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Lasters. Es liegt ja auf der Hand, daß die übermäßige
Bethätigung, welche von ihren Bewohnerinnen verlangt wird,
jede ärztliche Untersuchung, die doch, wenn auch vielleicht
täglich, was aber gewiß selten vorkommt, doch nicht nach jedem
Vorkommnis stattfinden kann, illusorisch macht.
Zweitens bieten diese Häuser den meisten Anlaß zur
Verführung der männlichen und zur Uberlistung und Ver-
gewaltigung der weiblichen Jugend und zu Skandalen der
rohesten Art. Ihr bloßes Dasein, das stets rasch bekannt
wird, verführt zu ihrem Besuche unzählige junge Männer, die
sonst nicht an Ausschweifungen denken würden, dort aber nicht
nur zur Unzucht, sondern zugleich zum Trunke, zur Scham-
losigkeit und zu Streitigkeiten verleitet werden, ja sogar zu
Diebstählen und Unterschlagungen, um diesem „Vergnügen“
nachgehen zu können. Sie untergraben ferner die Ruhe,
Ordnung und Sicherheit der Stadtteile, in welchen sie liegen,
vermindern den Wert der benachbarten Grundstücke, verletzen
die Gefühle der Bewohner derselben und verpesten die Erziehung
der in ihrer faulen Atmosphäre heranwachsenden Jugend.
Drittens haben die Bordelle noch niemals und nirgends,
wie ihnen von ihren Bewunderern nachgerühmt wird, die
geheime und vereinzelte Prostitution verhindert. Diese
letztere, so skandalös sie ist, hat doch noch einen Vorzug
vor den Bordellen, indem die sie ausübenden Dirnen doch
keine gefangenen Sklavinnen sind, wie die der Bordelle, welche
stets in der betrügerischen und diebischen Schuld der Besitzer
dieser Lasterhöhlen stehen, keine freie Bewegung haben und
zu Anstrengungen gezwungen werden, welche sie nach kurzer
Zeit dem Hospital oder dem Tode überliefern. Diese Häuser
dürfen daher mit Recht Räuber= und Mörderhöhlen genannt
werden.
Und auf diese Schandhäuser wagte noch im Jahre 1870
der anonyme Verfasser des Buches „Die Sinnenlust und
ihre Opfer“ (Berlin) an dessen Schluß eine Lobeshymne