Full text: Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

März 17. 
bie 30. 
256 1611 106. 
vielmehr müssen seine Lande jährlich noch 300 000 fl. zur Erhaltung 
der Grenzen hergeben. Wenn sich nich* das ganze Reich der Grenzen 
annimmt, so wird man mit der Zeit Ungarn verlieren oder seiner 
nicht mehr mächtig sein. Die Ungarn wollen von keinem Krieg 
mehr hören, lieber wollen sie dem Türken steuern oder sich ihm 
ganz ergeben. Der König behauptet nur mehr Raab und Komorn, 
deren Garnisonen sich vor zwei Jahren sehr übel versehen befunden 
haben; seither hat sich nichts geändert. 
In Prag hat der König mich zweimal rufen lassen. Das eine 
mal hat er vom Kriegswesen gesprochen und meine Artillerie- und 
Fortifikations-Sachen und Instrumente, die ich bei mir hatte, zu sehen 
begehrt; ich habe mit ihm weitläufig davon gesprochen, wobei er mich 
fragte, ob ich nicht Lust hätte, in diesen Landen zu dienen ; auch durch 
Herberstein hat er deshalb mit mir reden lassen. Zum zweiten mal 
liess der König mir durch Meggau einige Schreiben übergeben, dann 
mich vor sich berufen , worauf er mir auf mein Anbringen folgenden 
Bescheid erteilte : 
1. Dank für E. kfl. Gn. „Zuentbieten“. 2. Er will von 
seinem Vorhaben nicht aussetzen und die Königreiche und Lande 
dieser „Servitut und übeln Administration‘ entledigen; er wünscht 
dabei, dass man auch das Reich in gleiche Ruhe und Sicherheit 
bringen und das alte Vertrauen wieder herstellen könnte, wobei er 
sich zu allen möglichen Diensten empfiehlt. 3. Der König will 
andern zum warnenden Beispiel nicht unterlassen, sobald das Regiment 
reformiert ist, diejenigen zu strafen, die beim Kaiser zu so vielen 
Uebeln Anlass gegeben haben. 4. Wegen des Beligionsfriedens 
wird der König in die Fusstapfen seiner Vordern treten; er hält 
ihn für ein Mittel, Frieden, Einigkeit und Vertraulichkeit zu erhalten, 
„allermassen dan I. kgl. M. in ihren konigreichen und landen solches 
gleichfalls practicirt, dass menniglich damit zufrieden.“ 5. Was der 
König zu den Protestanten und besonders zum Hause Brandenburg für 
ein Vertrauen hat, geht daraus hervor, „dass dieselbe [kgl. M.'] in allen 
ihren nöten und anliegen zu solchen geflogen [!] und noch das vertrauen 
zu denselben tragen und haben, hoffentlich, die werden I. kgl. M.! in 
gleicher affection, allermassen sie sich erbieten, correspondiren und 
wöllen gar gern ihres theils alle vertreulichkeit und freundschaft 
chur- und fürsten im heil. reich bei aller gelegenheit erzeigen, dessen 
sie sich gegen Jägerndorf in specie erclärt haben.“ 6. Der König 
hofft, E. kfl. Gn. werden ihm seine Aufrichtigkeit nicht entgelten 
lassen; er hat auch bereits seinen Gesandten befohlen, auf dem 
Unionstag zu erscheinen. 
Eybach, Akten H. M. von Schönburg betreffend, a. 1611, no.47 und 49; eigh! 
! In zwei Schreiben vom 9./19. März teilt Schönburg dem Fürsten 
Christian von Anhalt gleichfalls seine Eindrücke von dem Zustand in Iglan 
und verschiedene Einzelnheiten aus der Unterredung mit dem König mit. 
Dass die Truppen des Königs und der Stände Herrn des Schlosses, der 
Krone und des Kaisers selbst sind, will Sch. nicht gefallen. Der Hersog