März 1904. 57
Hauses — was soll das Geschrei von Nachgiebigkeit gegenüber dem
Zentrum, über Abhängigkeit der Regierung vom Zentrum, über Kuhhandel?
Wo sind denn die Kühe, die Staatskühe, die ich habe weg—
treiben lassen
(Heiterkeit. — Zuruf des Abgeordneten Dr. Friedberg: Nann!,
Herr Dr. Friedberg! ich sehe auch nicht das kleinste Kälbchen.
Ich möchte einmal die Liste derjenigen Zugeständnisse durchgehen,
die man mir vorgeworfen hat als Konzessionen an den Ultramontanismus.
Wenn ich dabei auch Fragen berühren muß, die, streng genommen,
nicht vor das Forum dieses Hohen Hauses, sondern vor das
Forum des Reichstages gehören, so tue ich es, um derartige Anklagen
nicht unwidersprochen ins Land gehen zu lassen. Was hat man mir
also eisss vorgeworfen als Nachgiebigkeit gegenüber dem Jeutrume“
Sicherung des Wahlgeheinniffes, das sogenannte Klosettzeseg. .
Forderung war, bevor sie erfüllt wurde, von keiner Seite sehr ernstlich
bekämpft worden
(oh, ohl rechts),
und sie war gestellt und urgiert worden von liberaler Seite und von
niemandem lebhafter als von dem füheren Herrn Abgeordneten Barth,
den doch niemand für einen heimlichen Affiliierten des Zentrums halten
konnte.
(Heiterkeit.)
Man hat mir weiter vorgeworfen als Konzession an das Zentrum
die Erhöhung des Zolles auf Malzgerste.
(Heiterkeit.)
Wenn Sie es interessiert, so will ich Ihnen verraten, daß die erste
Anregung zu einer Unterscheidung zwischen Malz= und Futtergerste von
einem liberalen Abgeordneten an mich herangetragen worden ist.
Der Fall Spahn? Der Dr. Martin Spahn ist für seine Stelle
durchaus qnalifiziert. Die Berufung eines katholischen Gelehrten auf
den neu gegründeten Lehrstuhl für Geschichte in Straßburg und die
katholische Fakultät in Straßburg, zwei Maßnahmen, die seit Jahr und
Tag einen breiten Raum in den kirchenpolitischen Diskussionen eingenommen
haben. Ich habe schon einmal in diesem Hohen Hause nachgewiesen
und der Staatssekretär von Elsaß-Lothringen, Herr von Köller,
hat vor dem Reichstage dargelegt, daß diese beiden Maßnahmen getroffen
wurden im Interesse des Reichsgedankens, im Interesse der Gewinnung
der Reichslande für die Reichsidee, und daß nach der Uberzeugung der