Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1891. (25)

Gemeindewahlrecht.

seines  Stellv.  nach  Anleitung  des  Med  Koll.,  Min.=Ilbl.
  1913  553,  vorzunehmen.  Das  Ol.  hat
den  Vertretern  der  zu  besichtigenden  Anstalten,  Betriebe
  und  Einrichtungen  die  Vis.  durch  Vermittlung
  der  Gdebeh.  i.  d.  R.  einige  Tage  zuvor  bekannt
  zu  geben  und  sie  einzuladen.  Die  wahrgenommenen
  Mängel  bespricht  der  O  A.  mit  dem
O  Worst.  u.  den  anwesenden  Beteiligten,  wobei  zugleich
  die  Abhilfemaßregeln  zu  erörtern  sind.  Das
Ergebnis  der  Vis.  wird  schriftlich  niedergelegt.  Soweit
  die  vorgefundenen  Anstände  nicht  sofort  erledigt
  werden  können,  übergibt  der  O#.  binnen
14  T.  seine  Anträge  schriftlich  dem  OA.  In  denj.
Gden,  in  denen  der  Ol.  zugleich  Schul  A.  ist,
werden  die  Sch.  anl.  der  ärztl.  Gde  Vis.  nur  besichtigt,
  in  denen  bes.  Anlaß  hiezu  vorliegt.  Im
Stadtdir  Bez.  Stuttgart  wird  jedes  Jahr  ein  best.
von  der  Stadtdir.  im  Benehmen  mit  dem  Stadtdir
  A.  abzugrenzender  örtl.  Bez.  vifitiert;  jeder
Bezirk  soll  i.  d.  R.  alle  6  J.  an  die  Reihe  kommen.
Rößler.

Gemeindewahlrecht.  Das  G.  begreift  in  sich  einmal
  das  aktive  Wahlrecht,  d.  h.  das  Recht  der  Teilnahme
  an  den  Wahlen  zu  den  Gde  Aemtern  und
das  Stimmrecht  in  sonstigen  Gde  Angelegenheiten,
sodann  das  passive  Wahlrecht,  d.  h.  das  Recht,  zu
einem  Gde  Amt  gewählt  zu  werden  (Wählbarkeitsrecht).
  Die  Voraussetzungen  des  G.  sind  in  G###.
Art.  1,  12—19  geregelt,  s.  Gemeindeangehörigkeitsgesetz.
  Während  das  aktive  Wahlrecht  nur  den
Gde  Bürgern  zusteht,  s.  Gemeindebürgerrecht,  gibt
ees  Gde  Aemter,  für  welche  die  Wählbarkeit  nicht
an  den  Besitz  des  Bürgerrechts  geknüpft  ist.  —
X  I.  Die  Gemeindeämter,  für  welche  ein  Wahlrecht
der  Gemeindebürger  besteht,  und  das  Stimmrecht
in  Gemeindeangelegenheiten.  Nach  der  gegenwärtigen
  Gde  Gesetzgebung,  Gde  O.,  kommen  als
Gde  Aemter,  für  welche  ein  Wahlrecht  der  Gde-Bürger
  besteht  nur  in  Betracht  das  Amt  der  Ortsvorsteher,
  der  Gde  Räte  und  Bürgerausschüsse,  einschließlich
  der  Teilgde  Räte  und  Teilbürgeraussch.,
lewie  der  Anwälte  und  Ortsrechner  in  gewissen
eilgden.  Die  einschlägigen  Best.,  Gde  O.  Art.  11
Abs.  1,  Art.  45,  55,  71,  175,  176,  178,  wiederholen
die  Best.,  daß  nur  Gde  Bürger  das  Wahlrecht  haben.
Ein  direktes  Stimmrecht  in  Gde  Angelegenheiten
besteht  nur  in  solchen  Teilgden,  die  weniger  als
20  wahlberechtigte  Gde  Bürger  haben,  sofern  in
denselben  ein  Teilgde  Rat  nicht  bestellt  ist,  Art.  175
Abs.  8  GdO.  —  K  II.  Die  Gde  Aemter,  für  die  der
Besitz  des  Bürgerrechts  Voraussetzung  der  Erlangung
  ist.  1  Nur  Gde  Bürger  können  zu  Mitgl.
des  Gde  Rats  und  Bürgerausschusses
gewählt  werden,  Art.  1  Abs.  2  GA.  Diese  Best.  ist
wiederholt  in  Art.  11  Abs.  1,  45  u.  71  Gde  O.  und
gist  auch  für  die  Teilgde  Räte  und  Teilürg
  Aussch.,  Gde  O.  Ort.  175.  Nach  Art.  176
Abs.  2  Gde  O.  muß  ferner  der  Anwalt  einer
Teilgde  aus  dem  Kreis  der  wahlberechtigten  Gde-Bürger
  gewählt  werden.  Weiterhin  sind  zu  Vertretern
  der  Schulgemeinde  im  Ortschulrat,
  s.  d.,  nur  solche  Pers.  wählbar,  die
nach  Art.  12,  14  u.  18  GU.  die  gemeindebürgerlichen
  Wählbarkeitsrechte  besitzen,  Art.  60  Abs.  2

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Volksschul  G.  17.  8.  O9,  Rgbl.  198;  Art.  60  Abs.  4
a.  a.  O.  bestimmt  ferner:  Für  die  Verpflichtung
zur  Annahme  der  Wahl  in  den  Ortschulrat
  sowie  hinsichtlich  des  Austritts  sind  die  Bestimmungen
  in  Art.  15  bis  19  GWMG.  in  Verbindung
  mit  Art.  26  Abs.  4,  Art.  28  Abst.  4,
Art.  254  u.  255  Gde  O.,  entspr.  anzuwenden.  Im
Fall  des  Art.  18  Abs.  1  Satz  2  GA.  hat  der  Ortschulrat
  bei  dem  Gde  Rat  die  erforderliche  Verfügung
  zu  beantragen.  Endlich  bestimmt  Art.  46
AEGBGB.:  „Hinsichtlich  der  Wählbarkeit  der
Waisenrichter,  der  Verpflichtung  zur  Annahme
  und  Versehung  des  Amts  und  des  Ausscheidens
  aus  demselben  finden  die  Vorschr.  der
Art.  12,  14—19  G.  16.  6.  85  mit  der  Maßgabe
  Anwendung,  daß  die  in  Art.  12,  14—19  dieses
Ges.  dem  Oberamt  (jetzt  BezRat)  und  der  Kreisregierung
  zugewiesenen  Entscheidungen  dem  Amtsgericht
  und  der  Zivilkammer  des  Landgerichts  zukommen.“
  Diese  Best.  gilt  nach  Art.  72  AMGB#WB.
auch  für  das  Nachlaßgericht.  Der  Besitz  des  Gde-Bürgerrechts
  ist  nicht  Voraussetzung  für  die
Aemter  des  Ortsvorstehers  und  der
besoldeten  Gde  Räte,  obwohl  diese  Mitgl.
des  Gde  Rats  sind;  es  genügt  vielmehr  bei  denselben,
  neben  den  sonstigen  persönlichen  Eigenschaften,
  der  Besitz  der  Reichsangehörigkeit,  Gde  O.
Art.  57  Abs.  1,  Art.  87  Abs.  6.  Wohl  aber  wird
durch  die  Anstellung  als  Ortsvorsteher  und,  wenn
dies  durch  Ortstatut  bestimmt  ist,  auch  durch  die
Anstellung  als  besoldeter  Gde  Rat,  das  Bürgerrecht
gebührenfrei  erworben,  Art.  10  GM.  Der  Besitz
des  Gde  Bürgerrechts  ist  weiterhin  keine  Voraussetzung
  für  die  Anstellung  als  Gde  Beamter
(Reichsangehörigkeit  genügt),  Art.  104  Gde  O.,  und
Gde  Unterbeamter,  Art.  113  Gde  O.  Ferner
ist  der  Eintritt  der  Ortsgeistlichen  in  die
Ortsarmenbehörde  (s.  d.,  Art.  9  AGuU  WG.
17.  4.  78,  Rabl.  109,  i.  d.  F.  d.  Art.  10  Abs.  2  und
Art.  72  Abs.  5  Gde  O.)  und  der  Ortsgeistl.,
Lehrer  und  Schulärzte  in  den  Ortschulrat
  (s.  d.,  Art.  58  f.  Volkschul  G.)  vom  Besitz
  des  Gde  Bürgerrechts  nicht  abhängig.  Endlich
ist  noch  zu  erwähnen,  daß  für  diej.  Personen,  denen
die  Vertretung  der  Teilgde  in  den  Fällen  des
Art.  177  Gde  O.  zukommt,  der  Besitz  des  Gde  Bürgerrechts
  nicht  vorgeschrieben  ist.  —  1  UlI.  Die  wahlfähigen
  Bürger,  1  Art.  12—14  GA#.  Das  #aktive
und  passive  #  G.  steht,  soweit  es  vom  Besitz  des
Gde  Bürgerrechts  abhängig  gemacht  ist  (I.  u.  II.),
denj.  männlichen  Bürgern  zu,  die  im  Gdec  ez.
wohnen,  d.  h.  hier  einen,  nicht  von  vornherein  auf
kürzere  Dauer  berechneten  Aufenthalt  haben,  das
25.  Lebensj.  zurückgelegt  haben  und  daselbst
Steuern  aus  einem  der  Besteuerung  dieser  Gde
unterworfenen  Vermögen  oder  Einkommen  oder
wenigst.  Wohnsteuer  entrichten  oder  wenn  sie  gefordert
  würden,  zu  entrichten  hätten.  Den  im  Gde-Bez.
  Wohnenden  stehen  diej.  gleich,  die  in  der  Gde
mit  Staatsteuer  aus  Grundeigentum,  Gebäuden
oder  Gewerben  im  Mindestbetr.  von  25.X  veranlagt
sind.  Wahlrecht  und  Stimmrecht,  s.  1I,  können  nur
in  Person  ausgeübt  werden.  In  zusammengesetzten
  Gden  kommt  das  Wahlrecht  und  die