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Osten nennt man „Deklination“. Auf den Kompassen findet sich meist ein Pfeil,
der diese Abweichung von der nördlichen Richtung kennzeichnet. Über diesem Pfeile
muß der Nordpol der Magnetnadel stehen, wenn der Norden der Windrose genau
nach dem Nordpol der Erde gerichtet sein soll.
91. Künstliche Magnete. a. Lege ein Stück weiches Eisen (Nagel, Schlüssel)
mit dem einen Ende an einen Magnetpol und halte nahe an das Eisen eine Näh—
nadel! Sie wird von dem Eisen angezogen. Das Eisen ist also selbst magnetisch
geworden. Entferne den Magnet vom Eisen! Die Nähnadel fällt wieder ab.
Das Eisen ist also wieder unmagnetisch geworden. Nimmt man statt des weichen
Eisens ein Stück Stahl (Stopf= oder Stricknadel), so zeigt sich, daß der Stahl
durch Berührung mit dem Magnetpole zwar schwächer magnetisch geworden ist
als das weiche Eisen, daß er aber seine magnetische Kraft auch nach Entfernung
des Magnets behält, was bei weichem Eisen nicht der Fall ist.
b. Man benutzt deshalb auch den Stahl zur Herstellung künstlicher Magnete.
Zu diesem Zwecke bestreicht man, immer von der Mitte des Stahls anfangend,
seine eine Hälfte zwanzig bis dreißigmal mit dem Nordpole des Magnets, die
andre Hälfte ebenso oft mit dem Südpole, und der künstliche Magnet ist fertig.
Meistens giebt man dem künstlichen Magnet die Form des Hufeisens, da so die
nebeneinander liegenden Pole mit vereinter Kraft wirken können.
92. Innere Beschaffenheit des Magnets. Bricht man von einer magnetisierten Stricknadel
ein Stück des Nordendes ab, so hat man in diesem Stücke nicht etwa nur Nordmagnetismus,
sondern einen Magnet mit Nord= und Südpol. Der Nordpol liegt an dem
frühern Nordende, der Südpol an der Bruchstelle. Durch wiederholtes Zerbrechen dieses
Stückes lassen sich unendlich viele kleine Magnete herstellen. Daraus folgt: 1) Die Massenteilchen
(Moleküle) müssen vollständige Magnete sein, jedes also Nord= und Südpol haben.
2) Die gleichnamigen Pole der Moleküle eines Magnets müssen gleich gerichtet sein.
93. Magnctische Verteilung. a. Nähert man den Magnet einem Gegenstande aus
weichem Eisen, z. B. einem Nagel, so wird dieser selbst magnetisch und zieht wieder andre
Eisenstücke an. Man kann auf diese Weise eine förmliche Kette aus Ringen bilden. Entfernt
man den Magnet, so fällt die Kette auseinander. Das Eisen ist nicht etwa dadurch
magnetisch geworden, daß Magnetismus von dem Magnet übergesprungen ist, sonst müßte
ja der Magnet bei wiederholten Versuchen an Kraft verlieren, was nicht der Fall ist.
Man nimmt deshalb an, daß in jedem Stück Eisen von Natur bereits beide Magnetismen
vorhanden sind, die Massenteilchen (Molekularmagnete) aber nach allen nur
denkbaren Richtungen durcheinander liegen. Durch Annäherung eines Magnets aber werden
sämtliche Nordpole der Massenteilchen nach dem einen, sämtliche Südpole nach dem andern
Ende des Eisens gerichtet. Diese Wirkung heißt „magnetische Verteilung“.
b. Denkt man sich nun den Magnetstab aus unendlich vielen Molekularmagnetchen
zusammengesetzt, so kann man sich leicht vorstellen, daß Nord= und Südmagnetismus in steter
Folge wechseln müssen. Das Ende, wohin alle Nordpole gerichtet sind, ist der Nordpol
ns ns nsns des Magnetstabes, das andre Ende der Südpol. Nähert man
nun ein Stück Eisen (E 6) der Mitte des Magnetstabes, so
— 2 9 5* nimmt es die gleiche Lage gegen den Südpol 2 s und 3 s
E H□r der Moleküle ein. Die Wirkung dieser Moleküle wird daher
n n aufgehoben, weshalb der Magnetstab in der Mitte keine
* 6 Anziehung übt. (§ 89 c.) Nähert man dagegen das Eisen
(E 5) dem Nordpole des Magnets, so ist es sämtlichen Nordpolen der Moleküle näher als
ihren Südpolen. Deshalb wird (da sich nur ungleichnamige Pole anziehen) der Südmagnetismus
in das dem Nordpole des Magnetstabes zugelehrte Ende des Eisens (5 8) gezogen,
der Nordmagnetismus aber in das andre Ende (5n) gestoßen. So entstehen die Pole.
F. Elektrirität.
94. Reibungselektricität. Reibe eine unelektrische erwärmte Glasstange
kräftig mit einem Seiden= oder Wolllappen! Dann halte sie über kleine Papierstückchen
(Wollflocken, Sandkörner, Holzsplitter, Goldschaum)! Sofort werden
diese von der geriebenen Stange angezogen, bleiben eine Zeitlang daran haften