Kaiser Karl V. 159
selben Jahre 1521 geschehen; man darf daran nicht vorübergehen:
der Umdichtung liegt die Tatsache zugrunde, daß man bereits
ein unbekanntes Gefühl bekommen hatte von der „Mission“ des
Mannes.
Damals, 1521, mußte es sich weisen, ob sein Werk nur an seine
Person geknüpft war, ob man durch einen Achtspruch des Reichstages
mit beiden fertig wurde, oder ob es auch ohne ihn fortleben
würde. Es hat die Feuerprobe bestanden, das Wormser Edikt ist
niemals ausgeführt worden.
Gleich nach der Abreise aus Deutschland ist Karl V. in seinen
ersten großen Krieg mit Franz I. von Frankreich verwickelt worden,
zunächst um den Besitz von Burgund und Mailand. An diesen
Kämpfen nahmen außerdem noch England, dann italienische Mächte,
wie Venedig, der Papst, teil, nicht immer alle zusammen und nicht
immer auf derselben Seite; kaum jemals ist politische Treue kurzlebiger
gewesen als damals. Die Politik hat auch Einfluß genommen
auf die Entwickelung der Dinge in Deutschland. Karl war viel
zu sehr in der alten katholischen Richtung auferzogen worden, um
nicht die Angriffe Luthers und seiner Anhänger gegen das römische
Lehrgebäude, gegen die römische Disziplin zu verwerfen, überdies.
war ihm jeder frondierende Geist, jede selbständige Regung seiner
Untertanen unbequem. Er fühlte aber bald heraus, wie bedeutsam
diese neue Bewegung für die Macht des Papsttums geworden war,
und wie er durch Unterdrückung oder Unterstützung des „reinen
Evangeliums“ den Papst erfreuen oder demütigen konnte. Und
so wird seine Haltung gegen den Protestantismus immer mehr ein
Widerspiel gegen die politische Stellung der Päpste im großen europäischen
Staatengefüge. Auf dem Reichstage von 1526 zu Speyer,
als Karl V. und Clemens VII. erbitterte Gegner sind, wird erklärt,
jeder Stand möge sich halten, wie er es vor seinem Gewissen rechtfertigen
könne: eine offenbare Duldung der neuen Lehre. Drei
Jahre später, 1529, wiederum in Speyer, ist die Sachlage eine
andere, Kaiser und Papst haben Frieden gemacht, nun wird das
Wormser Edikt wieder hergestellt und seine Befolgung verlangt, doch
sollte die neue Lehre überall dort geduldet sein, wo und soweit sie
bestand, ebenso die katholische. Aber letzteres wollten die Anhänger
Luthers nicht zugeben, vor allem nicht, daß auf ihrem Gebiete die
Messe gelesen werde. Sie protestieren dagegen, daher ihr Name:
Protestanten. Auf dem großen Reichstage von 1530 zu Augsburg
wird die Frage aufs neue aufgerollt. Nun haben die Protestanten
½ß