128 Urkunde No. 69.
1804 den übrig bleibenden zuwächset, und der Staat bei ihrer Einziehung nur
März
24/29 ihre Verminderung und die Benutzung der Klostergebäude zu gemeinnfitzigen
Zwecken beabsichtet.
Der Verlust der Weltgeistlichkeit bei dem Verfahren nach der Bulle
von 1634 ist daher unvermeidlich. Der Staat aber, welchem die Klasse
der Seelsorger so wenig als ihre Bubsistenz gleichgfltig, im Gegentheile
wichtig ist, und der deshalb dafür zu sorgen hat, dass letztere nicht beeinträchtigt
und gefährdet werde, kann solchen nicht zugeben und deshalb nieht
gestatten, dass die darauf hinausgehende Ansprüche des Adels in Absicht
der Zehentverwandlung, wenn sie auch vom päpstlichen Stuhle verordnet
und unter der vormaligen pohlnischen Regierung genehm gehalten ist, realisirt
werden. Die nach der Meinung des Grosskanzlers und der Gesetrkommission
als landesgesetzlich aufrecht zu haltende polnische Verfassung
qualificirt sich auch an sich selbst und wegen ihrer Inconformität mit der
Consistorial-Verfassung in E. K. M. alten Staaten zu dieser schonenden Behandlung
gar nicht.
Sie ist offenbar Wirkung der ehemaligen Uebermacht des Adels und
des Einflusses der selbst grösstentheils mit Gütern ansässigen Bischöfe und
beider Absicht, sich auf Kosten des weltgeistlichen Standes zu bereichern.
Hiervon zeigt besonders ihre Einseitigkeit in der Ausnahme der Königlichen
(düter von den für die adeliche Besitzungen bei dem Papste extrahirten Verordnung
wegen der geistlichen Natural-Zehent-Verwandlung, und diese Einseitigkeit
ist ein zweiter erheblicher Grund gegen ihre fernere Anerkennung.
Sie ist ferner nicht allgemein, sondern nur in einem kleinen Theile des
ehemaligen Pohlen zur Wirksamkeit gekommen, und deshalb ist eg um 50
eher thunlich, so wie es überhaupt rathsam ist, die von Pohlen zu E. K.M.
Staaten übergegangenen Provinzen auch hierunter an die Verfassung in
Höchstdero ältern Provinzen anzuschliessen. In diesen gestatten die Consistorien
als Curatoren der Geistlichkeit durchaus keine zum Nachtheile dieser
gereichende Verwandlung der Naturalgefälle und Zehnten in baares Geld,
auch nicht in Schlesien. Da tibrigens die adelichen Gutsbesitzer seit 1635
von der ihnen damals beigelegten Berechtigung, die Verwandlung des geist
lichen Feldzehents in eine bestimmte mässige Geldabgabe zu verlangen, bis
zur Zeit der veränderten Landesregierung so wenig Gebrauch gemacht haben,
so ist um 80 weniger zu besorgen, dass deren Aufhebung eine unangenehme
Sensation machen dürfte. Sie würden auch ohne Grund darüber klagen,
da sie vermöge der Patronatsverhältnisse verbunden sind, für die Bubsistenz
der Geistlichen auf ihren Gütern mit zu sorgen und ihnen die Vortheile,
welche durch die Geistlichkeit gestiftet werden und nur zu erwarten sind,
wenn diese auskömmlich situirt ist, vorzüglich zu gut kommen.
Unter allen diesen Umständen halten wir uns verpflichtet, bei E. K.M.
hiermit, zu Abwendung des Schadens, welcher der katholischen seelsorgenden
Geistlichkeit in Std- und Neuostpreussen durch weitere Befolgung der