Full text : Amtliche Kriegsdepeschen Band 1 (1)

 

 

Mobilisierungsmaßnahmen  in  Rußland.

London,  29.  Juli.  (Reuters  Bureau)  Die  im  Süden  und  Südwesten
Rußlands  angeordnete  Mobilisierung  beschränkt  sich  auf  die  militärischen  Bezirke  von
Kiew,  Odessa,  Moskau  und  Kasan.  In  jedem  Bezirk  stehen  4  Armeekorps  in
Friedensstärke.  Durch  die  Mobilisation  werden  die  16  Armeekorps  auf  die  Stärke
von  32  Armeekorps  gebracht.  (W.  T  B.)

Zustand  der  drohenden  Kriegsgefahr.

Berlin,  31.  Juli.  Aus  Petersburg  ist  heute  die  Nachricht  des  deutschen
Botschafters  eingetroffen,  daß  die  allgemeine  Mobilmachung  der  russischen  Armee
und  Flotte  befohlen  worden  ist.

Darauf  hat  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  Zustand  der  drohenden  Kriegsgefahr
  befohlen.  Seine  Majestät  der  Kaiser  wird  heute  nach  Berlin  übersiedeln.

(W.  T.  B.)

Erklärung  des  Reichsgebietes  in  Kriegszustand.

Berlin,  31.  Juli.  Seine  Majestät  der  Kaiser  haben  auf  Grund  des
Artikels  68  der  Reichsverfassung  das  Reichsgebiet  ohne  Bayern  in  Kriegszustand
erklärt.  Für  Bayern  ergeht  die  gleiche  Anordnung.  (W.  T.  B.)

Allgemeine  Mobilmachung  in  Oesterreich-Ungarn.

Wien,  31.  Juli.  Eine  Verordnung  des  Kaisers  Franz  Josef  verfügt  die
allgemeine  Mobilmachung  für  den  gesamten  Umfang  der  Monarchie.  (W.  T.  B.)

Ultimatum  an  Rußland  und  Anfrage  an  Frankreich.

Berlin,  31.  Juli.  Nachdem  die  auf  einen  Wunsch  des  Zaren  selbst  unternommene
  Vermittlungsarbeit  von  der  russischen  Regierung  durch  allgemeine
Mobilmachung  der  russischen  Armee  und  Marine  gestört  worden  ist,  hat  die  Regierung
  Seiner  Majestät  des  Kaisers  heute  in  St.  Petersburg  wissen  lassen,  daß
die  deutsche  Mobilmachung  in  Aussicht  sieht,  falls  Rußland  nicht  binnen  zwölf
Stunden  seine  Kriegsvorbereitungen  einstellt  und  hierüber  eine  bestimmte  Erklärung
abgibt.  Gleichzeitig  ist  an  die  französische  Regierung  eine  Anfrage  über  ihre
Haltung  im  Fall  eines  deutsch-russischen  Krieges  gerichtet  worden.“  (W.  T.  B.)

Ansprache  des  Kaisers  an  das  Volk.

Berlin,  31.  Juli.  An  die  tausendköpfige  Volksmenge  auf  dem  Schloßplatze,
die  fort  und  fort  in  patriotische  Kundgebungen  ausbrach,  hielt  der  Kaiser  um
½7  Uhr  folgende  Ansprache:


    
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