Metadata : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

laus  II.  das  in  Paris  sehulich  erwartete  Wort  Allianz  ausgesprochen
  war,  sagte  er  zu  dem  Herausgeber  der  „Zukunft““):
nations  alliées  könnte  unter  Umständen  eine  bloße  Artigkeit,  eine
Unterstreichung  des  ebenso  unverbindlichen  Wortes  nations  amies
gewesen  sein,  schwerlich  würde  auch  der  Inhalt  eines  Vertrags,
wenn  überhaupt  einer  existiere,  den  Franzosen  gefallen,  man  überschätze
  heutzutage  vielfach  das  Dekorative  in  der  Politik.  Woran
er  mit  der  Hartnäckigkeit  des  hohen  Lebensalters  im  Gedenken
längst  vergangener  Zeiten  nicht  glauben  mochte,  das  war  schon
am  27.  August  1891  durch  einen  Notenaustausch  begonnen  und
1892  durch  eine  Militärkonvention,  1894  weiter  durch  einen  förmlichen
  Bündnisvertrag  vervollständigt  worden.

Unter  dem  Titel  „Die  deutsche  Weltfrage“  schrieb  Dostojewski
in  einem  im  Mai  1877  veröffentlichten  Artikel  **):  „Und  da
kommt  nun  noch  (zu  der  alten  Gewöhnung  der  Deutschen  an  Zerspaltung,
  die  nicht  so  schnell  verschwinde  wie  ein  ausgetrunkenes
Glas  Wasser)  das  Naturgesetz  selber  hinzu:  Deutschland  ist  in
Europa  immerhin  das  Land,  das  in  der  Mitte  liegt.  Wie  stark  es
auch  sein  mag  —  auf  der  einen  Seite  bleibt  Frankreich,  auf  der
anderen  Rußland.  Es  ist  ja  wahr,  die  Russen  sind  vorläufig  noch
höflich.  Wie  aber,  wenn  sie  plötzlich  erraten,  daß  nicht  sie  das
Bündnis  mit  Deutschland  brauchen,  wohl  aber  Deutschland  das
Bündnis  mit  Rußland,  und  überdies  noch,  daß  die  Abhängigkeit
  von  dem  Bündnis  mit  Rußland  allent
Anschein  nach  die  verhäugnisvolle  Bestimmung
  Deutschlands  ist  und  besonders  seit  dem
Deutsch-Frauzösischen  Kriege  (im  Original  gesperrt
gedruckt).  Das  ist  es  ja,  warum  an  die  allzu  große  Ehrerbietung
Nußlands  selbst  ein  von  seiner  Kraft  so  überzeugter  Mensch,  wie
Bismarck,  nicht  imstande  ist  zu  glanben.“  Was  der  geniale,  die
deutsche  Kultur  liebende,  aber  von  mystischem  Glauben  an  die
Herrlichkeit  des  russischen  Gottes  beherrschte  Dichter  vom  Erraten
seiner  Russen  ahnte,  traf  bald  geung  ein,  und  gleichzeitig  wuchs
das  Mißtrauen,  von  dem  sich  der  deutsche  Kraftmensch  gegenüber

*)  Siehe  „Zukunft“  vom  4.  Sept.  1897.
**)  F.  M.  Dostojewski:  „Politische  Schriften“,  2.  Auflagc,
München  1917,  S.  76  f.

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