Metadata : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

—.,  503  —

solle.  Die  Brigade  von  Steinmetz  sollte  ihre  Stellung,  Front  gegen  Wartenburg,
  festhalten,  die  soeben  eintreffende  Brigade  von  Horn  hinter  der  des
Prinzen  von  Mecklenburg  den  gegenüberstehenden  Feind  zwischen  Bleddin  und
Wartenburg  in  der  Front  beschäftigen,  die  Brigade  von  Hünerbein  als  Reserve
auf  dem  Wege  nach  den  Brücken  halten  bleiben.  Sobald  der  Prinz  von
Mecklenburg,  nachdem  er  Bleddin  genommen,  die  Stellung  von  Wartenburg
von  Süden  oder  Westen  her  angriff,  sollten  die  Brigaden  von  Steinmetz  und
Horn  zum  Sturm  auf  Wartenburg  in  der  Front  vorgehen.

Der  Prinz  von  Mecklenburg  trat  nun  auf  den  wiederhergestellten  Wegen
seinen  Vormarsch  gegen  Bleddin  an,  mit  sechs  Bataillonen  staffelweise  vom
linken  Flügel,  dahinter  die  sieben  Eskadrons,  voran  und  seitwärts  die  Artillerie,
im  Avancieren  feuernd.  Die  Württemberger,  welche  jetzt  unerwartet  Reiterei
und  Artillerie  in  diesem  scheinbar  für  diese  Waffen  unzugänglichen  Terrain
vorgehen  sahen,  wichen  nach  hartnäckigem  Widerstande  bis  Bleddin  zurück.  Um
das  Dorf  entspann  sich  ein  heftiger  Kampf.  Um  2  Uhr  mittags  war  dasselbe
von  den  Preußen  erobert,  der  Feind  von  hier  teils  in  der  Richtung  auf  Torgan,
  teils  nach  Globig  zurückgedrängt,  wo  Kavallerie  zu  seiner  Aufnahme  bereit
stand.  Dieselbe  wurde  jedoch  durch  eine  glänzende  Reiterattacke  der  schwarzen
Husaren  unter  Major  von  Stößel  völlig  zersprengt.  Der  Prinz  konnte  sich
nun  mit  seiner  Brigade  rechts  wenden  und  zu  dem  zweiten  Teil  seiner  Aufgabe,
  dem  Angriff  auf  die  Stellung  von  Wartenburg  und  den  mit  einer  französischen
  Batterie  besetzten  Windmühlenberg,  westlich  Wartenburg,  übergehen.

Die  Brigaden  von  Steinmetz  und  von  Horn  hatten  unterdessen  stundenlang
  im  heftigsten  Feuer  gestanden,  ohne  zu  weichen,  aber  auch  ohne  nur  einen
Schritt  vordringen  zu  können.  Ganze  Bataillone  waren  in  Tirailleurlinien
aufgelöst  worden;  sie  wurden  abgelöst  und  durch  andere  ersetzt,  sobald  ihre
Munition  verschossen  war;  aber  sie  waren  in  dem  mörderischen  Kartätsch=  und
Kleingewehrfeuer  des  Feindes  zu  Schlacken  zusammengeschmolzen  und  vermochten
nur  mit  äußerster  Anstrengung  die  wiederholten  Versuche  des  Feindes,  aus
Wartenburg  vorzudringen,  abzuwehren.

Mit  Ungeduld  warteten  die  preußischen  Heerführer  auf  die  Wirkung  der
Umgehung  des  Prinzen  Karl  über  Bleddin.  Da  verbreitete  sich  plötzlich  die
Nachricht,  daß  Napoleon  mit  20000  Mann  von  Torgau  her  im  Anmarsch  sei,
und  drängte  gebieterisch  zu  einer  Entscheidung  des  Kampfes  noch  vor  seiner
Ankunft  auf  dem  Schlachtfelde.

Es  war  2  Uhr  mittags.  General  von  Vork  hielt  bei  der  Hornschen
Brigade  neben  deren  Führer.  Zwei  Landwehrbataillone  waren  soeben  am  Elb-—#



*  Diese  durch  Patrouislen  und  Spione  gebrachte  Nachricht  war  übertrieben.  Es  war
nur  ein  Reitercorps,  welches  Marschall  Ney  von  Torgau  aus  die  Elbe  abwärts  entsandt
hatte,  welches  aber  bei  dem  anhaltenden  Geschützfeuer  von  Wartenburg  her  wieder  umkehrte.