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Miitwoch, G. Januar 10915
Msenheiner Anzeiger
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Amtfliches Pablikasions-Organ
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Eine landesväterliche Kundgebang König Tudwigs an sein Volk.
Eline königliche Spende zur Uinderung der KRrugsnot. — Das Cerlchl###n der fransösisch-n Olff ulivc — Das leßc franzosilche HRufg bot.—
Ddie Kämpfe in Flandern und Nordfrankreich — Reuc Taten des Ristes der Brfahung der „Emd. u“ . — I1I2 700 Ruffen von den Oefterreschern
gelangen genommen. — neuec éerfolge gegen die Kuffen in den Karpalben. — Du Bcrarbeitung der N utraun. — Kullengreuel
im Kaukafus. — der unbewungenc Burcnaufnand.
Zn König udwigs 70. Geburtskag.
König Ludwig begeht am 7. Januar 1315
sein 70. Geburtsfes. Das ganze Bayernvolk
möchte an diesem Tage seinem heißgeliebten
König von ganzem Herzen in festlicher Freude
zujubeln. Leider sieht der Ernst der großen
Zeit hindernd im Wege. Dem Wunsche des
Monarchen entsprechend, verzichtet es auf alle
sestlicken Veranstaltungen, die sonst in anderen
Jahren an diciem Tage sratifanden. Wohl aber
läßt es sich das Bayernvolk nicht nehmen, seinem
König auch zum 70. Geburtefest treue
Anhänglichkeit und innigste ehrfurchtsvollste
Liebe zu bekunden.
Wir wissen es: diese Liebe und diese Treue
ist nicht etwas Schablonenhaftes, nein, in ihr
bekundet sich die innere Zusammengehörigkeit
zwischen König und Volk, wie sie in diesen
ernsten Tagen erst recht in die Erscheinung tritt.
Man vergegenwärtige sich nur den Inhalt der
behren Worte, mit welchen König Ludwig soeben
zu seinem Volle gesprochen hat! Darin
lekundet sich aufrichtige Liebe des Monarchen
zu seinem Volte, väterliche Gesinnung für alle
Landeskinder. Deshalb leitete König Ludwig
das Fest seines 70. Geburtstages ein mit einem
Alt väterlicher Furiorge für Angehörige von
Kriegsteilnehmern und sonstige Bedürftige. Dafür
schlägt ihm wahre Liebe aus den Herzen
aller Bayern entgegen, im Süden wie im
Norden.
Das ganze Barernvolk wiederholt heute das
Gelöbnis: mit seinem König mitzuwirken nach
Kräften an der großen Tat zur Wahrung und
Stärkung der Macht unferes gemeinsamen deutschen
Vaterlandes. Wie unser König so wird
auch das ganze Volk nicht ermüden und nicht
erlahmen in der bereitwilligsten Opserfreudigleit
und in der eifrigsten Mitarbeit zur glücklichen
Vollendung dieses hohen Zieles, das uns
alle beseelt und beherrscht. Gerne folgen wir
dem Wunsche des Kardinalerzbischofs v. Bettinger,
der in cinem Hirtenschreiben aus Anlaß
des Geburtsfejtes des Königs den Diözesanen
ans Herz legt:
„Beten wir, daß zur Freude und zum Glüde
unseres Königs bald der äußere Friede wiederkehre
und Land und Volk, neugestärlt durch
die in so erbaulicher und allgemeiner Gebetsinnigkeit
erflehte Krast von oben, friedlich unter
sich geeint die Segnungen dieses heißerlämpften
Friedens genießen dürfen und die neuen Bedingungen
eines glücklichen Gedeihens zu ihrem
Heile benutzen! Beten wir, daß Gott den König,
der seinem Volke ein Muster frommen Glaubens
und gewissenhafter Pflichterfüllung ist,
uns lange erhalte in Kraft und Gesundheit, daß
er auch fernerhin sein landesväterliches Walten
reichlich segne, daß er ihn und unsere heißgeliebte
Königin und das ganze königliche Haus
Wittelsbach schütze und schirme und mit zeitlichem
und ewigem Hedeihen beglücke!“
Der König an sein Volk.
Seine Majestät der König hat an den Staakminister
des Innern Dr. Frhrn. v. Soden-Fraunhofen
folgendes Handschreiben gerichtel:
Seit vollen fünf Monaten siehen Deuiiclands
beste Söhne in schwerem Kampfe va
dem Feinde. In kraftvoller Geschlossenheit
die ganze Nation geeint. Zeder Deutsche ist um
von dem einen Gedanken beseelt, freudig allt
Opfer zu bringen, die der Schutz und die Ehe
des Vaterlandes auferlegen.
Unter dem mächtigen Eindruck dieser Tarsachen
gehe Ich in diesen Tagen einem wichtigen
Lebensabschnitt entgegen. Ich habe den drir-Liebe
zum Vaterlande und zum Königshause
so gläuzend bewährt und unter Zurückstellung
aller trennenden Gegenjätze nur das eine Ziel
vor Augen hat, dem Vaterlande zu dienen.
In einem langen Leben war Mein Bemühen
darauf gerichtet, das Land und seine Bedürfnisse
kennen zu lernen und Mir Erfahrungen
darüler zu sammeln, was dem Vollke frommt.
Erst seit kurzer Zeit von der Vorsehung zur
Negierung berufen, ist es Mein stetes Streben,
diese reichen Erjahrungen zum Wohle des Landes
zu verwerten. Felsensest ist Meine Zuversicht,
daß ein siegreiches Niederringen unserer
Feinde uns einen dauernden Frieden sichert, der
wert ist der schweren Opfer, und der Mir die
Könis Cudmig von Bayern in Felducrisorm mit dem Elsernen Krenz I. Klasse
Neueste Aufnahme.
genden Wunsch ausgesprochen, daß von größeren
Fesuichkeiten aus Anlaß Meines 70. Geburtestages
Abstand genommen werde. Dieser Wunsch
hat überall verständnisvolle Aufnahme gesunden.
Es liegt mir aber am Herzen, gerade
am Vorabend Meines Geburtstages den Empfindungen
Ausdruck zu geben, die Mich in dieser
großen Zeit bewegen
Mit Stolz und freudiger Anerlennung blicke
Ich auf die tapfere bayerische Armee, die in
heldenmütigem Kampse und herrlichen Wassentaten
ihren alten Ruf befestigt und sich ols wurdiges
Glied der deutschen Heere erwiesen hat.
Mit stiller Wehmut gedenke Ich der Helden,
die in dem gewaltigen Ringen ihr Blut Aur
das Vaterland vergossen haben, und der Fa-Wilten-
die den Verlust teurer Angehöriger be-Nag
ichen Dank sage Ich dem ganzen bayerischen
Volke, das in dieser ernsten Zeit seine
Vöglichkeit gibt, Land und Volk wieder vorn##rts
zu führen auf dem Wege wirtschaftlicher
Estarlung und kultureller Entwicklung.
Gott schutze Mein liebes Bayern! Er schirme
di Kaiser und das Reich und verleihe den
da#tschen und den in treuer Waffenbrüderschaft
vchündeten österreichisch-ungarischen Heeren
des Sieg über unsere Feinde!
Dies ist der innige Wunsch, mit dem Ich zu
Minem 70. Geburtsfest Meine lieben Bayern
bezrũße.
ch ersuche Sie, Mein lieber Herr Staatsmister,
diesen Erlaß zu veröfsentlichen und
glich-eitig bekannt zu geben, daß Ich aus Anlaß
Meines Gelurtsfestes eine Spende von
10000 zur Verfügung stelle mit der
BesEmmung, daß sie zur Fürsorge für die Angehirigen
der Kriegsteilnehmer und zur Linde-
rung durch den Krieg ver bekursocher Notlage
vewendet werde. gez.: Ludwi
Allgemeines vom kKrieg
Die deutscken Arbeiter und der
Krieg.
Berlin, 4. Jan. Das offizielle Organ der
freien Gewerkschaften, das Korrespondenzblatt
der Generalkommission der Gewerkschaften
Deutschlands schreibt in einem Rückblick auf das
Jahr 1914 u. a. folgende bemerkenswerte
Worte, die für die Beurteilung der Lage durch
die deutsche Sozialdemokratie charakterisrisch
sind: Kein Mensch weiß, ob wir jetzt im Mittelpunkt
stehen, ob wir uns dem Ende des Krieges
nähern oder noch am Anfang längerer
Kriegsjahre stehen. Nur eines wissen wir, daß
wir durchhalten müssen, daß wir durchhalten
werden, daß unser Vaterland durch keine Ueberzahl
von Feinden, durch keine Ueberzahl der
Waffen und durch keine Aushungerung unterzukriegen
ist. Dieses Selbstvertrauen stützt sich
nicht allein auf die Slärke unserer Heeresmacht,
auf ihre gute Organisation, Ausbildung
und Disziplin, sondern vor allem auf die Vaterlandsliebe,
in der alle Deutschen ohne Ausnahme
einig sind und bereit, für dessen Verteidigung
jedes Opfer zu bringen. Mag der
Krieg nock Monate oder Jahre dauern, er wird
das Volk immer fester zusammenschließen und
seine Kräfte ins Ungeheuere anwachsen lassen.
Die Hoffnung, daß Deutschland in diesem
Ringen schließlich doch noch unterliegen werde,
mögen die Feinde getrost aufgeben. Eher würden
sie selbsr verbluten und in Staub sinken.
Deutschland ist es, das am kräftigsten aus diesem
Welttriege hervorgehen wird. (3.)
Französische Einberufungen.
Zürich, 4. Jan. Der Pariser Korrespondent
der „Neuen Zürcher Zeitung“ meldet die
Einberufung sämtlicher zurückgestellten Jahresklassen
1887 bis 1909 als letztes fransösisches
Aufgebot im europêischen Konflikt. (3.)
Der französische Angriffsversuch.
WIB. Kopenhagen, a. Jan. „Politiken“
nennt das französische Gelbbuch ausgesprochen
polemisch. Es bringe keine entscheidenden Beweise
über die angeblich deutschen aggressiven
Stimmungen. Es sei nur bezeichnend für die
französische Auffassung der Dinge. So sei die
Veroffentlichung von Anfang bis zu Ende eine
Angriffsschrift gegen Deutschland. Eine entscheidende
Frage köse sie nicht.
Frankreich unter englischem Einfluß.
Stodholm, 4. Jan. „Dagens Nyheter“
meldet aus zuverlässiger Quelle: Bei den Zioilbehörden
in Frankreich herrscht große Mißstimmung
wegen des allzu eigenmächtigen Auftretens
der Engländer. Die Engländer haben In
Le Havre, Boulogne und Calais lich so ge-