thumbs : Die Preisbildung im Kriege. (1)

53

der  Mengen  in  hohem  Grade  zu  gewährleisten,  während  doch  die
Gleichmäßigkeit  der  Qualitäten  durch  die  verteilende  Behörde  festgehalten
  werden  kann.  Abweichungen  in  den  Preisen  können  schließlich
innerhalb  gewisser  Grenzen,  die  allerdings  —  je  länger  umsomehr
—  sehr  eng  zu  ziehen  sind,  in  den  Kauf  genommen  werden,  wenn  auf
der  andern  Seite  durch  die  Benutzung  des  Kleinhandels  eine  große
Zahl  von  Menschen  in  ihrer  gewohnten  Tätigkeit  und  Erwerbsmöglichkeit
  erhalten  werden.  Ein  vorsichtiges  Abwägen  des  Für  und
Wider,  das  bei  verschiedenen  Artikeln  leicht  zu  verschiedenen  Ergebnissen
  führt,  ist  hier  das  einzige,  was  den  verhältnismäßig  besten
Weg  aufweisen  kann.  Nur  muß  auch  hier  wieder  betont  werden,  daß
von  einer  wirklich  selbständigen  Betätigung  des  Handels  in  keinem
Falle  die  Rede  sein  kann.

Zurückdrängung  des  Großhandels.  Wie  immer  man  den
Handel  im  einzelnen  heranzieht  oder  ausschaltet,  stets  kommt  er
für  die  Nahrungsmittelwirtschaft  im  Kriege  nur  als  eine  technische
  Hilfe,  nicht  als  der  Träger  einer  selbständigen  Wirtschaftsaufgabe
  in  Betracht.  Und  damit  ist  denn  auch  die  entscheidende
Schwierigkeit  gekennzeichnet,  unter  welcher  in  der  Kriegswirtschaft,
im  Gegensatz  zum  Kleinhandel,  der  Großhandel  steht.  Gewiß
hat  auch  er  in  der  freien  Friedenswirtschaft  wichtige  technische
Aufgaben  zu  erfüllen,  aber  gerade  ihm  sind  diese,  wie  vorher  dargelegt,
  zugroßem  Teil  durch  das  Herausbilden  besonderer,  eben  diesen
technischen  Zwecken  dienender  Wirtschaftszweige  genommen  worden.
Was  ihm  geblieben  ist,  ist  die  Leitung  der  Verteilung,  die  Regelung
des  Kredits  und  die  Preisbildung  —  also  gerade  das,  wofür  es  in
der  Kriegswirtschaft  bei  den  notwendigen  Nahrungsmitteln  keinen
rechten  Raum  für  selbständiges  Arbeiten  mehr  gibt.

Der  Großhandel  ist  sicherlich  fähig  und  findet  in  freier  Wirtschaft
  geradezu  seine  Aufgabe  darin,  immer  neue  Bezugsquellen  und
neue  Absatzgelegenheiten  zu  finden,  sein  Lebenselement  hierbei  ist
jedoch  die  Freiheit  der  Bewegung.  In  Deutschland  im  besonderen
ist  er  darauf  eingestellt,  in  Absatz  und  Bezug  neben  dem  Inlande
auch  das  Ausland  regelmäßig  zu  berücksichtigen.  Da  liegen  zu  erheblichem
  Teil  die  Unterlagen,  auf  die  er  seine  ganze  Arbeit  eingerichtet
hat.  Dort  besteht  eine  Kundschaft,  von  der  er  bezieht,  an  die  er  liefert.
Da  hat  er  seine  Vertreter  und  was  man  sonst  als  Handelsapparat
bezeichnet.  Da  stört  ihn  auch  nicht  entscheidend,  wenn  etwa  Abgaben
dieser  oder  sener  Art,  auch  Zölle  erhoben  werden,  solange  die  Belastung
  übersichtlich  und  berechenbar  bleibt.  Aber  schon  im  Frieden
wird  er  unruhig,  wenn  er  von  Staats  wegen  in  immer  schwankende