Full text : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1808. (3)

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Karl,  den  er  unter  seinen  Augen  in  Berlin  erziehen  ließ,  und
die  Garantie  der  ständischen  und  protestantischen  Kirchenrechte  übernommen
  hätte.  Derselbe  Herzog  Karl  aber  handelte  im  höchsten
Grade  undankbar,  indem  er  nicht  nur  Religion  und  Sitte  durch
die  kolossale  Lüderlichkeit  seines  Hofes  verhöhnte,  sondern  auch
Oesterreich  und  Frankreich  zu  Liebe  persönlich  im  siebenjährigen
Kriege  gegen  seinen  preußischen  Wohlthäter  zu  Felde  zog,  aber
verdientermaßen  geschlagen  wurde  und  eiligst  heimflüchtete.

Im  Vertrauen  auf  Frankreich  und  Oesterreich  wollte  Herzog
Karl  im  eigenen  Lande  die  alte  Verfassung  umstürzen  und  absolut
despotisch  regieren.  Die  Stände  des  kleinen  Herzogthums  hatten
einen  schweren  Kampf  mit  ihm  und  würden  unfehlbar  ihrer  alten
Rechte  verlustig  geworden  seyn,  wenn  nicht  Friedrich  der  Große
sie  in  seinen  Schutz  genommen  und  durch  die  erusten  Drohungen
seines  Gesandten  v.  d.  Schulenburg  den  Herzog  gezwungen  hätte,
den  Ständen  das  Kirchengut  zu  lassen  und  mit  ihnen  den  Erbvergleich
  von  1770  zu  schließen.

Wenige  Jahre  später  machte  Friedrich  der  Große  eine  neue
bedeutende  Erwerbung  an  dem  nördlichen  Theile  des  Königreich
Polen,  welcher  seitdem  Westpreußen  heißt.  Es  geschah  in  Folge
der  berüchtigten  ersten  Theilung  Polens.  Da  dieses  Königreich
durch  sein  lüderliches  Adelsregiment  sehr  heruntergekommen  und
für  die  deutschen  Nachbarmächte  keine  Offensive  von  dieser  Seite
her  zu  besorgen  war,  so  erscheint  es  allerdings  überaus  ungerecht,
  daß  Oesterreich  und  Preußen  sich  ohne  weiteres  Stücke  von
Polen  abrissen,  während  Rußland  den  größten  Theil  davon  an
sich  nahm.  Die  beiden  deutschen  Mächte  hätten  entweder  zu  einer
Regenerirung  und  Stärkung  Polens,  als  eines  Bollwerks  gegen
Rußland,  mitwirken,  oder  sie  hätten  wenigstens  durch  festes  Zusammenhalten
  verhüten  sollen,  daß  Rußland  den  Hauptantheil  an
der  Beute  bekam.  Aber  weder  das  eine  noch  das  andere  ließ
die  Eifersucht  zwischen  Oesterreich  und  Preußen  zu.  Nußland