Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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ansatz  erzielt.  Alles  dies  bewirken  bei  unseren  Fruchtbäumen
und  anderen  Feld-  und  Gartengewächsen  vorzugsweise  die
Bienen.  Wo  es  daher  an  Bienen  fehlt,  wird  man  niemals  solche
Obsternten  machen  wie  in  Gegenden  mit  zahlreich  besetzten
Bienenständen.  Bäume,  Blumen  und  Bienen  sind  für  einander
geschaffen  und  leisten  einander  gegenseitig  die  wichtigsten
Dienste.  Wenn  daher  auch  in  einzelnen  Jahren  wegen  Ungunst
der  Witterung  die  Bienen  höchstens  ihren  Bedarf  eingetragen  und
dem  Imker  als  Ernte  nichts  überlassen  können,  so  ist  auch  dann
die  geringe  Mühe,  welche  ihre  Pflege  verursacht,  nicht  vergebens
  gewesen.  Mittelbaren  Nutzen  haben  sie  doch  gewährt
und  eine  reichlichere  Ernte  von  Garten-  und  Feldfrüchten  zuwege
  gebracht.

Zum  Betriebe  der  Bienenzucht  bedarf  es  keines  großen.
Kapitals,  da  zur  ersten  Anlage  einige  wenige  Stöcke  genügen,
die  sich  bei  richtiger  Behandlung  durch  Schwärme  bald  vermehren
  oder  künstlich,  besonders  bei  beweglichem  Bau,  sicher
durch  Ableger  vermehren  lassen.  Was  viele  von  dem  Betriebe
der  Bienenzucht  abhält,  das  ist  die  übertriebene  Furcht  vor  dem
Stachel  der  Biene.  Die  gewöhnliche  schwarze  oder  graue  Biene
ist  allerdings  ziemlich  reizbar  und  zum  Stechen  geneigt;  doch
gibt  es  auch  sehr  sanfte  Arten,  wie  die  Krainer,  namentlich
aber  die  gelbe  italienische  Biene,  welche  mit  sanftem  Charakter
aufzerordentlichen  Flei  verbindet  und  daher  auch  den  größten
Ertrag  bringt.  Die  Einführung  dieser  sanften,  schönen  und
nützlichen  Bienenart  ist  um  so  leichter,  als  es  dazu  keineswegs
des  Ankaufs  eines  ganzen  Stockes  oder  Volkes  bedarf,  vielmehr
das  Zusetzen  einer  fruchtbaren  Königin  schon  hinreicht,  einen
gewöhnlichen  Stock  in  einen  italienischen  umzuwandeln.  Die
beste  Biene  für  unsere  Gegenden  ist  und  bleibt  jedoch  die
„Deutsche  Biene“,  da  sie,  an  unser  Klima  gewöhnt,  eine  unermüdliche
  Honigsammlerin  ist  und  bei  richtiger  Behandlung  auch
genügend  Schwärme  abstößt.  «

Welch  einen  Zuwachs  würde  der  Wohlstand  und  Reichtum
eines  Landes  dadurch  gewinnen,  wenn  jeder,  der  dazu  Belegenheit
  hat,  auch  nur  in  kleinem  Umfange  Bienenzucht  betriebe!
Wieviel  Zucker  könnte  nicht  in  der  Haushaltung  erspart  werden,
Wenn  man  sich  erst  mehr  an  den  Verbrauch  des  Honigs  gewöhnen
  würde.  Seine  heilsame  Wirkung  ist  bekannt,  sein  lieblicher
  Geschmack  sprichwörtlich,  und  für  des  Landes  Wohl
väterlich  besorgte  Regenten  waren  stets  bestrebt,  diese  Quelle
des  Wohlstandes  immer  mehr  zu  erschließen  und  zu  einem
immer  allgemeineren  Bienenzuchtbetriebe  aufzumuntern.

Ausübender  Bienenzüchter  könnte  jeder  werden,  der  etwas
Grund  und  Boden  besitzt,  denn  es  würde  den  Stöcken  kaum  an
der  nötigen  Nahrung  fehlen;  und  mit  dem  wunderbaren  Treiben