gelassen, er hat nicht einmal die politische Stimmung
des Landes erfaßt, in dem er zehn Jahre lang die Inter—
essen Denkschlands zu vertreten halke — Rumäniens!
Das klingk beinahe wie ein schlechter Witz, und ist
doch nur ein Beispiel dafür, wie wenig Menschenkenner
der Kanzler selber war und wie weit der Horizonk seiner
Auguren im Auswärkigen Amk sich spannke. — Doch
ich bin den Beleg auf meine Auffassung von Herru von
Kiderleus rumänischen Erfahrungen noch schuldig.
Nach der Rückkehr von meiner Reise nach Rumänien
im April 1909 meldete ich meinem Vaker, ich hätte den
Eindruck gewonnen, daß uns dork ein einziger Mann
wohlgesinnk sei, und das sei König Carol selbst. Oie
polikisch führenden und nur auf den Abgang des greisen
Königs warkenden Kreise ständen durchaus und nachhaltig
unler französischem und russischem Einfluß. Die
Sympakhien der Kronprinzessin seien nach England gerichtet,
und der Kronprinz stehe sehr unker dem Einfluß
seiner Frau. So könne ich mich dem Gedanken nicht
entziehen, daß Rumänien im Kriegsfalle seine Bündnishilse
zum mindesten versagen werde — wenn es sich nichl
zum Anschluß an die Gegenseike entschlösse. — Seine
Majestät schickte mich zum Skaakssekrekär des Außeren
in die Wilhelmstraße, damit ich dork meine Wahrnehmungen
mikkeile. Herr von Kiderlen-Wächker hörke mich
behaglich-überlegen an und lächelke zu meinem Berichk.
Am Ende meinke er, ich müsse mich gekäuscht — ich
müsse böse gekräumk haben. Ganz Rumänien, das er
doch kenne „wie sei' Weste'kasch'“, sei bündniskreu bis
auf die Knochen. „Sozusage' mündelstcherl" — Wir
haben bald darauf erfahren müssen, wie die Ereig-109