Contents : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

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bündete  zu  suchen,  um  gegen  Osterreichs
Eifersucht  gesichert  zu  sein,  das  vornehmste
Prinzip  von  Friedrichs  Politik.  Zunächst
schloß  er  sich  an  Rußland  an,  suchte  aber
dessen  übermäßige  Machterweiterung  einzuschränken.
  Die  Wirren,  welche  die  Eroberungssucht
  Katharinas  II.  im  Osten  erregt
  hatte,  suchte  F.  durch  die  erste  polnische
  Teilung  1772  zu  beseitigen,  in  welcher
er  Westpreußen  (eine  Danzig  und  Thorn)
und  den  Netzedistri  arb.  Wen
d  den  Netzedistrikt  erwarb.  Wenn  er
sich  damals  Kaiser  Joseph  genähert  hatte,
so  trat  er  1778  der  Vergrößerungssucht
dieses  Fürsten,  welcher  Bayern  dem  Kurfürsten
  Karl  Theodor  abkaufen  wollte,  entgegen
  und  wußte  durch  bn  entschlossenes
Auftreten  jenen  so  einzuschüchtern,  daß  er,
ehe  es  zu  wirklichem  Blutvergießen  kam,
im  Frieden  von  Teschen  auf  seinen  Plan
verzichtete  (s.  Osterreichischer  Erbfolgekrieg).
  Als  der  Kaiser  wenige  Jahre
später  Bayern  gegen  Abtretung  der  österreichischen
  Niederlande  erwerben  wollte,
stiftete  F.  1785  zum  Schutz  der  Rechte  der
Reichsfürsten,  namentlich  des  Pfalzgrafen
Karl  von  Zweibrücken,  den  Deutschen
Fürstenbund.  So  endete  F.,  der  als
Eroberer  begonnen,  als  der  Beschützer  der
deutschen  Kleinstaaten.  Seinem  Staat
hatte  er  eine  europäische  Stellung  geschaffen.
  welche  nur  durch  eine  gewaltige  Miitärmacht
  erhalten  werden  konnte.  Deshalb
  brachte  F.  das  Heer  auf  200,000
Mann,  deren  Unterhalt  den  größten  Teil
der  auf  12  Mill.  Thlr.  gestiegenen  Staatseinnahmen
  verschlang,  und  war  eifrig  bemüht,
  die  Schlagfertigkeit  dieser  Truppen
auf  jede  Weise  zu  Fahüheen.  Schwerwares,
die  Wunden,  welche  der  Krieg  dem  Land
eschlagen,  zu  heilen.  Aber  F.  schonte  wer
  Geld  noch  Mühe,  um  Ackerbau,  Handel
  und  Industrie  zu  heben.  In  den  20
Jahren,  welche  dem  Siebenjährigen  Krie
fogten,  hat  er  für  diese  Zwecke  40  Mill.
Thlr.  verwandt.  Zum  Besten  des  Handels
  errichtete  er  in  Berlin  die  Bank  und
die  Seehandlungsgesellschaft,  baute  den
laueschen  und  später  den  Bromberger
anal;  dem  verschuldeten  Grundbesitz
suchte  er  durch  Gründung  von  Landschaftene
  zu  helfen.  Wenn  er  auch  das  harte
Los  der  bäuerlichen  Bevölkerung  zu  mil-Friedrich

  (Preußen:  Friedrich  II.).

dern  bemüht  war,  so  wagte  er  es  noch  nicht,
die  Erbunterthänigkeit  aufzuheben.  Eine
unglückliche  Maßregel  war  die  Einrichtung
der  Regie  (1766),  nämlich  einer  Zollverwaltung
  nach  französischem  System,  die
den  gr  fünklichen  Ertrag  aus  Zöllen,
welche  auf  eine  Menge  eingeführter  Waren
  gelegt  waren,  erzielen  sollte,  aber  den
König  und  seine  französischen  Zollbeamten
unbeliebt  machte.  In  die  kirchlichen  Angelegenheiten
  mischte  sich  F.  so  wenig  als
mmöglich  ein,  um  die  Rechtspflege  hat  er  sich
durch  Einführung  einer  neuen  Gerichtsordnung
  (°Codex  Fridericianus,  1747)
und  das  -Allgemeine  Landrecht-,  das,  vom
Großkanzler  Carmer  ausgearbeitet,  allerdings
  erst  1794  in  Kraft  trat,  sehr  verdient
gemacht.  Zu  welchen  Mihzeiffen  E
den  König  sein  ernstlicher  Wunsch,  da
in  seinen  Staaten  das  Recht  ohne  Ansehen
  der  Person  gesprochen  würde,  führen
konnte,  zeigt  der  Müller  Arnoldsche  Prozeß
  (s.  Arnold).

Fast  ebenso  hervorragend  wie  die  Herrlceechriße
  Friedrichs  ist  seine  Bedeutung
als  Gelehrter  und  Schriftsteller.  Als  Philosoph
  lehnte  er  sich  an  Wolff,  später  an
Locke  und  Voltaire  an;  er  war  Deist,  d.  h.
auf  Grund  der  Erkenntnis  seiner  Vernunft
  vom  Dasein  einer  höchsten,  bewußten
  Endursache  hielt  er  das  Dasein
und  die  Persönlichkeit  Gottes  für  unumstößliche
  Gewißheit,  bagegen  leugnete  er
die  Unsterblichkeit  der  Seele.  Die  Glaubenslehre
  der  bestehenden  christlichen  Kirchen
  erklärte  er  für  Entstellung  der  ursprünglichen
  Wahrheit  des  Christentums,
bessen  Sittenlehre  ihm  als  ewig  gültig
und  unangreifbar  galt.  Nicht  minder

¾6(  dachte  er  über  die  Pflichten  leinee
Kl  lichen  Berufs.  Seine  erste  politische
Schrift,  die  „Considérations  sur  I'état
du  corps  politique  de  lIEurope,  mahnt
die  Fürsten  energisch  an  ihre  Pflicht,  für
das  Glück  ihrer  Völker  zu  sorgen,  denen
sie  ihre  Erhebung  verdanken.  Der  1739
geschriebene  „Antimachiavel  (übersetzt
von  Förster,  1870)  eine  Gegenschrift  gegen
  Machiavellis  ekrineipe  geißelt  die
kusteche  Tandew  dieses  erks,  das  dem
Fürsten  selbst  unlautere  Mittel  erlaubt,
um  seine  Alleinherrschaft  zu  begründen