Full text : Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

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medicinischen  Kenntuisse,  weil  im  Morgenlande  man  schon  früher,
besonders  durch  die  Arabert#)  und  noch  früher  schon  durch  die
Alexandrinischen  Schulen  (von  286—81  vor  Christus)
eine  geläutertere,  auf  Anatomie  15)  begründete  Heilkunde  übte,
wodurch  später  noch  durch  die  salernoische  Schule  von  1143
bis  1238  (wo  die  griechischen  Aerzte  gelehrt  wurden)  der  durch
den  Mönchsmysticismus  enutstalteten  Medicin  eine  neue  Gestaltung
  gegeben  ward,  obschon  noch  bis  zur  Reformation  eine
Art  galenisch-arabische  Mcthode  von  unwissenden  Mönchen
fortgeübt  wurde.  Nachdem  nämlich  seit  Ende  des  11.  Jahrhunderts
  die  medicinische  Schule  zu  Salernot#o)  Ruf  und  Ansehen
erlaugt  hatte,  konnten  sich  zwar  Fürsten  von  dort  aus  Leibärzte
verschaffen;  aber  auch  diese  thaten  es  selten  und  begnügten  sich
mit  den  von  ihren  Unterthanen  verehrten  Badern;  die  eigentlich
blos  zu  schröpfen,  Ader  zu  lassen  und  zu  verbinden  dürftig  verstanden,
  und  selbst  im  13.  und  14.  Jahrhunderte  waren  noch  wenige
  Chirurgen  in  Deutschland,  die  in  Bologna  oder  Padua  studirt
  hatten:  denn  erst  im  15.  Jahrhunderte  gingen  einige  Sachsen,
  Heinrich  Stromer,  Erasmus  Stella  und  Georg
Sturzt))  dorthin,  um  die  Arzneikunde  zu  studiren.  —  Erst  nachdem
  durch  die  Entdeckung  von  Amerika  und  auch  schon  weit  früher
  durch  die  Kreuzzüge  18)  sich  neue  bis  dahin  noch  ungekannte
Krankheiten,  als  Anssatz,  Lepra,  Lustsenche,  später  Frauzosen
  19)  genannt,  2c.  in  Sachsen  ebenfalls  zeigten,  suchte  man
eine  bessere  Heilkunde  zu  erstreben;  doch  die  Abhängigkeit  von
den  Klostergeistlichen  und  der  Aberglaube  des  Volkes  stand  immer
noch  zu  sehr  behindernd  im  Wege.  —  Dem  Mangel  an  Aerzten
war  noch  im  15.  Jahrhunderte  in  Sachsen  keineswegs  abgeholfen,
nachdem  schon  die  verheerendsten  Seuchen  im  13.  und  14.  Jahrhunderte
  oft  ganze  Dörfer  und  Städte  entvölkert,  ja  sogar  ganze
Landstriche  verheert  hatten,  wie  die  von  den  Chronisten  verzeichneten
  Pestjahre  20)  in  Sachsen  darthun.  Man  wollte  zwar  dadurch,
daß  man  die  überhandgenommene  Unreinlichkeit  durch  Anlegung
von  Badestuben?)  stenerte,  eine  Abhilfe  besonders  in  Hinsicht
des  Aussatzes  erzielen,  sowie  man  schon  zwei  Jahrhunderte  früher

14)  Seit  dem  7.,  besonders  aber  durch  Erricenna  im  10.  Jahrhunderte.

15)  Kannten  die  Griechen  schon  seit  Horaphilus  und  seit  Ptolomäus
Lagus  in  Aegypten.

16)  Kaiser  Friedrich  II.  gab  ihr  erst  eine  academische  Einrichtung.

1)  Dieser  bereitete  eigentlich  erst  den  Sturz  der  alten  Heilmethoden  in
Sachsen  vor,  der  aber  erst  im  16.  Jahrhunderte  erfolgen  konnte.

18)  Nach  Art  der  in  Palestina  von  den  Ritterorden  eingerichteten  Krankenhäuser
  wurden  auch  in  Deutschland  dieselben  eingerichtet.

19)  Schon  Anfang  des  15.  Jahrhunderts.

20)  Im  Jahre  1349,  1356,  1450  und  1463.

à!)  Ueber  die  Badereien  oder  öffentlichen  Badestuben,  die  damit
verbundenen  Seelbäder,  den  Badegroschen  und  die  Badeschicht  bei
den  Handwerkern  an  einem  andern  Orte.