des  Beckeneinganges.