Volltext : Kolonialpolitik. Mein politisches Vermächtnis.

punkt  stellen  sollte,  das  Selbstbestimmungsrecht  der  Eingeborenen
in  den  deutschen  Kolonien  zu  fordern,  habe  ich  schon  im  Reichstag
  die  Gegenforderung  angemeldet,  eine  Volksabstimmung  in
Ceylon  über  den  Fortbestand  der  englischen  Herrschaft  zu  veranstalten.
  Über  das  Ergebnis  bin  ich  so  sicher  wie  über  den  Ausfall
  eines  Referendums  in  Ostindien  und  in  Singapore,  wo
während  des  Krieges  auch  ein  furchtbares  Blutregiment  an  der
Arbeit  war.  Daß  wir  es  hier  nicht  mit  Einzelerscheinungen  zu
tun  haben,  sondern  daß  eine  grundsätzliche  Wandlung  in  Englands
  Auffassung  seiner  kolonisatorischen  Pflichten  und  Methoden
  gegenüber  Farbigen  und  Weißen  vorliegt,  beweisen  grundlegende
  Beschlüsse,  die  in  Westminster  gefaßt  worden  sind.

Die  Engländer  legten  ehedem  und,  wie  ich  glaube,  mit  Recht,
noch  einen  zweiten  Prüfstein  an  das  moralische  Recht  einer  Nation,
Kolonialmacht  zu  sein,  das  war  die  Auffassung  von  der  Stellung
des  Weißen  gegenüber  dem  Eingeborenen  und  von  den  Pflichten
gegenüber  den  weißen  Schwesternationen.  Auch  diese  Probe
fällt  für  das  heutige  England  moralisch  vernichtend  aus.  Mit
einem  Zynismus  ohnegleichen  wurde  das  Ansehen  der  weißen
Rasse  in  Afrika  preisgegeben  und  damit  alle  Grundlagen  des
europäischen  Missions=  und  Erzieherberufs  untergraben.  Ich  erinnere
  an  die  Auspeitschung  von  Deutschen  vor  Schwarzen  und
durch  Schwarze  und  an  die  Austreibung  unserer  Missionen,  die
sich  oft  unter  raffinierter  Grausamkeit  und  Demütigung  vollzog.
Auch  hier  wiederum  keine  Einzelvergehen  minderwertiger  Personen,
  die  ohne  Aufsicht  handeln,  sondern  die  methodische  Aus-62