426 Lerbien. (Februar 25.—April 6.)
der Person und der Gemeindeautonomie gefordert werde; daß jede Verbindung
mit einer anderen Partei des Landes abgelehnt werde.
Als Grundziel der Partei wird die Befreiung und Vereinigung aller
Teile des Serbentums hingestellt; als nächste Aufgabe der auswärtigen Politik
die Bildung eines Bundes aller Balkanstaaten, zuvörderst aber inniges
Einvernehmen mit Bulgarien und Montenegro und eine Organisation der
noch nicht befreiten Serben zur Weckung des Bewußtseins der nationalen
Freiheit bezeichnet. «
25. Februar. (Kriegsfrage.) Auf erneute Vorstellungen
der Großmächte, Serbien möge den Abschluß des Friedens beschleunigen,
antwortet Garaschanin in einer Note:
Serbien müsse gegen jede Art Union zwischen Bulgarien und Ostrumelien
als eine Gefahr für die Ruhe und Sicherheit der Balkanvölker auch
fernerhin Protest erheben, die Haltung der Mächte und der Pforte aber mache
es Serbien unmöglich, einen solchen Friedensvorschlag zu machen, der alle
Ursachen zu Friedensstörungen beseitigen würde; daher habe Serbien in Bukarest,
um den Wünschen der Mächte auf beschleunigten Abschluß des Friedens
nachzukommen, nur den einen Artikel vorgeschlagen, welcher den Friedenszustand
herstelle; die Großmächte möchten diesen Vorschlag unterstützen.
2. März. Die Gemeindeausschußwahlen fallen im
ganzen Lande zu Gunsten der Regierung aus.
3. März. Friedensschluß mit Bulgarien zu Bukarest.
Es werden endlich die langwierigen Verhandlungen durch Annahme
des serbischen Vorschlages zu Ende gebracht. Danach enthält der Vertrag
nur den einzigen Artikel: Der Friede zwischen Serbien und Bulgarien ist
vom Tage der Unterzeichnung des Vertrages hergestellt.
4. März. Ein königlicher Ukas ordnet die Demobilisierung
der Armee und die Entlassung des ersten Aufgebotes an.
Mitte März bis Anfang April. (Ministerkrise.) Das
Ministerium Garaschanin hatte seine Entlassung nach Beendigung
des Krieges mit Bulgarien gefordert. Da eine Rekonstruktion des
Kabinets aus persönlichen Ursachen scheitert, aber auch ein liberales
Kabinet Ristic nicht zustande kommt, beauftragt der König Garaschanin,
endlich wiederum mit der Bildung eines Kabinets aus neuen
Kräften seiner, der Fortschrittspartei. Dasselbe ist am 4. April
konstituiert, es gehören dazu Horwatowitsch, Mijatowitsch und Franassowitsch.
27. März. Ein königlicher Ukas hebt den Ausnahmezustand
für die Armee auf. Horwatowitsch, bisher Kommandant
der Nischawa-Armee, wird zum Oberbefehlshaber des Heeres
ernannt.
6. April. Ein königlicher Ukas verordnet auf Vorschlag des
neuen Gesamtministeriums die Auflösung der Skuptschina und
Neuwahlen.