Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Erster Band. (1)

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welche  in  den  Militärlazarethen  fast  verschwunden  ist,  da  eine  Behandlung  der  krätzkranken
  Soldaten  auch  ohne  deren  Aufnahme  in  die  Lazarethverpflegung  längst  als
ausreichend  anerkannt  ist.  Welche  Bedentung  die  Krätze  in  der  Krankenhausstatistik
der  letzten  10  Jahre  noch  gehabt  hat,  ergiebt  sich  aus  folgenden  Ziffern.  Von  je  1000
den  allgemeinen  Krankenhäusern  zugegangenen  Krankheitsfällen  entfielen  während  der
Jahre  1879  bis  1888  nacheinander  auf  Krätze:  145,8—  134,3—  111,60—98,8—83,1—63,86  —
52,2  —  45,0  —  42  —3,  1  Fälle;  im  letzten  Berichtsjahre  ist  somit  die  Zahl  der  Krätzkranken
  in  den  Heilanstalten,  welche  sich  seit  1879  erheblich  verringert  hatte,  wieder  gestiegen,
  und  zwar  von  26  148  auf  27  766.  Am  häufigsten  war,  wie  auch  im  vorigen
Berichtszeitraume,  die  Krätze  in  Sachsen-Altenburg,  woselbst  während  des  Jahres  1888
nicht  weniger  als  472  Fälle  der  Art  (37,3%⅝  aller  Krankheitsfälle)  vorkamen,  ferner
u.  a.  in  Mecklenburg-Schwerin  (1888:  bei  11,3%  der  Kranken),  in  Schleswig-Holstein
(9,5),  Braunschweig  (80),  Westfalen  (8,4),  Hannover  (7,2).  In  Berlin  und  Elsaßz-Loth-=ringen
  betraf  Krätze  kaum  1/2%  sämmtlicher  Krankheitsfälle.

Akute  Hautkrankheiten,  ausschl.  der  Krätze,  sind  in  12  609  Fällen  (bei  6,  von
je  1000  Kranken)  beobachtet,  vergleichsweise  selten  im  Königreich  Preußen  (bei  1,8%),
weit  öfter  in  Hamburg  und  Sachsen-Altenburg  (über  20  %),  demnächst  in  ayern
(13,6),  Sachsen  (11/4),  Württemberg  (13,1),  Baden,  Hessen  (11,8),  Meckl  g-Schwerin
(10,7),  Oldenburg  (97)  und  Elsaß-Lothringen  (91).

Häufiger  als  die  akuten  sind  wahrscheinlich  die  chronischen  Hautkrankheiten  in
den  Heilanstalten  beobachtet  worden,  doch  konnten  letztere  mangels  einer  eigenen
Kummer  im  Krankheitsschema  nur  als  „andere  Krankheiten  der  äußeren  Bedeckungen“
geführt  werden.  Unter  dieser  unbestimmten  Bezeichnung  sind  denn  auch  die  meisten
Krankheitsfälle  der  Gruppe  eingetragen,  im  Ganzen  115  505,  davon  29  501  bei  weiblichen
  Personen.  Auf  das  Königreich  Preußen  entfallen  verhältnißmäßig  mehr  Fälle
dieser  Art  als  auf  die  anderen  Staaten.

Mit  Zell  bsentzündungen  gingen  30  987  Personen  (davon  8435  weiblichen
Geschlechts),  mit  Pauaritien  17  512  (9025),  mit  Karbunkel  4256  (877)  zu.  Bemerkenswerth
  ist  das  Ueberwiegen  der  Fingergeschwüre  beim  weiblichen  Geschlechte,
denn  von  je  1000  männlichen  Kranken  litten  kaum  7,  von  je  1000  weiblichen  aber
13,7  an  einem  Panaritium,  welches  Leiden  übrigens  im  Königreich  Sachsen  selten  war,
z.  B.  1888  bei  8,4%  der  Kranken  in  Sachsen,  dagegen  bei  24,6%  0  in  Württemberg
festgestellt  worden  ist.  Die  Zellgewebsentzündungen  führten  bei  665  Kranken  (in  2,2%
der  abgelaufenen  Fälle),  die  Karbunkel  bei  101  (in  2,4%)  zum  Tode.  Letztere  Letalitätsgiffer
  erscheint  gering,  namentlich  sind  in  Bayern  von  942  Karbunkelfällen  nur
5  tödtlich  verlaufen,  mithin  vorwiegend  wohl  leichte  Formen  des  Karbunkel  den  Heilanstalten
  zugegangen.

XI.  Krankheiten  der  Bewegungsorgane.
(Hierzu  Tab.  v.)

An  Krankheiten  der  Knochen  und  Knochenhaut,  der  Gelenke,  Muskeln  und
Sehnen  litten  im  Ganzen  144  868,  d.  h.  ca.  77  %  aller  neu  aufgenommenen  Kranken.
Seit  1883  haben  die  Leiden  dieser  Gruppe  an  Bedentung  zugenommen,  da  von  je  1000
Kranken  während  der  sechs  Jahre  nacheinander  66.0—70,2—74,7—760—76,7—  78,7
daran  behandelt  worden  sind.  Auf  das  männliche  Geschlecht  entfielen  68,5,  auf  das
weibliche  Geschlecht  31,„0%j  bei  ersterem  waren  Krankheiten  der  Muskeln  und  Sehnen,