Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

 

waffen.  3.  Die  Inhaber  von  militärischen  oder
distriktspolizeilichen  Erlanbniescheinen.  4.  Die
Angehörigen  der  militärischen  Jugendorganisationen
  nach  näherer  Mabgabe  der  für  sie  erlassenen
  besonderen  Vorschriften.  Die  unter  Nr.
Z  genannien  Personen  mussen  während  des  Wafjentragens
  den  Erlaubnisschein  bei  sich  haben.
Die  Erlaubnis  kann  diesen  Personen  entzogen
werden,  wenn  sie  sich  als  unzuverlässig  erweisen.

2.  Der  Verkauf  und  jede  sonstige  entgeltliche
oder  unentgeltliche  Ueberlassung  von  Schußwaffsen
  und  Munition  an  andere  als  die  in  §  1,  Abs.
2  bezeichneten  Personen  sind  verboten.

§  3.  Zuwiderhandlungen  werden  mit  Gefängnis
  u  zu  einem  Jahr,  beim  Vorliegen  mildernder
  Umstände  mit  Haft=  oder  Geldltrafe  bis  zu
1500)  Mark  bestraft.

84.  Diese  Anordnung  tritt  mit  ihrer  Veröf
senllickung  in  Kraft.

Von  Grenzschiachlwo#f#  Loseheim

(Eine  Zuschrist  von  unterrichteter  Seite.)

Der  Grenzschlachthof  Rosenheim  war  ein
Schmerzenskind  für  die  Stadt.  Die  Spelulalion
  auf  Schweineschlachtungen  größten  Un
langs  war  fehlgeschlagen.  Oesterreich  konnte  die
Summe  von  25  000  Schweinen  pro  Jahr  nicht
über  die  Grenze  geben,  und  verschiedene,  unter
anderem  politische  Verhältnisse  bewirkten  cs.  daß
sich  das  Ganze  nicht  recht  entwideln  wollte.  Der
Grenzschlachthof  war  der  Endpunkt  der  Ro—
senheimer  Industriebahn  und  hat  em  solcer
daen  beigewagen,  daß  diese  ausgelaut  und  mit
modernen  Ablader  orrichtungen  für  #iech  verseben
  worden  ist.  Dies  ist  wiederum  unseren
Viehmärkten  zugute  gelommen.  Jedenfalls  wan.
es  nicht  angebracht.  die  ganze  Grenzschlachthofaulage
  als  ein  kumsichiiges  Unternehmen  darzustellen,
  das  sich  gar  nichjt  fruktifizieren  ließe  und
diejenigen  Herren  welche  in  der  Gemeindeverwaltung
  für  den  Ausbau  des  Grenzschlachtbofes
  seinerzeit  eingetreten  sind,  erleben  heute
bie  Gemgtuung,  daß  er  zu  einer  der  besten
städtischen  Anlagen  und  zu  einem  äußerst  nützlichen
  gewinnbringenden  Unternehmen  sowohl
für  die  Stadt  selbst  als  auch  für  viele  Geschäfts
leute  geworden  ist.

Der  Grenzschlachthof  hat  verschiedene  Wandlungen
  durchgemacht.  Ausgebaut  als  Schweineschlachthalle
  größten  Stiles  für  Import  diente
er  nur  kurze  JZeit,  war  dann  Arbeitshalle  für
die  Oberbayeriscze  Ueberlandzenrale,  nach  dem
für  den  Fliegerhallentorbau  des  Herrn  Wols
und  ging  endlich  mietweise  mit  Wirkung  vom
1.  Axpril  1916  auf  die  Dauer  von  vorerst  5
Jahren  in  die  Hände  des  Herrn  Sebald  Friedrich,
  Großkanfmann  aus  München,  Inhaber  der
„Fleisckhandelsgesellsch  aft  Grenzschlachthof  Roenheim“
  über.  Die  Erträgnisse  des  Grenzschlachthofes
  waren  bis  zum  Einzug  des  neuen
Mieters  sehr  gering  gewesen  und  belasteten
den  Etat  eigentlich  des  Schlachthofes
nächit  war  eine  Durcklonstruktion  der  Anlage
notwendig  geworden  auch  für  Grofwiehschlachtungen,
  die  auf  das  glücklichste  gelömtt  worden
ist,  sodaß  es  heute  möglich  ist,  an  einem  einzigen
  Tage  die  ungeheure  Menge  von  100  Stück
Eroßvich  iu  schlachten,  auszubräten  und  sir  u.
Vertig  zu  rerarbeiten,  womit  der  derzeitige  Be—
trieb  in  seiner  Art  eine  einzigartige  Lesstung
aufweist.  Selbstwerständlich  waren  An-  und  Zubauten,
  Maschinenanlagen.  Heizung-  -Kocheinrichlungen,
  Vorratshallen,  Aufbewahrungsspeicher,
Pessel.,  Siede-  und  Näucheranlagen  etc.  notwen
dig,  die  durch  den  neuen  Mierer  mit  erstaunlichem
  Geschid  und  Energie  in  überraschend  lurzer
  Zeit  ausgestellt  worden  sind.  Die  Rosen-PGeimer
  wissen  im  allgemeinen  von  der  Grenzschlachtlofanlage
  in  ihrer  jetzigen  Form,  von
ihren  Einri4ktungen  und  ihrem  Zweck  merkwürdigerweise
  her#lich  wenig.

Die  Fleischhandele  gesellschaft  hat  zur  zeit
einen  Personalstand  von  etwa  75  80  Leuten
die  samtlich  mit  sehr  guten  Löhnen  bedacht  sind.
Die  Arbeilomenge.  die  dort  bewältigt  wird,  ist
uberaus  groß.  Es  wird  das  Material  veras
beitet,  für  zahlreiche  Gefangenenlager,  für
Schwer-  und  Sckhwerstarbeiter,  für  verschiedene
größere  Kommunalverkände,  fur  die  Münchener
  Let  lschaft  und  in
neuester  Zeit  für  den  Staat  selbft.  d.  h.  für  die-Baner.
  Fleischversorgungeteelle  in  München.
welche  auch  das  Wieh  anliefert,  sodaß  also  dio
Fabrif  im  sogenamten  Werkvertrage  arbeitet.
Es  ist  selbitverständlich,  daß  die  Einrichtungen
eund  der  Betrieb  erstklassig  und  hygienisch  ein-„wandfrei
  sind.  Die  Anlage  selbst  nähert  sich
mit  ihren  umfangreichen  Bauten,  die  etwa  im
4—6  Wochen  abgeschlossen  sein  werden,  ihrer
Vollendung.

Die  anfängliche  Besorgniô  einzelner  Gschäftsleute
  und  solcher,  denen  ein  Großbetrieb
dieser  Qualität  als  unverständlich  nicht  in  den
Mopf  gehen  wollte,  als  würde  der  Betrieb  durch
seinen  Massenwerdrauc,  von  lebendem  Bieh  die
Kommunalverbände  Rosenheim-  Hibt  zdenemn
schwer  schädigen,  wor  unbegründet.  Es
sich  ench  Werkanlage,  die  keinem  Rosenheimer
  Geschäfte  irgend  welche  Konkurreng  bringen
  will  und  kann,  die  aber  ihrer  Ausdehnung

bn  Tersonalstand  nach  um  das  doppelte:
groger  I  als  die  ditten  einheimischen  Pri-Vatbetrirbe
  jeglicher

 

TO

schwer.  Zu- 



!4.

Die  F.-H.-G.  schlohß  mit  der  Stadt  einen  Vertrag

  ab  der  für  das  Grenzschlachthofanweses

dessen  Aau  auf  125  000  Ml.  ca.  zi  stehen  kam,
eine  Jahresmiete  von  12  000  Mi.  abwarf.  Dar
bei  mußte  die  F.-H.-G.  ein  Pauschale  für  Wasserrerbrauch
  rro  Jalr  1000  Mk.  sowie  die
Elektrizilät  selbst  bestreiten.  Der  Vertrag  war
derart,  daß  er  für  die  Stadt  bei  Ueberschreitung
  einer  Scklachtzahl  von  2500  Stück  noch  die
Gebühren  der  Auolandofleischbesch,  au,  sowie  bei
Ueberschreitung  der  Zahl  3000  #  Schlachtstück
3  Mk.  Einheitsgebühr  sicherte.  Der  Vertrag  verstand
  sich  dahin,  daß  die  F.-S.-G.  für  12  000;
Mk.  Miete  berechtigi  war“  3000  Stück  Großvieh
  zu  schlachten.  Dampf  und  Fleischbeschauleistung
  eic.  war  von  der  Stadt  zu  stellen.  Das
Unternehmen  war  von  Anfang  an  in  all  seinen
  Formen  großzügig  und  die  Bürgerschaft
wird  aus  nachfolgenden  Angaben  erlennen  kön
nen,  was  eine  größere  industrielle  Anlage  bedenten
  kann.  -

Wenn  es  zunächst  für  die  Stadt  eine  gewisse
Genugtuung  ist  ein  derartiges  Werl  in  ihren

auern  zu  wissen,  so  sind  die  pekuniären  Ge.
winne  für  die  Algemeinheit  und  für  zahlreiche
Geschäftsleute  gewiß  eine  sehr  angenehm  empsundene
  Institution  geworden.  Die  F.-ÖO
hat  ab  Februar  1916  bis  Jannar  1917  2285
Stück  Großpieh  geschlachtet.  Sie  hat  für  Eleltrizitãt
  ausgegeben  810.60  Mk.,  für  Wasser  700
Ml.,  für  die  Zufulr  von  501  Waggon  auf  dem
Industriegeleis  1452.90  Mark,  für  Auslandsleischbesckau
  6819.80  Mk.,  ihr  Mietanfall  beluug
  sonach  9000  Mk.  sodaß  sich  also  bereits  für
1916  18783.30  Mark  ergeben,  denen  für  sie
Stlabt  an  Aucslagen  gegenüberstehen  ca.  Mark
30)00  für  Heizung  (Rohlen)  und  eine  4½%  ige
Zinsenanlage  des  Gebäudes  4125  Mk.,  ca  500

Ml.  für  verschiedene  Ausgaben.  Für  Fleischbeschau.
  Beaufsick  tigung  etc.  hat  die  Stadt#-nichts

  ausgegeben.  stehen  also  18  783.30
Mil.  rbe  ca.  9000  Ml.  Ausgaben
gegenüber,  sodaß  ein  Gewinn  von  rund  10000
in?  .  Geschäftsjahren  verbleibt.  Würde  oie
Aufstellung  des  Vertragsjahr  vom  1.  4.  16  bis
1.  d.  17  umschließen  so  würde  sich  die  Einnahme
  um  3000  Mk.  Miete,  sowie  um  1000  Mk.

Gebühren  erhöhen,  da  bie  Höchttschlachtziffer
um  300  Stück  überschritten  ist,  die  Ausgaben
würden  1375  Mk.  Hypotheklaft  und  ca.  1000
Ml.  Heizungslkosten  mehr  erfordern,  sodaß  sich
ein  Gewinn  errechnet  von  ungefähr  13  283.30
Mk.  Zu  überlegen  ist  bei  dieser  Aufstellung,
daß  die  Heizung  deswegen  teurer  geworden  ist,

weil  die  Kohlen  um  257%  höher  im  Preise
füehen.  Zu  allem  kommt  noch  eine  jährliche  Mieteinnalme
  von  500  Mark  für  die  übernommenen

  Mielgärten,  die  delr  30  Mark  einbrackten.



Die  F.-H.-G.  hat  Bauten  und  Maschinenan-Ln
  aufgestellt  von  bislang  um  rund  Mark

190  000.  Davon  treffen  70  000  Mk.  auf  auswärlige
  Spezialmaschinenfabriken,  120  000  Mk.
verblieben  also  hier.  Die  wöchentlichen  Löhne
betragen  2500  Mk.,  das  sind  jährlich  130  000
Mi.  Die  Einnahme  des  Verzehr=  all  dieser

Leute  bleibt  sicher  zu  Z,  also  mit  jährlich  ca.
100  000  Mi.,  am  Platze.  Das  wären  in  gröblid.er
  Ausfmachung  für  Rosenheim-Stadt  und
die  Geschäftewelt  etma  220  000  Mk.  im  ersten

Jahre.  Mit  diesem  günstigen  Ausgang  des
Geid  aftes  für  die  Allgemeinheit  lönnen  sicher
auck,  die  strittigsten  Kannegießer  *?  sein,
umso  mehr  als  der  Inhaber  der  F.-H.-absichtigt,
  den  Grenzschlachthof  der  Zo-  abzulaufen
  und  den  Siß  des  Geschäfles  selbst  nach
Rosenheim  zu  verlegen.  Da  es  sich,  wenn  die
Hieherverlegung  zustande  gekommen  sein  wird,
um  die  Transserierung  eines  Einkommens  nach
Rosenheim  handeln  wird,  das  das  größte  hiesige
  Privatleinkommen  um  weit  über  das  Doppelte
  uberkrifft,  so  wird  dessen  Vesteuerung  for
die  slädlische  Aligemeinbeit  sehr  angenehm  fühlbar
  werden,  besonder?  dann,  wenn  mit  dem
Erwerb  des  (Grenzschlachthofes  auch  noch  die
entsprechende  Grundbesigsieuer  in  Anschlag
kommen  wird.

Der  Inhaber  der  leischhandelogcsellschaft
oder  „Fleischindutrrie-  Rosenheim“  wie  sic  lünftig
  heißen  wird,  hat  neuerdings  von  der  Löwenbrauerei
  München  die  Pernlohnerkellergebäude.
in  der  Kellerstraße  pachtweise  übernommen  unter
  Sicherung  des  Vorlaufsrechtes.  D  Diese  neue
UAnlage  ist  vortrefflich  geeignet  mit  allen  ihren
gesamten  maschinellen  Einricktungen  für  Kühlung
  und  Konservierung  der  rriesigen  Materialvorräte
  der  Fleischindustrie.  Damil  in  eine  weitere
  Sicherung  für  das  Hierbleiben  des  rasch
emporgeblühten  großindustriellen  Um#e#rnehmen
gegeben.

Die  vorstehende  Aufslellung  bezweckte,  der
Allgemeinheit  einen  Ueberblick  über  die  Entwiclung
  des  Grenzschlachthofunternehmens  vorzulegen,
  sowie  auch  zu  zeigen,  welchen  pekuniären
Nuhen  eine  gute  industrielle
Stadt  darzureichen  vermag.  Es  ist  zweifellos,
daß  das  ganze  Unternehmen,  um  das  Nosen
heim  von  anderen  Städten  leneidet  wird,  sich
in  aufsteigender  Entwicklung  befindet.  Seldstkue
  ging  der  Ausbau  nicht  ohne  Hindernisse
  vor  4  die  derartige  Unternehmen,  namentlich
  in  lleinen
baben.  Erforderlich  für  die  Ausgeftaltung  des
grofzügigen  Werkes  war  vor  An  allem  das  Vnegensome

  der  ud  —  —  Elm.

teilungen  Bonar  Laws  im  Unterhaus  verbreitet

Anlage  einer
Odberbefehl  über  die  Urmee  und  im  Felde  dem

Städten  immer  zu  überminden

der  Schlachthofbeamten  murde  selbstos  getragen,
  die  Stadt  hatte  keine  Mehr  ndungen
für  Neueinstellungen,  trotzdem  diese  von  Anbeginn
  an  in  Aussicht  genommen  waren.  Die
dienstlce  Abwicklung  der  Fleischbeschau  u.  anderen
  Verwaltungsgeschäfte  für  diesen  privaten
Großbetrieb  überstieg  erllärlicherweise  um  ein
Bedeutendes  diejenige  des  alten  Schlachthofes.
E  wäre  nur  zu  wünschen,  uenn  das  Anteneh
men  von  allen  Seilen  diejenige  Förderun
falren  würde,  die  es  im  Interesse  seiner  Enkwiclung
  und  zum  Nutzen  der  Allgemeinheit  notwenbig
  hat,  und  es  wäre  ferner  zu  münschen,  wenn
der  Gewinnung  von  sol.der  Industrie  ein  besonderes
  Augenmerk  zugewendet  würde;  denn  die
Verhälinisse  der  kommenden  Tage  werden  es  nöt.g
  machen,  daß  neue  Einnahmequel#en  für  Rosenheim
  gesucht  und  gefunden  werden,  die  die
klünftigen  Lasten  erleichtern  helsen.  Von  diesen
Gesichtspunkten  aus  sind  namentlich  die  Krililen
Nichlinformierter  oder  irgendwelcher  Sonderinteressenten
  auf  das  lebhafteste  zu  bedauern,  die
für  Rosenheim  typisch  geworden  sind.

Der  Weltkrieg
(D#tbericht.=——
  ia  Anhland

Die  englischen  Drahtzieher.
Rotterdam,  17.  März.  „Manchester
Guardian“  berichtet:  Bieher  konnte  über  den
Zweck  von  Lord  Milners  letzter  Reise  nach  Rußland
  nichts  mitgeteilt  werden,  aber  jetzt  dürfe  gesagt
  werden,  daß  sie  mit  der  inneren  Lage  Rußlands
  zusammenhing.  Die  engl.  Regierung  war
seit  langem  von  der  inneren  Krise  in  Rußland
unterrichtet;  Buchanan  hielt  sie  gut  auf  dem
Laufenden  und  war  tatsächlich  ein  kräftiger  Helfer
  der  russischen  Liberalen.  4
Der  Zargefangen?
Kopenhagen,  17.  März.  Ein  Stockholmer
  Blatt  berichtet,  daß  der  Zar  im  Tauris-Palats
  untergebracht  sei,  wo  er  der  Gefangene
der  Duma  sei.  Jede  Verbindung  zwischen  ihm
und  der  Zarin  sei  abgebrochen,  da  die  Revolutionäre
  die  Zarin  als  ihre  größte  Feindin  be-Ktrachten.

Nikolajewitsch  als  Diktator?
Stockholm,  17.  März.  Man  glaubt,  daß
Großfürst  Rikolajewitsch,  der  das  Vertrauen
der  Rerolutionäre  genieht,  zum  Diktator  über
die  Armee  ernannt  werden  soll.
Die  Kommunein  Sicht?
Kopenhagen,  17.  März.  Dem  neuen  russischen
  Ministerium  wird  in  hiesigen  unterrichteten
Kreisen  leine  lange  Lebensdauer  gegeben.  Auch
dieser  letzte  Versuch,  die  unaufhaltsam  andringende
  demokratische  Revolution  in  Rußland  für
die  Fortsetzung  des  Krieges  auszunützen,  wird
als  aussichtslos  betrachtet.  Der  allgemeine  Ruf
der  Arbeitermassen  bei  den  Straßenkämpfen
war:  „Weg  mit  dem  JZaren!  Gebt  uns  den  Frieden!“

Uneinigkeiten  der  russischen
Re  vaffeenon:“  Parteien.
Stockholm,  17,März.  Ein  Drahtbericht  aus
gulunterrichetler  Quelle  besagt,  daß  die  Uneinigleit
  innerhalb  der  Träger  der  Revolution  rapid
wachsen  werde.
Wer  ist  der  neuc  Zar?
Petersburg,  17.  März.  Meldung  der  Peteroburger
  Telegraphenagentur.  Der  Kaiser  hat
dem  Gropfürsten  Nikolai  Nilolajewitsch  das
Oberlommando  der  Feldammeen  übertragen.
Großfürst  Michael  Alerandrowitsch  hat  seiner
Ihronrechte  emsagt.  Der  Minister  des  Acußern
Miljukom  erklärte,  seine  Aeußerungen  über
eine  einstweilige  Regentschaft  des  Grohfürsten
Michael  Alerandrowitsch  und  der  Thronfolge
des  Großfürsten  Alexeiew  geben  seine  persönliche
Ansicht  wieder.
Amsterdam,  17.  März.  Entgegen  den  Mit- 



Neuter  ein  Petersburger  Telegramm  vom  16.
März,  nach  welchem  der  Zar  zugunsten  des
Großfürsten  Michael  abgedankt  habe  und  seiner
T##o##chte  entsagte.  Der  Zar  übertrug  den

Grohfürsten  Rikolajewitsch.

Kopenhagen,  17.  März.  Das  schwedische
Telegraphenbureau  meldet  aus  London:  Aus
Petersburg  wird  gemeldet,  daß  Erofgürst=Thronfolger
  Aberesew  zum  Zaßen  ausgerufen
wurde.  Grobfürst  Michael  wird  bis  zur  Mandigleitserklärung
  des  Zaren  die  Regemchast  i

19  nicht  zu  trennen,

Petersburg,  17.  „Mans.  Die  Petersburger
  Telegraphenagentur  peröfsentlicht  ein  Zalsertiches
  Manffest,  worin  der  Zar  erklärt,  um  die
enge  Vereinigung  und  Srganisation  aller
Kräfte  für  einen  raschen  Sieg  zu  erleichtern,
in  Uebereinkunft  mit  der  Duma  die  Krone  niederrulegen
  und,  um  sich  von  dem  geliebten.
die  Nachfolge  deun
Großfürsten  Michael  N.  zu  über-Aragen.


.

1#  Die  erschossenen  (Hendarmen.

Kopenhagen,  17.  März.  Aus  Stockholm
wird  gemeldel:  Ueberall  in  den  Straßen  Petersburgs
  liegen  Leichen  erschossener  Gendar
men.  Alle  Gendarmen,  dle  sich  auf  der  Strahe
zeigten,  wurden  ohne  Gnade  medergeschossen.

Aue  den  Petersburger  .

erolutionstagen.

Pe  lurg,  17.  März.  Reuter.  In  den
Hauptstraßen  wird  noch  hie  und  da  geschofsen,
menn  die  Polizisten  aus  ihren  gedeckien  Stellun
ghen  auf  den  Dächern  das  Feuer  eröffnen.  Wenn
man  Polizisten  findet,  wird  rasch  mit  ihnen  ab
gerechnet.  Man  sieht  überall  rote  Armstreifen.
selbst  auf  den  Lanzen,  Gewehren  und  Min
zen.  Bürger,  Truppen  und  Matrosen  machen
mz  zlige.  Auf  den  Fr#ggen.  die  rorangetragen
werden,  steht:  „Gleichheit,  Freiheit,  Brüderlia.
leit!“  Aus  der  Menge  hört  man  oft  den  Ap
rell,  sich  für  das  Vuterland  zu  opfern,  aber  aus,
Anklagen  gegen  die  Dynastie  und  alles,  was
mit  dem  altem  Negime  zusammenhängt.  In
der  Wandelhalle  der  Duma  liegen  Säcke  nun
Mehl  und  Kisten  mit  Patronen.  Am  Eingan!
stehl  ein  Tisch  mit  Arzneien  und  Bertundzeug
zur  erslten  Hilfe  für  Berwundete.

·#"
Die  Kämpse  auf  der  Westfront.
Berlin,  17.  März.  Im  Westen  war  das

Artilleriefeuer  in  Flandern  nahe  der  See  und

stellemweise  zwischen  der  belgisch-französischen

Grenze  und  Arras  lebhafter.  Hier  drangen

deutsche  Erkundungstrupxen  bis  in  die  eriten

Häuser  vor  Arras  vor;  sie  sliellen  schwere  Be

schädigungen  der  feindlichen  Siellungen  durch

deursches  Artilleriefeuer  fest  und  kehrten  ohne
eigene  Verluste  mit  Gefangenen  in  die  veutsche.

Linien  zurück.  Schwere  Verluste  erlitten  die

Englander  bei  dem  im  verwüfteten  u.  verschlumm

ten  Gelände  schwierigen  Versuche,  Truppenkörper

üter  das  deutscherseits  geräumte  Gebiel  nackeuziehen.

Englische  Besorgnisse.
Kristiania.  17.  März.  Ein  Londoner  Telegramm
  des  „Aflenposten“  meldet,  daß  der
englische  Marineminister  Carson  im  Alwyn

Klul  bezuglich  der  Zufuhren  von  Lebensmit

teln  zur  See  sich  sehr  ernst  äußerte.  Er  sagie.

daß  die  deutschen  U--Boote  allein  im  Februar
eine  halbe  Million  Tonnen  versemtten.  Selbir
wenu  die  Deutschen  ihr  Vernichtungswerk  nicht
in  dem  gleichen  Mafstab#e  fortsetzen  könnten,
würden  weitere  Cinschränlungen  notwendig  wer
den.

Bagdad.

Rern.  17.  März.  Im  Berner  „Bund“
schreibt  Stegemann,  die  Besetzung  Bagdade
durch  die  Engländer  sei  rermutlsich  zu  spät  ge
kommen,  um  den  Kriegsausgang  zu  beeinslussen.
PTreche  der  Krieg  nicht  in  Revolution  oder  wirt
schuftlichen  Nöten  zusammen,  so  werde  er  nich!
ror  Bagdad,  sondern  zwischen  Lille  und  Beifort
ensschieden.  «

Deutschland  u.  Merilo.

Basel,  17.  März.  Der  „Matin“  meldet  aus
Washington,  die  Admiralität  erkkärte,  daß  die
Deutschen,  denen  es  gelungen  ist,  das  Ver
trauen  Carranzas  zu  erwerben  und  seine  Mit
hilse  für  die  Verwirklichung  ihrer  Pläne  zu  ge
winnen,  in  politischer  und  finanziesler  Bezichung
ollständig  Herren  von  Merilo  sind.

 

 

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