Metadata : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

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mir  gemachte  Beobachtung  auch  anderwärts  schon  bemerkt
worden  seyn  würde.  Die  erhaltenen  Nachrichten  zeigten  mir
aber  deutlich,  daß  es  für  einige  gelehrte  Männer,  die  nicht
gerade  als  Schriftsteller  bekannt  sind,  wenig  Neues  haben
werde,  was  ich  bemerkt  hatte,  und  ich  blieb  also  desio  sorgloser;
wie  leicht  wäre  es  mir  sonst  gewesen,  dem  bloß  eine  skeptische
Form  zu  geben,  was  nun  in  häretisch-dogmatischer  Gestalt
erschien.

So  demnach  glaubt'  ich  völligst  versichert  zu  seyn,  nicht
Dinge  zu  berühren,  die  einmal  durch  allgemeinstes  Nichtwissen
  einen  gewissen  Heiligkeitsschein  glücklichst  erhalten  hatten;
nicht  Ruhe  zu  siören,  wo  einmal  das  allgemeinste  Vergessen
eine  völlige  Ruhe  hervorgebracht  hatte.  Und  mehr  nicht
kümmerte  mich,  als  nur  dieses!  denn  was  ich  schreiben  müßte,
um  Lob  und  Beifall  zu  gewinnen:  das  wußte  ich  wohl;  aber
der  Beifall  war  nicht  mein  Zweck,  sondern  nur  Wahrheit.
Es  schien  mir  Feigheit  zu  seyn,  eine  Wahrheit  nicht  sagen  zu
wollen,  weil  man  beinahe  zuverläßigst  voraussieht,  überstimmt
oder  überschrien  zu  werden.  Es  wäre  unentschuldbare  Feigheit
bei  jedem  der  Wahrheitsschicksale  auch  nur  halbkundigen
Manne,  sogleich  auch  ängstlich  bekümmert  zu  seyn,  was  ein
allgemeines  Verschreien  und  Ueberschreien  endlich  in  seiner
eigenen  Lage  veranlassen  könnte.  Welche  Wahrheiten  würden
in's  volle  Licht  gekommen  seyn,  wenn  Jeder,  der  sie  fand,
vorläufig  hätte  berechnen  wollen,  ob  etwa  mit  einer  Wahrheit
dieser  Art  ein  Glück  zu  machen  sey.  Des  redlichen  Mannes
Pflicht  ist,  bloß  auszusäen,  und  dann  jener  höheren,  durch
tausend  zufällige  Umstände  lenkenden  Vorsehung  zu  überlassen,
ob  der  Same  zertreten  werden  oder  gedeihen  solle.  Nicht
selten  keimt  noch  viel  Gutes,  selbst  auch  aus  dem  zertretenen
Samen!

Zwar  müßte  ich  stolzer  seyn,  als  ich  je  einmal  auch
werden  zu  können  fürchte,  wenn  ich  geradezu  hätte  erwarten
wollen,  daß  man  in  unserem  allschreibseligen  und  Alles  umwuͤhlenden
  Zeitalter,  daß  man  meine  Versuche,  Wahrheit  zu