Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aummer  6

Bsverische  Nachrichlen.

Straubing,  7.  Jan.  Die  beiden  städt.  Kollegien
  hielten  eine  Kommulativsitzung  ab,  in
welcher  u.  a.  auch  ü#er  die  Teuerungszulage
des  Lehrpersonals,  der  städt.  Beamiten  und
Bediensteten  beraten  wurde.  Es  wurde  vorher
eine  Kommission  eingesetzt,  welche  die  Angelegenheit
  durchberaten  sollte,  um  ihre  Vorschlage  beiden
  Kollegien  unterbreiten  zu  können.  Die
hommission  setzte  folgende  Teuerungszulagen
für  obige  Personen  auf  Kriegsdauer  fest:  Für
Ledige  monatlich  auf  3  Mk.;  für  Verheiratete
oder  Verwitu#ete  ohne  Kinder  auf  5  Mk.;  für
Verheiratete  oder  Verwitwete  bis  zu  2  Kindern
auf  8  Mt.;  mit  3  oder  4  Kindern  auf  10  Ml.;
mit  5  und  mehr  Kindern  auf  monatlich  12  Ml.
Für  Kinder  ist  die  Altersgrenze  bis  zu  16  Jahren
  festgesetzt.  Die  Teuerungszulagen  werden
nur  solchen  Personen  gewährt,  deren  Gehalt
einschließlich  Kriegszulage  2500  Mk.  pro  Jahr
nicht  übersteigt.  Bekleidungs=  und  Wohnungsgeld
  dürfen  nicht  in  Anrechnung  gebracht  werden.
  Hilfspersonal  erhält  keine  Zulage,  ledige
Beamie  oder  Bedienstete,  welche  zum  Heeresdienst
  einberufen  wurden,  kleine  Kriegezulage.
In  ganz  besonderen  Fällen  kann  die  Kriegszulage
  auch  Kindern  über  16  Jahren  gewährt
werden.  Die  Anträge  der  Kommission  wurden
von  beiden  Kollegien  einstimmig  angenommen.

Hassau,  8.  Jamar.  Zwischen  Neustift  und
Pfenningbach  entgleiste  gestern  abend  der  aus
dem  Rottal  kommende  Lokalzug  und  stürzte
die  hohe  Böschung  hinah.  Der  Damm  war
durch  den  anhaltenden  Regen  unterspült.  Der

Lokomotioführer  Winauer  ist  tot.  Sechs  Reisende
  wurden  schwer,  zehn  leichter  verletzt.

weinheim,  7.  Jan.  In  einigen  Höhenlagen
  haben  insolge  der  ungemöb  nlich  müden
Witterung  der  letzten  Zeit  die  Mandelbäume
teilweise  schon  ihr  volles  meisses  Blütenlleid
angelegt,  eine  für  Januar  äußerst  seltene  Erscheinung.
  Da  der  Voden  durchwärmt  ist,  ist
anzunehmen,  daß  die  Frühblüher  ihre  Frucht
ansetzen,  falls  nicht  noch  gar  zu  strenger  Frost
lommt.  In  früheren  Jahren  hat  man  im  Februar
  blühende  Mandelbäume  beobachtet,  die
der  rauhen  Witterung  gut  widerstanden  haben.

Mu#ches  üor.

Kußdorf,  8.  Jan.  Ein  bedauerliches  Ungüc
  ereignete  sich  am  Mittwoch  nachmittags

Uhr  auf  dem  Lagerplatz  am  Bahnhof  Bran-—
  Beim  Abladen  von  Nußbaumdielen
wurde  der  32  Jahre  alte  ledige  Dienstknecht
Josef  Knoll,  Hausbesitzerssohn  aus  Nußdorf,
der  beim  Kaufmam  und  Fuhrwerksbesitzer  Josef
  Stuffer  bedienstet  war,  erschlagen.  Knoll
wird  allgemein  bedauert;  er  war  ein  fleißiger,
arbeitsamer  Mann.

Bad  Aibling.  7  7.  Januar.  Prälat  Kaiser,
Stadtpfarrer  in  München-Forstenried,  wird  im
Laufe  des  heurigen  Jahres  sein  30  jähriges
Priesterjubiläum  begehen.  Durch  seine  19  jährige
  segensreiche  Tätigkeit  als  Vorstand  der
Pfarrgemeinde  Aibling  und  als  Leiter  von  Vereinigungen,
  die  teils  charitative,  teils  öfsentliche
  Bestrebungen  verfolgen,  hat  sich  Prälat
Kaiser  in  unserem  Orte  ein  ehrendes  Andenken
geschaffen.  Ihren  Dank  für  die  vielen  Verdienste
  um  das  Wohl  des  Marktes  Aibling
haben  die  beiden  Gemeindelkollegien  dadurch  bekundet,
  daß  sie  den  Priesterjubilar  mit  der
Würde  eines  Eprentbiczgere.  auszeichneten.

Licklasreuth  bei  Miesbach,  7.  Jan.  Gestern
  erschoß  sich  mit  einem  Noe  der  32.=jährige
  Mairbdauerssohn  Nikol.  Bucher  von  hier
in  einem  naßen  (bebolg.  nächst  der  Brechstube.
Er  war  hier  in  der  Heimat  in  Urlaub  und
sollte  heute  wieder  zu  seinem  Regiment  einrüllen.
  Es  liegt  Geistesstbrung  vor,  da  fünf  seiner
Verwandten,  darunter  ein  Bruder,  geisteskrank
sind.

Stefanskirchen  a.  Simssee,  7.  Jan.  Am
2.  und  6.  Januar  fanden  dahier  im  schön  geschmückten
  Saale  des  Antretterschen  Gusthauses
theatralische  Aufführungen  statt,  deren  Zweck
neben  angenehmer  Unterhaltung  vor  allem  der
war,  Mittel  zu  Liebesgaben  für  die  im  Felde
stehenden  Kreger  aus  der  hiesigen  Gemeinde  zu
bekommen.  Dieser  schöne,  die  ganze  Gemeinde
ehrende  Gedanke  fand  bereitwillige  und  freudige
  Unterstützung:  Nahezu  100  Mark  hat  die
Kasse  eingenommen  —  man  wollte  allseits  sein
Scherflein  beitragen,  um  die  Braven  im  Felde
zu  erfreuen  und  ihnen  zu  zeigen,  daß  die  liebe
Keimat  an  sie  denkt  mit  Freude  und  Stolz.
Es  mag  ja  keine  geringe  Aufgabe  gewesen  sein,
die  Kleinen  und  Großen  zu  lehren  und  zu  üben,
aber  guter  Wille  und  Geduld  brachten  Leistungen
  zustande,  die  ausnahmslos  zu  loben
und  anzuerkennen  waren.  Besondere  Anerkennung
  und  herzlicher  Dank  sei  gesagt  der  Leiterin
  des  Ganzen,  Frl.  Helene  Hofbauer,  herzlicher
  Dank  allen  Mitwirkenden,  dem  hiesigen
Burschenwerein  für  die  bereitwillige  Ueberlassung
  der  Bühne,  den  Antretterschen  Erben  für
die  unentgeltliche  Bereitstellung  des  Saales,
dem  kundigen  und  unermüdlichen  Regisseur,  Hrn.
Liebl  von  Stefanskirchen.  Und  nun  wünschen
ao  von  daß  die  vielen  lieben  Päckchen

  die  baldige  Neise  nach  Westen,  Osten  und
Sn#en  antreten,  unsere  Söhne  und  Bulder  und

 

 

—

Rolenheimen  Angelgen

Freunde  gesund  und  wohlbehalten  antresfen  und
daß  die  so  Erfreuten  und  Beglüdten  einmal  wieder
  wohl  und  heil  zurücktehren  in  unsere  Gemeinde.


Drien,  8.  Jan.  Aus  zuverlässiger  Qulle  geht
uns  die  Nachrich!,  zu,  daß  die  vor  einiger  Zeit
in  Prien  erfolgte  Verhastung  des  Postschaffners
Frz.  Mühlberger  angeblich  wegen  Vergehens
im  Amte  sowie  Meineids  seit  kurzer  Zeit  aufgehoben
  ist.  Mangels  Beweise  ist  das  Verfahren
  gegen  ihn  eingestellt  worden.

rien,  7.  Jan.  Große  Opfertätigleit  entfaltete
  die  hicsige  Gemeinde  im  verflossenen

Jahr  für  die  Krieger  im  Felde  wie  kr  deren
oft  bedurftige  Angehörige  zu  Hause.  Die  Suppenanstall
  speist  under  Beihilfe  der  Gemeinde
und  des  Roten  Kreuzes  schon  14  Monate  täglich
  üler  110  Priegertinder.  Die  einzeinen
Schulklassen  ülerboten  lich  mit  der  Absendung
von  Feldpostpaleten;  eine  reiche  Weihnachtsbescheru:
  ig  ward  den  ganz  Kleinen  durch  Pfarrer
Frischhut  zuteil;  an  einheimische  Krieger  #mn  Felde
uurden  260  Weihnachtlspakete,  an  Kriegsgesangene
  10  größere  Paleie  algesandt,  abgesehen
  von  den  reichen  Zuwendungen  zur  allgemeinen
  Sammlung  für  die  bayerischen  Krieger,
  70  Familien  wurden  anßerdem  zu  Weihnachten
  mit  Ledensmitteln  bedacht;  für  die  Hinterbliebenen
  der  Gesallenen  aus  der  Pfarrei
murde  ein  künstlerisch  wertvolles  Gedentblatt
gestiftet  usw.

Berchtesgaden,  7.  Jan.  Am  Sileesterabend
  stürzte  in  einem  hiesigen  Hotel  der  74iähr
rige  Professor  August  Penas  aus  Stuttgart
lei  der  Lektüre  seiner  Zeilung  mit  dem  Nufe:
„Deutschland  muß  siegen!“  vom  HLerzschlag  getrossen
  tiot  zu  Boden.  In  Schöffau  erhängte
sich,  gleichjalle  am  Silvesierabend,  im  Walde
ein  18jähriger  Bauerssohn  von  Freilinglehen,
weil  er  einrücken  sollte.

Auszeichnungen  zumn  Geômiskag
des  Rönigs.

Das  neu  gesiiftete  König-Ludwig-Kreuz  ist

serner  u.  a.  verliehen  worden:

dem  Major  z.  D.  Maximilian  Frhr.  v.  Hohenhausen,


dem  Major  z.  D.  Karl  Post,  Bezirksoffizier
beim  Bezirkskommando  Rosenheim,

dem  Major  a.  D.  Julius  Hagen  (früher  Bezirlsoffizier
  in  Nosenheim),

dem  Hauptmann  Alois  Erbacher  (srüher  Zollassisient
  in  Rosenheim,  dann  Grenzkontrolleur
  in  Neubeuern),

dem  Vorsitzenden  des  Verbandes  süddeutscher
lath.  Arbteitervereine  Monsignore  Karl  Walterrach
  in  München,

dem  Vorsitzenden  des  Verbandes  süddeutscher
lath.  Dienstmädchenvereine  K.  Geistl.  Rat
Rudolf  Bruckmayer  in  München.

 

 

Oessfammesstelle  für  Liebesgaben

Nathauszimmer  16.
Zum

Die  Weihnachtstage  sind  vergangen.
zweiten  Male  stand  das  Fest  des  Friedens  unter
  dem  Eindruck  der  Leiden  und  Entbehrungen,
die  unsere  Brüder  im  Felde  für  uns  erdulden.
Die  Daheimgebliebenen  haben  treues  und  danlbares
  Gedenlen  bewiesen.  Jeder  Einzelne,  der
es  vermochte,  hat  dazu  beigetragen,  denen  da
draußen  eine  Freude  zu  bereiten,  ein  greifbares

Zeichen  seines  Dankes  zu  senden.  Aber  es  ist
noch  nicht  genug  geschehen!  So  wie  der  Opfermut
  unserer  Feldgrauen  keine  Grenze  tennt,  so
soll  auch  die  Bereitwilligleit  der  anderen,  für
deren  Ruhe  und  Sicherheit  Millionen  draußen
ihr  Leben  einsetzen,  nicht  erlahmen,  solange  dieser
  Krieg  mütet:  die  Bereitwilligkeit,  zu  geben
und  den  Kämpfern  ihre  Last,  wenigstens  zum
lleinsten  Teil,  mittragen  zu  helfen.  Zahllos
sind  die  Danksagungen,  die  wir  für  die  Liebesgalen
  erhalten,  und  rührend  und  ergreifend
wirkt  auf  den  Leser  die  Freude,  die  aus  ihnen
spricht.

Aber  es  kommen  auch  Briefe,  die  Wünsche
aussprechen.  Der  eine  beklagt  den  Verlust  sei-#ner
  Uhr,  der  andere  den  seines  Fernglases;
viele  vermissen,  in  der  Dunkelheit  ihrer  Stellungen,
  eine  elektrische  Taschenlampe  oder  Kerzen,
  wieder  andere  beneiden  die  Kameraden
um  den  Besitz  einer  Zieh=  oder  Mundharmonika
oder  entlehren  Tabakpfeife  und  Taschenmesser.

Bescheidene  Wünsche!  Aber  gerade  ihre  Bescheidenheit
  erhöht  ihr  Recht  auf  Erfüllung  und
verdoppelt  für  uns  die  Pflicht,  nicht  müde  z
werden,  sondern  zu  geben  und  abermals  zu
geben.

Die  Fernsprech-Abteilung  eines  bayerischen
Regiments  meldet  uns,  daß  ein  Granaten-Volltreffer
  die  Zither  und  Guitarre  zerstört  und  dadurch
  das  ganze  Weihnachten  dieser  Abteilung
verdorben  hat.  Die  Soldaten  ersuchen  unsere
Ortssammelstelle  um  Ersatz  der  Instrumente  und
wollen  sogar  einen  Teil  ihrer  Löhnung  dafür
verwenden.  Deshalb  bitten  wir  um  Geld  zur
Anschaffung  neuer  Instrumente,  damit  wir  recht
bald  in  der  Lage  sind,  eine  Zither  und  Guitarre
ins  Feld  zu  schiden.

Schütze  Prabschen  solen  wieder  genäht
Werden.  t  lich  an  dieler  Arbeit  betelllgen

 

will,  kann  das  Material  dazu  jeden  Montag
von  9—.12  Uhr  und  3—5  Uhr  in  der  Ortssammelstelle
  alholen.
Allen  denen,  die  noch  entbehren  können,  ohne
Not  zu  leiden,  gilt  unsere  Aufforderung:
Durchhalten  —  auch  im  Geben!

Tourscheichten
„Weiße  Wochen“  verboten.

Wir  haben  bereits  von  dem  Verbot  der
„Weißen  Wochen“,  das  die  drei  siellvertretenden
  lommandierenden  Generale  von  München,
Rürnberg  und  Mürzburg  für  den  Monat  Januar
  erlassen  haben,  Mitteilung  gemacht.  Das
Verbot  ist  unstreilig  deohalb  erlassen  worden,
um  einen  übermäßigen  Abfluß  der  Web=  und
Wirlstosse  und  aus  solchen  Stoffen  hergestellten
Waren  zu  vermeiden.  Die  einschlägige  Geschäfstomelt
  Bayerns  wird  von  diesem  Erlasse
schwer  #ctroffen,  denn  die  beim  Publilum  sich
großer  Belie##tbeit  erfreuenden  Ausverläuse  wareu
  bereils  vorberellet  und  zum  Teil  auch  in
Inseraten  angelündigt.  Die  Geschäftsinhaber
werden  sich  also  damit  helfen  müssen,  daß  sie
ihre  Inventur-Ansverläufe  nur  auf  die  zum
Ausverlaus  erlaubten  Artilel  ausdehnen.  Auch
in  Berlin  ist  bereits  ein  gleiches  Verbot  ergangen,
  dort  haben,  da  die  Geschäfte  bereits
milten  in  den  Ausverläufen  waren,  die  Geschäfteinhaber
  die  Ausverkauf-Plalate  mit  rotem
  Aufdruck  versehen,  der  lautet:  „Inventurverlauf
  nur  bei  den  erlaubten  Artikeln.“  Wer
diese  ganze  Angelegenheit  objekliv  und  sachlich
betrachtet  und  beurteilt,  der  muß  sich  sagen,
daß  c6  Pllicht  der  Heeresverwaltung  ist,  dem
übermäßigen  Abfluß  von  Web-  und  Wirkstoffen
  und  den  aus  diesen  Stoffen  gesertigten
Waren  zu  steuern.  Es  ii#t  doch  nicht  zu  leugnen,
daß  die  billigen  Ausverläufe  eben  durch  ihre
Billigieit  und  reduzierten  Preise  die  Kauslust
stärker  reizen.  Da  soll  eben  das  Verbot  einen
Einkauf  über  den  Bedarf  hinaus  hintanhalten.

 

Rosenheim,  8.  Jan.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Josef  Grasberger,  ältester  Sohn  des  Gutsbesigers
  Grasberger  in  den  bei  Elonn,  Soldat
  im  16.  Res.-Juf.-Reg.  Machl,  Güt.
ler  aus  Au,  Gde.  Sohuch.  *W*  Wasserburg,
Ersatz-Res.  eines  Juf.-Reg.;  Andreas  Weiland,
Zimmermeisters-  und  Anwesenbesitzeresohn  aus
Wall,  Pionier  in  einem  Res.-Pionier-Bat.;  Joh.
Peiermichl  aus  Hausham,  Soldat  im  k.  u.
Inf.-Reg.  Nr.
nnges  im  Felde.  Der  Schriftsetzer
  Paul  Weidacher  aus  Nosenheim,  Sohn
des  Kupferschmiedmeisters  Weidacher,  Kanonier
im  1.  Fuß-Art.-Reg.,  erhielt  das  Militärverdienstlreuz
  3.  Kl.  mit  der  Krone  und  mit
Schwertern.  Weidacher  war  zuletzt  Schriftsetzer
in  der  Buchdruckerei  M.  Niedermayr  in  Rosenheim.
  Der  Spengler  Johann  Höttinger,  zuletzt
  in  Augsburg,  Sohn  des  verstorbenen  Malerineisters
  Höttinger  in  Nosenheim,  Gefreiter
bei  einer  schmeren  Minenwerser-Abteilung,
wurde  mit  dem  Militärverdienstkreuz  3.  Kl.
mit  Schwerlern  ausgezeichnel;  das  Eiserne  Kreuz
hat  er  sich  früher  schon  erworben.

Der  Gnadenerweis  des  Könige.  Die
Amnestie  beir.  Niederschlagung  von  Strafverfahren
  gegen  Kriegsteilnehmer  besagt:  Wir
wollen  zugunsten  der  Teilnehmer  an  dem  gegenwärtigen
  Kriege  die  gnadenweise  Niederschlagung
  von  Strafverfahren  verfügen,  soweit
sie  vor  dem  heutigen  Tage  und  vor  der  Einberusung
  zu  den  Fahnen  begangene  1.  Uebertreiungen
  oder  2.  Vergehen  mit  Ausnahme
derieuigen  des  Verrats  militärischer  Geheimnisse
  oder  3.  Verbrechen  im  Sinne  der  88  243,
244.  264  RSt.,  bei  denen  der  Täter  zur
Zeit  der  Tat  das  21.  Lebensjahr  noch  nicht
vollendet  hatte,  zum  Gegenstand  haben.  Soweit
  in  anderen  Fällen  die  Niederschlagung  des
Strafverfahrens  angezeigt  ist,  erwarten  wir
Einzelvorschläge.  Ausgeschlossen  von  der  Niederschlagung
  sind  Personen,  die  wegen  begangener
Straftaten  durch  militärgerichtliches  Urteil
rechtslräftig  zur  Entfernung  aus  dem  Heer  oder
der  Marine  oder  zur  Dienstentlassung  verurteilt
sind  oder  sonst  mit  Rücksicht  auf  eine  Straftat
die  Eigenschaft  als  Kriegsteilnehmer  verloren

Anmeldung  österreichisch-ungarischer
  Landsturmoflichtiger.  Das  österreichisch-ungarische
  General=  Mogsastt  in  Mün.
chen  veröfsentlicht  eine  Bekanntmachung  betr.
die  in  den  Jahren  1865  bis  1874  geborenen,
in  Oberbayern,  Niederbayern,  Schwaben  und
Neuburg  sich  aufhaltenden  Landsturmpflichtigen
öslerreichisch-ungarischer  Staatsangehörigkeit  beziehungswesse
  bos.-herzeg.  Dienstpflichtigen  der

serve.  Die  Kundmachung  bezieht  sich  auf
die  Konfskription  (Anmeldemg)  der  obigen  Landsturm-Jahrgänge
  und  enthält  nähere  Angaben
über  die  witzubringenden  okumente  zum  Ausweis
  über  andsturm(Wehrpfficht.  Ver.
hältnis.  Die  Mmmelbung,  die  außer  in  Münden
  am  10.,  11.,  12.  und  13.  Januar,  am

und  9.  Janu  ar  in  Augsburg  und  am  9.
Ianun,  1916  Uberdies  auch  in  Rosenheim,
Weilheim,  Deggendorf  und  Kempten  erfolgen
kann,  ist  nicht  #idemisch  mit  der  Wutterung.

 

Sonntag,  9.  Jaunuar  1916

Die  Muflerungspflichtigen  sind  verpflichtet,  ausnahmslos
  persönlich  zu  erscheinen,  selbst  w#  i
sie  sich  bereits  schriftlich  angemeldet  hau  #.
Nähere  Ausschlüsse  über  die  Musterung  enthält

gleichfalls  die  erwähnte  Kundmachung.  Das
Rcchbecsahein  zur  Konstription  würde  die  gleiche
Straffolge  nach  sich  ziehen,  wie  das  Nichterscheinen
  zur  Musterung.

Telegrammverkehr  mit  dem  Ausland.
  Absender  und  Aufgeber  von  Privattelegrammen
  und  privaten  telegraphischen  Postanweisungen
  nach  dem  Ausland  müssen  sich  von
nun  an  bei  der  Auflieferung  solcher  Telegramme
und  Postanweisungen  am  Schalter  in  jedem
Falle  über  ihre  Persönlichkeit  ausweisen,  soferne
sie  nicht  dem  Schalterbeamten  zuverlässig  als
ortsansässig  bekannt  sind.  Als  ausreichende
Ausweise  gelten:  Pässe,  Reise-  und  Gewerbelegitimationen,
  Ausweise  zur  Abholung  postlagernder
  Sendungen  und  ähnliche  von  einer
Behörde  ausgestellte  Ausweispapiere,  die  eine
Personalbeschreibung  mit  beglaubigter  Unterschrift
  und  Photographie  des  Auftraggebers
enthalten.  Ist  die  ein  Telegramm  oder  eine
telegraphische  Postanweisung  aufgebende  Persönlichleit
  nicht  der  Alsender  selbst,  so  muß
der  Auflieserer  den  Ausweis  des  Absenders  vorzeigen
  und  in  Zweiselsfällen  sich  selbst  ausweisen.
  Von  den  Dienstpersonen  der  Gasthöfe,
Wirtschaften,  Fremdenpensionen  und  ähnlichen
Unternehmungen  werden  Telegramme  oder  telegraphische
  Postanweisungen  nach  dem  Auslande
überhaupt  nicht  angenommen.  Die  telephonische
oder  durch  Morse  oder  Ferndrucker  erfolgende
Aufgabe  von  Prirattelegrammen  nach  dem  Auslande
  ist  ausgeschlossen.

Verbot  von  Ausverkäufen  für
Web=  und  Wirkwaren.  Die  silellvertreten.
den  Generallommandos  1.,  2.  Armeekorps
erlassen  auf  Grund  des  Art.  4  Nr.  2  des  Kriegs-Astands
  gesetzes  nachstehende  Anordnung:  1.
Für  den  Monat  Jannar  werden  jede  Art  von
Sonderausverkäufen,  wie  Inrentur=  oder  Sai
son-Ausverläuse,  sogenannte  Weiße  Wochen
oder  Tage,  Propaganda=  und  Rellame-ê  gen
oder  -Tage,  somie  Verkäufe  unter  Ankündigung
von  heralgesetzten  Preisen  für  Web=  und  Wirk
stosse  und  hieraus  konseltionierte  Gegenstände
sowie  für  alle  Strickwaren  verboten.  2.  Zuwiderhandlungen
  gegen  diese  Anordnungen  werden
  nach  Art.  4  Nr.  2  des  Kriegszustandsgesetzes
  bestraft.

Vortragimkath.  Frauenbund.  Nochmals
  machen  wir  auf  den  Vortrag  aufmerksam,
  der  morgen  Sonntag,  abends  ½8  Uhr
im  lath.  Gesellenhaus  stattfindet.  H.  H.  Chordirektor
  M.  Haider  spricht  über  „Die  deutsch:
Frau  im  Weltkrieg“.  Auch  die  Jugendabteilung
ist  zu  diesem  Vortrag  eingeladen.

Kath.  Arbeiterinnenverein  Rosenheim.
  Die  Weihnachtsseier  des  kath.  Arbeiterinnenvereins,
  welche  am  6.  Januar  im  Flötzingerbräusaale
  veranstaltet  wurde,  erfreute  sich
eienes  außerordentlich  guten  Beluches.  Der
große  Saal  war  dicht  besetzt,  ja  viele  mußten
froh  sein,  noch  ein  Slehplätzchen  zu  bekommen.
Bei  der  Durchführung  des  aus  12  Nummern
bestehenden  Proglamms  herrschte  große  Aufmerksamleit.
  Sehr  stimmungsvolle  Gedichte,  deren
  Inhalt  größtenteils  der  Kriegszeit  entnommen
  war,  wechselten  mit  Liedern  und  Musikstücken
  in  bunter  Reihenfolge.  Als  dann  der
mächtige  Christbaum  im  Lichterglanz  erstrahlte,
berrschte  Weihnachtsstimmung  und  Weihnachtsfreude
  und  weihevoll  klang's  durch  den  Saal:
„Ehre  sei  Gott  in  der  Höhe  und  Friede  den
Menschen  auf  Erden“.  Anknüpfend  an  dieses
Lied,  führte  H.  H.  Präses  M.  Haider,  an  der
Hand  zahlreicher  Tatsachen  aus,  wie  das  deutsche
  Volk  allen  Grund  habe,  Gott  in  der  Höhe
die  Ehre  zu  geben,  und  wies  darauf  dahin,  wo
die  VBöller  wieder  den  Frieden  finden  könnten,
  beim  Friedensfürsien  an  der  Krippe.  Eine
angenehme  Ueberraschung  und  heit'res  Leben
Frachte  sodann  der  Elückshafen  unter  die  Anwesenden;
  es  war  ein  rechter  „Sturmangriff“,
die  vielen  „Treffer“  und  wenigen  „Wurrsteln“
waren  gar  bald  „aufgerieben".  Mit  dem  Dialog:

  „Was  lesen  die  Leute  am  liebsten“,  schloß
die  vorzüglich  verlaufene  Weihnachtsfeier,  die
sichtlich  allgemeine  Zufriedenheit  geerntet  hat.

Aus  den  Gerichlskanzte.

Fahrlässige  Tötung.

Traunstein,  7.  Jan.  Der  weit  über  das
bayerische  Oberland  hinaus  bekannte  „Beinbruchdoktor
  Kienzl"“,  uer  Karl  Adlmaier
von  Westerndorf,  der  aus  besten  Kreisen  Kunden
  hatte,  stand  wegen  fahrlässiger  Tötung  vor
der  landgerichtlichen  Straflammer.  Er  kurierte
ein  11  jähriges  Mädchen  an  einem  offenen  Beinbruch;
  dabei  kam  es  zu  einer  Blutvergiftung,
die  den  Tod  des  Kindes  herbeiführte.  Nach
dem  einstimmigen  Urteil  dreier  Sachverständiger
  ist  die  Ursache  dieses  tödlichen  Ausganges
in  der  total  ungenügenden,  unvernünftigen,  jeder
  entsprechenden  Kenntnis  baren  Behandlung
seitens  des  Angeklagten  zu  suchen.  Wlnaalet
erhielt  6  Monate  Gefängnis.

 

 

Wetterbericht  für  Sonntag,  den  10.  Januar:
Zunächst  noch  unbeständig,  dann  aber  Belleunnnn.
  al###.