Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

NRumma  76  “#

Kreig-  yordenen  Aemter  in  den  bisherigen  Händen.
  Auch  als  erster  Schriftführer  wurde  Herr
Edh  lossermeister  Koch  wiedergewählt.

Nach  Feftsetzung  des  Haushaltplunes  für  das
meue  Jahr  brachte  Herr  Heliel  den  Dank  der
Mitglieder  an  den  Vorstand  zum  Ausdrud.  Der
allgemeine  Gewerbeverein  Rosenhzim  lann  mit
Genugtuung  auf  die  erfolgreiche  Tärigkeit  seines
Vorlitzenden  und  die  rübrige  Arbeitsgemeinschaft
  seiner  Vorstandsmitglieder  zurückblicken.

Ze  mehr  sich  der  Handwerler=  und  Gewerbestand
  von  Rosenheim  und  Umgebung  in  strafser
  Ordanisation  zusammenschließt,  um  so  größer
  wird  in  Julunft  der  Nutzen  sein,  sowohl
sũt  die  Kräftigung  des  ganzen  Standes  als
auck  für  die  Stadt  selbit,  da  Kauflraft  und
Leistungosähiyleit  peboben  wird.  Durch  eine
strasse  Organisation  werden  die  im  Bericht  über
die  Landel  erger  Taaung  so  treffend  geschilderten
Vorlommnisse  bei  Uebernahme  staatii#er  und
namentlich  militärischer  Auf.räge  zu  beheben  sein.
Deshall  möge  der  Voritand  seine  bisherige
Tätigleit  auch  in  Zulunft  fortsetzen,  wenn  seine
Arbeit  von  vielen  auch  die  verdiente  Anerkennung
  leider  nicht  findet.

##——
Ko’ainossen.

Volldernährung  und  Wildschaden.

Aus  der  Fülle  von  Entschließungen.  denen  der
Reichstag  in  seiner  letzten  Sitzung  zugestimmt
hat.  möchie.!  wir  diejenige  nachdrüäcklich  hervorheben,
  in  der  der  Reichsklanzler  erin#t  wird,  im
Interesse  der  Ernährung  des  Volsez  sofort  die
nötigen  Masnahmen  zu  tresisen,  um  die  Gesährdung
  der  biesjährigen  Ernte  durch  Wildschäden
  zu  v  rhindern;  zu  diesem  Jweck  heißt
es  in  der  Entschliehung.  haben  die  Behörden  in
den  Landesteilen,  in  welchen  nennenswerte,  die
Ernte  beeinträchtigende  Wildschäden  orohen  oder
erfalrungesgemäß  einzutreien  pfiegen,  die  Schonzeiten
  des  Wildes  aufzulehen,  die  Jagdberechtiglen
  in  erfolgreicher  Weise  zum  Abschuß  des
Wüdes  anzuhalten  und  diesen  Abrchuß  erforderlichenfalls
  seist  in  anderer  Mise  energisch
dur  zuführen.  Es  bedürfte  eigentiich  keiner
Worte,  daß  in  eiser  Zeiit,  in  der  die  politische
Existenz  des  Volles  von  ieiner  aui  längere  Dauer
ausreichenden  Ernährung  abhängig  i't,  die  lünftige
  Ernte  unter  allen  Umitänden  gegen  den
in  vielen  Landesteilen  sehr  beträchtlichen  Wildschaden
  geschügt  werden  muß.  Wenn  in  Friedenszeiten
  der  Weg  genügte,  dem  privaten
Eigentümer  der  besahirn,  en  Flurstücke  Enischädigungen
  zu  geben,  so  trifft  heuutage  jeder
Verlust  an  Nahrungemitteln  das  ganze  Volk.
Der  Reichstag  hat  gute  (bründe  gehatt,  wenn  er
die  Aufmerksamkeit  auf  diese  Dinge  gelenkt  hat.
Denn  einmal  befindet  sich  ein  sehr  großer  Teil
der  Jäger  im  Felde,  so  daß  der  Al'chuß  ohnebin
  geringer  ist.  Ferner  haben  die  zurückgebleebenen
  Zäger  in  diesen  Zeitläujlen  weniger  Reigung
  zur  Jagd,  und  schließlich  betrachten  es
manche  Jagdinteressenten  als  eine  günstige  Ge—
legenheit.  den  Wildbestand  zu  schonen  und  sich
vermehren  zu  lassen.  Weil  sich  der  Reichstag
mit  Recht  wenig  davon  verspricht,  es  den  Jagd-FFrechtigten
  selbst  zu  überlassen,  in  genügendem
Umfange  Wild  akzuschießen,  hat  er  den  Hauptwert
  der  Entschließung  auf  den  letzten  Sat
gelegt,  in  dem  die  Behörden  angewiesen  werden,
  selbst  den  Abschuß  durch  geeignete  Mahnahmen
  durchzufülren  und  sich  nicht  auf  den
guten  Willen  der  Jäger  zu  verlanien.  Aus  Jägerkreisen,
  die  an  sich  die  Notwendigleit  des  uneingeschräntten
  Wildabschusses  nicht  zugeben,  da
sich  nicht  alle:  Wild  von  landwirtschaftlichem
Wachstum  ern  #r.  wird  hiezu  darauf  aufmerksam
  gemacht,  dan  i##  den  Fällen,  wo  Abhilfe
nottut,  in  Bayern  bereits  eine  Jandpolizewwerordnung
  vom  Jahre  "5  eine  Handhabe  bietet.
  Nach  8  5  dieser  Verord.  g  itt  der  Jagoausübungsterechtigte,
  wenn  sich  i:  eistem  Jagdbezirk
  ein  der  Land=  oder  Forstwirtschn  nachteiliger
  Ubermäßiger  Wildstand  ergibt,  auf  Anordnung
  der  Dittriltspolizeibehörde  verpflichtet,
den  Wildbeftand  in  dem  Umfange,  wie  es  von
dieser  Behörde  vorgeschrieben  wird,  abzumindern.


 

Rosenheim,  den  30.  März.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Tuiilier  Franz  Inzinger,  Sohn  des  vormaligen
Salin-Lokomotioführers  Josef  Inzinger  in
Raubling,  gestorben  an  den  Folgen  eines  Halssckusses
  in  einem  Feldlazarett  in  Ostpreußen;
Rupert  Löw,  Streilhuberbauerssohn  in  Erpertskan,
  Pfarrei  Eiselfing,  Ers.-Res.  im  148.  prenß.

Inf.  Agt.:  Johb.  Eisner,  Grüblbauerssohn  von
Fürth.  Pfareei  Ampfing,  Feldzugssoldat  im
2.  Landwehr-Inf.-Rgt.

Auszeichnungen  im  Felde.  Der  Reinschmiedfohn
  Jakob  Waller  aus  Kiefersselden  ist
mit  dem  Birorrdienstren  3.  Kl.  ausge-2eichnet
  worden.  Der  Wagnermeisterssohn  Josef
  Kogelsperger  aus  Bad  Aiblinq  erhielt  das
Eiserne  Kreuz,  ebenso  der  Schugmann  Vinzenz
Dies  aus  Traunstein,  der  gleichzeitig  zum  Feldwebel
  im  Nes.=  Juf.-Ngt.  Nr.  16  befördert  wurde.
Der  Sanitätsunteroffizier  Martin  Blattl  aus
Traunstein  wurde  mit  dem  Militärverdienstkreuz
3.#  Kl.  mit  Krone  und  Schwertemm  ausgezeichnet.

Paketverkehr  an  die  Ostfront.  Amtlich.
  Vom  29.  März  an  wird  der  private  Paketund
  Frachtgutverkehr  auch  mit  den  im  Osten
befindlichen  Truppen  (mit  Ausnahme  der  in
Halizien  und  in  den  Karpathen  verwendeten)

 

#———  Moge

nach  Maßgabe  der  seit  dem  22.  Februar  gültigen
  Vorschriften  zugelassen.  Hierbei  ist  Vorauesetzung,
  daß  wegen  der  schwierigen  Beförderungsverhältnisse
  auf  den  in  Frage  kommenden
Eisenbahnen  nur  unbedingt  notwendige  Gegenstände
  zum  Versand  gelangen  und  jedes  Uebermaß
  vermieden  wird.  Andernfalls  müßte  diese
Bergünftigung  zur  Verhütung  von  Stockungen,
die  beim  Weihnachtsverlehr  lebhaft  beklagt
wurden,  wieder  ausgchoben  werden.  Die  Mitteilung
  des  Zeitpunktes,  zu  dem  die  Annahme
von  Paleten  usw.  auch  für  die  Truppen  in
Galizien  und  in  den  Karpathen  zulässig  ist,
erfolgt  später.

Von  NRosenheimer  Gymnasiasten
ging  am  15.  März  wieder  eine  Liebesgaben-Sendung,
  bestehend  aus  gquten  Zigarren  und
vortrefflichem  Rauch  labak,  an  die  Truppen  der
baperischen  Ersatz.  ivision  ab.  Sie  ist  gut  angelommen,
  wie  aus  eilem  vom  25.  Mätrz  1915
datierlen  Briese  des  Herrn  Kommandeurs  der

Division,  General  der  Infanterie  Ritter  von
Benzino,  an  den  die  Absendung  besorgenden
Herrn  Professor  zu  entnehmen  ist.  Seine  Erzellenz
  schreibt  unter  anderem  folgendes:  „Soeben
  wurde  mir  das  Eintreffen  Deiner  Liebesgabensendung
  gemeldet,  deren  Verteilung  auf
die  Truppen  nun  sogleich  erfolgen  wird.  Diese
merden  eine  helle  Freude  haben,  wenn  sie  alle
die  schönen  Kisichen  und  Päckchen  mit  ihrem
prächtigen  Inhalt  erblicken  und  wenige  Schritte
vom  Feinde  entfernt  die  blauen  Rauchwolken
emporsteigen  sehen  werden.  Sie  werden  gewiß
alle  der  freundlichen  jungen  Leute,  die  sich  um
die  kämpfenden  Krieger  so  verdient  gemacht
haben,  mit  tiefster  Dankbarkeit  gedenken.  Auch
ch  bin  ihnen  heczlich  dankbar  für  8  hilfsbereite
Gabe,  in  der  eine  Anerkennung  und  ein  freundlicher
  Gruß  für  meine  braven  Soldaten  liegt,
die  so  wacker  an  ihrem  hart  bestrittenen  Platze
ausharren.  Bitte,  sage  Deinen  jungen  Herren
unseren  herzlichsien  Dank,  der  aber  auch  Dir
als  dem  Veranstalter  der  Liebesgaben-Sammlung
  gilt.  Ich  lasse  die  Spende  einem  bayerischen
  Regimente  zugehen,  das  aus  Oberbayern
besicht.  Die  Gabe  wird  also  engeren  Landsleulen
  der  Spender  zugute  kommen.“

Ueber  Volksernährung  in  der
Kriegszeit  sprach  am  vergangenen  Sonntage
  im  ꝓBrau  am  Anger“  Herr  Handelschemiter
  Dr.  Mar  Winckel  aus  München  vor
einem  leider  nur  sehr  kleinen  Kreise  von  Zuhörern.
  Der  Vortragende  hat  sich  durch  seine

Tätigleit  und  Arbeilen  auf  diesem  Gebiete
bereits  einen  klangvollen  Namen  gemacht;  erst
vor  wenigen  Tagen  ist  das  sehr  beachtenswerte

„Kriegsbuch  für  Volksernährung“"  (Verlag  von
Carl  Gerber-München)  von  ihm  erschienen.  In
allgemein  verständlicher  und  anschaulicher  Weise
verbreitele  er  sich  über  die  Grundsätze  der  Ernährung
  und  die  Anforderungen,  die  uns  bei
der  jetzigen  Kriegslage  hiernach  erwachsen  und
an  uns  gestellt  werden,  wenn  wir  den  Aushungerungsplan
  umerer  Feinde  zunichten  maben
  wolslen.  Wir  müssen  uns  auf  das  Notwendige
  beschränken  und  unsere  bisherigen  Lebensgewohnheiten
  darnach  einrichten  und  abändern.
  Zwischenmahlzeiten,  Nachspeisen  und
dergl.  müssen  in  Fortfall  kommen.  Die  Hauptmahlzeiten
  sollen  hauptsächlich  aus  Kartoffeln,
Milch,  Zucker,  Obst  und  Gemüsen  bestehen,  Brot
und  Fleisch  sollen  hiernach  nur  noch  mähig  genossen
  werden.  Erforderlich  ist  vor  allen  Dingen,
daß  die  Speisen  gut  und  schmackhaft  zubereitet,
richlig  genossen.  d.  h.  gut  gekaut  und  auegenützt
  werden.  Wir  alle  haben  bisher  fast  durchweg
  allzu  reichlich  gegessen  und  vielfach  zu
ippig  und  sogar  gesundheitswidrig  gelebt.
Fleischnahrung  war  die  überwiegende,  während
Unsere  Bodenerzeugnisse,  insbesondere  der  Genuß
  von  (Gemüfen.  Obst  dabei  viel  zu  kurz
Jelommen  sind.  Auch  der  ausschließliche  Genuß
  von  Weizenbrot  war  für  uns  kein  Vorteil,
unserem  Körper  ist  Kriegsbrot,  wie  wir  es  jeht
essen  müssen,  d.  i.  Schwarz=  und  Grobbrot  viel
zuträglicher  und  nahrhafter.  Unsere  Ernährungsweise
  sollte  daher  von  jetzt  ab  auch  in
Zukunft  wieder  eine  naturgemäßere,  richtigere
und  damit  gefündere  sein  und  bleiben.  Die
Nährpflanzen  und  einsache  und  emischte  Kostsormen,
  wie  solche  bei  unseren?  Porfahren  üblich
  waren,  sollten  wieder  viel  mehr  bei  unserer
Nahrung  zur  jeltung  kommen.  Unser  Land
müßte  hiezu  mehr  und  mehr  angebaut  und  ausgenutzt
  werden,  um  die  Einfuhr  ausländischer
Nahrungs=  und  Genuhmittel  möglichst  einzuschränlen,
  aber  auch  dem  übermäßigen  Flelschund
  Alkoholgenusse  entgegenzuwirken.  Unsere
Kinder  mülsen  in  Gartenarbeit,  aber  auch  in  der
Ernährungslehre  in  den  Schulen  unterrichtet
werden,  namentlich  unsere  Mädchen  und  künfligen
  Hausfrauen.  Der  Redner  streifte  daran
anschließend  noch  die  Säuglingsernährung.  Hier
wie  auch  bei  unseren  Kranken  sei  in  unserer
schweren  Zeit  besondere  Sorgfalt  am  Platze.

Zede  Mutter  habe  deshalb  nicht  nur  eine  nakurliche,
  sondern  eine  ebenso  ernste  und  patriotische
  Pflicht  zu  erfüllen,  nämlich  ihr  Kind
selbst  zu  stellen,  damit  wieder  ein  gesunder  und
kraftvoller  Nachwuchs  herangezogen  werde,  um
die  Lücken,  welche  dieser  blutige  und  unheilvolle
  Krieg  in  unsere  Nation  gerissen  hat,  wieder
  auszufũüllen.  Die  natutgemäße  Erncchtung
des  Kindes  durch  die  eigene  Mutter  kann  durch
Peineclei  künstliche  in  nur  einlgermaßen  befriedigender
  Weise  ersetzt  werden,  während  lehterr
allerlei  Gefahren  für  das  aumonche.  Leben  mit

 

sich  bringt,  die  sich  nicht  immer  sofort  bemerkbar
  machen.  Das  Stillen  sollte  auch  nur  in
den  Notsfällen  umgangen  werden,  wo  solches
absolut  ausgeschlossen  ist.  Kleinen  Kindern  sollte
man  Jucker,  an  dem  wir  ja  lleberfluß  haben
und  der  ein  wertvolles  Nahrungsmittel  ist,  nicht
in  Form  von  Schleckereien  und  nicht  in  gröberen
  Mengen  geben,  sondern  möglichst  untermischt
  mit  anderen  Nahrungemitteln,  z.  B.  mit
Obst  verkocht  u.  dgl.  Ein  warmer  Aufruf,  auch
daheim  treu  und  einträchlig  in  den  Tagen  der
Not  unseres  Volkes  zusammenzustehen  und  die
Absicht  unserer  Feinde,  uns  durch  Hunger  zu
bezwingen,  ebenso  zu  vereiteln,  wie  draußen
im  Felde,  deren  Angriffe  an  dem  Mute  und
der  Tatkraft  unserer  Lieben  zerschellen,  schloß
den  ausgezeichneten  Vortra

Osterverkehr.  Anläßlich  der  Osterfeierlage
  werden  zu  zahlreichen  fahrplanmäßigen
Zügen  noch  Vorzüge  gefahren.  Außerdem  verlehrt
  am  Ostersonntag  und  Ostermontag  der
Personenzug  Nr.  844  Rosenbeim  ab  8  Uhr  12
Min.  abends,  Grafing-Bhf.  an  38  Uhr  41  Min.
abends,  München-Ost  an  9  Uhr  8  Min.  abends.
München-Hbbhf.  an  9  Uhr  25  Min.  abends;
ferner  am  Ostermontag  suersonenuon  Nr.  856
Traunstein  ab  7  Uhr  10  Min.  abends,  Uebersee
  ab  7  Uhr  31  Min.,  Prien  ab  7  Uhr  46
Min.,  Endorf  ab  8  Uhr  4  Min.,  Nosenheim
an  8  Uhr  2.  Min.,  ab  8  UUr  32  Min.  abends,
Grafing.  Bhf.  an  9  Uhr  4  Min.,  München-OstJ
an  9  gor  31  Min.,  München-Süd  an  9  Uhr
37  ,Mnchen-  Höhf.  an  9  Uhr  48  Min.
Fah

Ein  Ostereierverbot.  Der  kommandierende
  General  des  1l.  bayer.  Armeekorps
Freiherr  von  der  Tann  hat  folgende  Bekanntmachung
  erlassen:  „Auf  Grund  des  Art.  4
Jiff.  2  des  Kriegszustandszesetzes  bestimme  ich:
1.  Der  Verkauf  von  gefärbten  Eiern,  sowie  das
sogenannie  Eierspecken  wird  verboten.  2.  Zuwiderhandlungen
  werden  mit  Gesängnis  bis  zu
einem  Jahre  bestraft.“

Die  Invalidenkarte  der  Heeresdienstpflichtigen.
  Ueber  lurz  oder  lang
werden  auch  Teile  des  ausgemusterten  ungedienten
  Landsturms  einberusen  werden.  Aus
diesem  Anlaß  seien  auch  die  Angehörigen  dieser
  Landsturmleute  darauf  aufmerksam  gemacht,
daß  sie  auf  den  rechtzeitigen  Umlausch  der  Invalidenkarten
  der  Eingezogenen  achten.  Innerhalb
  zweier  Jahre  nach  dem  Ausstellungstage
gehen  alle  Ansprüche  aus  früheren  Karten  verloren,
  wenn  die  letzte  Karte  nicht  in  der  gesetzten
  Frist  zum  Umtausch  vorgelegt  wurde.
Im  allgemeinen  wird  ja,  selbst  dei  längerer
Arbeitslosigkeit  eine  Invalidenkarte  mindestens
vor  Ablauf  der  gesetzten  Frist  vollgekiebt  und
zum  Umtausch  eingeliefert  sein.  Immerhin
aber  besteht  die  Möglichkeit,  daß  Verseen  vorkommen,
  die  sich  später  bitter  bemerkbar  machen
  können.  Es  sei  nur  daran  erinnert,  daß  die
Angehörigen  der  im  Kriege  Gefallenen  An
sprüche  aus  Witwen=  und  Waisenrente  erheben
lönnen.  Vorbedingung  ist  aber,  daß  die  An.
wartschaft  aus  der  Invalldenversicherung  infolge
verspäteten  Karlenumtausches  nicht  erloschen  ist.
Ist  die  Karte  eines  Kriegsteilnehmers  umge
tauscht,  denn  brauchen  keine  Marien  für  ihn
geklebt  zu  werden.  Die  geleisteten  Militärdienst
wochen  zählen  ohne  weiteres  als  Beitragswochen
  zmeiter  Lohnklasse.  Nach  dieser  Richtung
ist  also  alle  Aufmerksamleit  geboten.

Vom  Wendelstein.  Das  neue  Wendelstein-Verghotel,
  über  das  wir  wiederholt  schon
berichtelen,  lät  sich  sehr  gut  an.  Zahlreiche
(äste  halten  sich  vier  bis  sechs  Wochen  oben  auf,
weil  die  Höhenluft  nur  gesundreitsförderlich  sein
kann.  In  Vayern  wird  es  wohl  ein  zweites
Berghotel  auf  dieser  Höhe  nicht  mebhr  geben.  In
dieser  ernsten  zeit  gitt  es  auch,  sein  Geld  im
Inland  zu  lassen.  Der  Wendelstein  mit  sei.
nem  Berghotel  ist  ein  guter  Eriatz  für  die
Schweiz.  Die  Pensionepreise  sind  den  Talverhältnissen
  angepaßt,  was  geboten  wird.  ist  erst.
ilassig.  Die  Einrichtung  des  Hotel-  wurde  schon
mehrfach  erörtert.  Das  Haus  ist  ent#tnend  durch
seinen  modernen  einschmeicheinden  Komfort.  Das
Berghotel  war  in  letzter  Zeil  gut  besetzt.  II.  a.
gedachte  man  auch  der  hundertjährigen  Wlederkehr
  des  Geburtstages  Bismarcks.  Von  einem
Münchner  Professor  der  Bildhauerei  und  anderen
  Gästen  wurde  beim  Wendelsteinhaus  eine
große  Bismarckbüste  aus  Schnee  gemacht.  Man
ist  ganz  verblüfft,  wenn  man  beim  Verlassen
des  Wendelsteintunnels  ein  Bismarckdenkmal  in
künstlerischer  Ausführung  vor  sich  sieht.  Die
Büste  ist  zwei  Meter  hoch.  Abends  fehlt  es  nich!
an  Unterhaltung  durch  mustkalische  Vorträge
usw.  Der  Wendelsstein  war  noch  immer  unser
Lieblingsberg  und  wird  es  jetzt  erst  recht  dlekben.
Wer  einfacheren  Komfort  wünscht  ist  im  alten
Wendelsteinhaus  ebenfalls  sehr  gut  aufgehoben.
Dort  sind  auch  etwa  60  Matratzenlager,  für
Damen  und  Herren  getrennt.  Herr  Geheimrat
v.  Steinbeis  hat  auch  mit  dlesen  neuen  Schöpsungei
  Grohes  geschassen.  Herr  Hotelier  Fuchs
wirtschaftet  mit  Vm#sschr  und  läßt  sich  von  groem
  Unternehmungsgelst  bestens  leiten.  Jedensallo
  werden  auch  die  kommenden  Ostertage
dem  Wendelstein  zohlreichen  Besuch  zuführen.

Klassenlotterie.  Die  F  Ausgabe  der  Lose
zur  4.  Klasse  der  5.  Preuß.=  Süddeutschen  Klassenlotterie
  hat  bereits  begonnen.  Der  Schlußlermin
  für  die  Erneuerung  der  Lose  ist  am  9.
April  bei  Vermeidung  des  Verlustes  des  An.
rechtes  auf  die  Lole  zur  4,  Klalle.

 

Mittwoch,  31.  März  1915

Geisteskrank.  Ein  Taglöhner  von  Haunlenzell
  wurde  heute  wegen  Geisteskrankheit  ins
Krankenhaus  verbracht.

Maul-  und  Klauenseuche.  In  der  Gemeinde
  Feldkirchen  ist  die  Maul=  umd  Klauenseuche
  erloschen.  In  Mühlberg,  Gemeinde  Amerang,
  ist  die  Seuche  ausgebrochen.

Aus  Judufleie  und  Gewerde.

Zur  weiteren  Einschränkung  des
Braulontingents,  die  vor  einigen  Tagen
im  Reichstag  zur  Beratung  stand,  wird  uns
vom  Verein  der  Brauereien  des  bayer,  Oberlandes
  geschrieben:  Wenige  Industrien  sind
durch  die  Mahnahmen,  die  durch  den  Krieg
hervorgerufen  wurden,  so  schwer  bekroffen  worden
  wie  die  Branindustrie.  Durch  die  Einfüh
rung  des  Höchstpreises  murde  den  Brauereien  erschwert,
  ja  teilweise  unmöglich  gemacht.  ihren
Bedarf  an  Nohmaierialien  zu  decken,  und  so
weit  es  ihnen  gelang.  nur  zu  erhöhten  Preisen.
Im  Oberland  wird  Gerste  nicht  oder  doch  nur
in  geringen  Quantitäten  gebaut,  weshalb  die
Brauereien  ihren  gesamten  Gersten=  und  Malz.
bedarf  fast  ausschließlich  vom  Handel  und  Malzfabriken
  decken  mußten.  Dann  kam  die  Kontingentierung
  und  endlich  die  Gerstenbeschlagnahme
  und  jetzt  spricht  man  von  Malzbeschlagnahme.
  Jast  jede  Woche  neue  MahUnahmen,
von  denen  gerade  die  Klein  und  Mittelbrauer
am  schwersten  betroffen  werden.  Die  Kontin.
gentierung  bedeutet  für  diese  einen  großen  Verlust.
  Würde  die  Fabrikation  des  Bieres  aufhören,
  und  dies  würde  bei  einer  weiteren
Kontingentierung  oder  Beschlagnahme  des  Malzes
  eintreien  so  fallen  auch  die  werkvollen
Nebenprodukte,  dic  jetzt  dringend  gebraucht  werden,
  hinweg.  Gibt  doch  jeder  Zeniner  Malz
einen  zentner  Treber,  welcher,  nachdem  der
Haber  in  Beschlag  genommen  wurde,  heute  ein
unentbehrliches  Ersatzmiltel  für  Pferdefutter
darstellt.  Die  S.illegung  der  Brauereien  würde
Folgen  hervorrufen,  die  sich  heute  noch  gar
nicht  übersehen  lassen.  Gerade  die  Landwirt
schaft  hat  das  allergrößte  Interesse  an  der
Erhaltung  der  kleineren  und  mitlleren  Brauereien
  und  mit  ihr  die  Gewerbetreibenden  am
Lande.  Mit  Schrecken  würden  Landwirte  und
(bewerbetreibende  zu  späl  einsehen  müssen,  welche
Einnahmequellen  sie  durch  die  stillgelegten
Brauereien  und  Eristenzloligkeit  der  Wirte  verloren
  haben.  Was  wird  aber  dann  später  sein.
wenn  die  ZJahl  der  Landbrauereien  sich  stark
vermindern  wird?  Die  eingegangenen  Braue
reien  verwandeln  sich  in  Bierdepots  der  Münhener
  Großbrauereien.  Dort  wo  früher  genälzt
  und  gebraut,  wo  auf  dem  Lande  prima
Futtermittel  wie  Treber  und  Malzkeim  produsiert
  wurden,  wo  (Geurerbetreibende  im  Orte
ständig  Ar#l#ei#  ud  du.e  Verolem  hatten  und
vo  vor  alle  1(.A.,  :GmeindH  eine  einträg.
iche  Steuerquelle  besaß,  erinnern  nur  noch  Bier
ässer  irgendeiner  großen  städtischen  Bierfabril
an  frũhere  gute  Zeiten.  Die  Großbrauereien
verden  nicht  die  Produtte  der  VLandwirtschaft
vie  Gerste,  Haber,  Heu,  Torf,  Holz,  Bieh  und
Fleisch  in  Gegenrechnung  nehmen,  sondern  für
ehr  Prodult  von  ihren  Abnehmern  Zahlung
in  Bargeld  verlangen.  Darum  leben  und  leben

assen!
IIIEIIII

Volkotheater.  Am  Ostersonntag  nach
nittago  und  abends  gelangt  im  Hotel  „Deut#-cher
  Kaiser“  „Die  belden  Reichenmüller“,  Posse
ziu  4  Atten  von  Anton  Anno,  zur  Aufführung.
ODas  Stück  zählt  zu  den  besten  Possen,  stand
Viele  Jahre  auf  dem  Repertoire  des  Münchener
Härtnerplatztheaters  und  fand  unter  Dreher,
Neuert,  Brunner  usw.  dort  riesige  Erfolge.  Wir
ind  überzeugt.  daß  unser  Vollstheater  damit
für  die  Ost-#  lterfeiertage  eine  gute  Wahl  getrofjen
  hat.  Die  Nansstagsborselsung  beginnt
Runlt  3  Ull.r,  sodaß  den  auswärligen  Theaterfreunden
  auf  allen  Bahnlinien  günstige  Rück
fahrtgelegendeit  geboten  ist.

 

 

 

Für  die  Angehörigen  der  Kriegsteilnehmer  sind
bei  der  Stadtkämmerei  weiler  ngrgangen
43  412.42

Uebertr
1.  Rate  für  ——
am  20.  März  1915  500.—
P#echensammi#ung  32.
eiebuchen  Anzeiger  15.5)
Sammilung  am  K.  Amtzgerichte  6.31
58.  Kirchensammlun  41.—

Quartiergelder  von  Wotrenschinmel  18.—
Für  leere  Säde  (Mailkeller  1
Sammlung  mehrerer  Zugführer  und

Schaffner  *
Sa.  14056--1

Von  zahlreichen  Geldzugetellnemern.  sind  der
Schuhmacherel  Engelbert  Rid  &  Sohn,  Hoslieseranten
  in  München,  Dansschreiben  zugegangen,
  welche  in  sehr  anerkennenden  Worten
die  außerordentlich  gute  Paßform  und  die
Dauerhastigkeit  der  von  dieser  Firma  bezogenen
Militärstiefel,  Reltstiefel,  Ledergamaschen  usw.
bestätigen.  onders  hervorgehoben  wird  von
einzelnen  Briesschreibern,  daß  die  S  -#ud
Gamaschen  trotz  der  Strapazen  des  ain  verfeldzuges
  und  trotz  monntelangen  Tra.  #,  sich  noch
im  besten  Zustande  bessupen.  De  rbemung
schreiben  haben  unserer  Expedition  zur  Einsich!
Lorgelsgen.