Full text : Staats-Lexikon.

Volkswirtschaftsrat.

als  das  Produkt  weiser  Regierungsmaßregeln
  betrachtete  und  namentlich  au
staatlichen  Schutz  der  nationalen  Arbeit
bedacht  war;  das  physiokratische  oder

ökonomistische  System,  welches  den  1

Landbau  als  die  Quelle  alles  Nationalreichtums
  betrachtete,  und  das  Industriesystem
  Adam  Smiths,  welches  in
der  menschlichen  Arbeit  die  Quelle  aller
Güter  sieht  und  gleichmäßige  Beförderung
der  Industrie,  der  Arbeit,  des  Handels
und  der  Bodenbearbeitung  von  seiten  des
Staats  empfiehlt,  den  letztern  aber  nicht
in  die  Produktion  und  Konsumtion  eingreifen
  und  sie  regeln  lassen  will,  vielmehr
dabei  von  dem  Prinzip  der  Gewerbe=  und
andelsfreiheit  (s.  d.)  ausgeht.  Letzteres
ystem,  längere  Zeit  hindurch  das  herrede,
  ist  neuerdings  vom  schutzzöllnerichen
  Standpunkt  aus  vielfach  angegriffen
worden,  namentlich  vom  Verein  für
Sozialpolitik  (Kathedersozialisten),
während  der  volkswirtschaftliche
Kongreß  (Präsident:  Karl  Braun)  den
freihändlerischen  Standpunkt  der  sogen.
Manchesterpartei  vertritt.  Nachdem
aber  der  Fürst  Bismarck  sich  zu  schutzzöllnerischen
  Grundsätzen  bekehrt  hatte,  folgten
  ihm  die  Scharen  seiner  Anhänger  in
das  schutzzöllnerische  Lager,  und  der  Zolltarif
  von  1879  besiegelte  den  vorläufien
  Sieg  des  Schutzzolls  über  den  Freindel
  in  Deutschland  (s.  Zoll).  l.
Birnbaum,  Volkswirtschaftliches  Lexikon
  (1881,  vorliegender  Sammlung:
»Meyers  Fachlexika«  angehörend);  die
Lehrbücher  der  V.  von  Wagner  und
Nasse  (2.  Aufl.  1879  ff.),  Roscher
(Bd.  1:  Grundlagen  der  Nationalökonomie,
  14.  Aufl.  1879;  Bd.  2:  Nationalökonomie
  des  Ackerbaus-,  7.  Aufl.
1873;  Bd.  3:2  Nationalökonomie  des  Handels
  und  Gewerbfleißese,  1881),  Wirth
(1855—73,  4  Bde.);  kürzere  von  Mangold
  (2.  Aufl.  1873),  Schober  (.  Aufl.
1872),  Kaufmann  (1880),  Richter
1881)  u.  a.  Zeitschriften:  ussche
andelsblatte,  -Arbeiterfreund,  verschiedene
  Korrespondenzen,  Hildebrands
„Jahrbücher  für  Nationalökonomie  und
Statistike,  -Zeitschrift  für  Staatswissenschafte,
  Zeitschrift  für  deutsche  Volkswirt-607


schaftc  u.  a.  Vgl.  Roscher,  Geschichte  der

fationalökonomik  in  Deutschland  (1874);

Mor.  Meyer,  Die  neuere  Nationalökonammie
  in  ihren  Hauptrichtungen  (2.  Aufl.

.
Volkswirtschaftsrat,  ein  für  die  Begutachtung
  wirtschaftlicher  Gesetze  und
Verordnungen,  welche  wichtigere  wirt-#
  baftliche  Interessen  von  Handel,  Gewerbe,
Land=  und  Forstwirtschaft  betreffen,  in
Preußen  17.  Nov.  1880  ins  Leben  gerufenes
  Kollegium.  Der  V.  hat  namentlich
auch  zu  allen  auf  den  Erlaß  von  Reichsgeleben
  und  Reichsverordnungen  bezügichen
  Anträgen  Preußens  im  Bundesrat,
soweit  sie  für  das  gedachte  wirtschaftliche
Gebiet  von  Bedeutungsind,  seine  beratende
Stimme  abzugeben.  Der  V.  besteht  aus
75  auf  die  Dauer  von  fünf  Jahren  jeweilig
Busammenberufenen.  Von  diesen  werden
5  durch  die  Minister  der  öffentlichen  Arbeiten,
  für  Handel  und  Gewerbe  und  für
Landwirtschaft  berufen.  Es  werden  nämlich
  je  30  Personen  von  den  Vertretern
des  Handels,  der  Ind  ustrie  und  der  Landwirtschaft,
  im  ganzen  also  90  Personen,
der  Regierung  präsent  iert,  und  aus  diesen
werden  je  15  Mitglieder  für  Handel,  Gewerbe
  und  Land=  und  Forstwirtschaft  ausgewäht.
  Dazu  kommen  noch  30  von  den
inistern  unmittelbar  berufene  Mitglieder,
  von  denen  mindestens  15  dem  Handwerker=
  und  dem  Arbeiterstand  angehören
müssen.  Der  V.  zerfällt  in  die  drei  Sektionen
  für  Handel,  Gewerbe  und  Landund
  Forstwirtschaft,  und  jede  Sektion  wählt
wiederum  aus  ihrer  Mitte  einen  Ausschuß
(Sektionsausschuß),  welcher  aus  fünf
Mitgliedern  besteht.  Die  15  Mitglieder
der  Sektionsausschüsse  bilden  dann  mit
weitern  10  von  den  oben  bezeichneten  Ministern
  zusammen  den  permanenten
Ausschuß  des  Volkswirtschaftsrats.  Den
Vorsitz  im  V.,  in  den  Sektionen  und  den
Ausschüssen  führt  einer  jener  Minister
oder  ein  von  diesen  als  Vertreter  bestellter
Beamter.  Ist  nun  auch  das  Bestreben  der
Regierun  sachverständigen  Beirat  in
wirtschaftlichen  Fragen  zu  erholen,  nur
zu  billigen,  so  würde  doch  eine  aus  freier
Entschließung  der  beteiligten  Kreise  hervorgehende
  Begutachtung  an  Stelle  einer