Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Oberbefehl  über  dieselbe  dem  Herzoge  Albert  von  Sachsen-Teschen  (dem  Gemahl
seiner  Tante  Chriftine)  übertragen  habe.“

Von  preußischer  Seite  konnte  man  mit  Maßregeln  der  Art  nicht  einverstanden
  sein;  da  das  gewünschte  schutzherrliche  Verhältniß  damit  verloren  ging;
deshalb  wurde  auch,  weil  offener  Tadel  nicht  füglich  ausgesprochen  werden
konnte,  in  Regensburg  die  Erklärung  abgegeben,  daß  sich  Preußen  fernerhin
nur  auf  beschränktere  Weise  am  Kriege  betheiligen  würde.  „Der  König,  hieß
es  in  der  Note,  sehe  sich  gedrungen,  seinen  bisher  durch  Großmuth  und  Patriotismus
  bestimmten  Antheil  an  dem  gegenwärtigen  Kriege  nach  denjenigen  Rücksichten
  zu  vermindern,  die  er  der  Selbsterhaltung  seiner  eignen  Staaten  und
Unterthanen  schuldig  sei.  Er  habe  seine  Waffen  mit  denen  des  Kaisers  und  in
der  Folge  auch  mit  denen  des  gesammten  Reiches  und  noch  anderer  Mächte
vereinigt,  um  den  zerstörenden  Unternehmungen  einer  wüthenden  Nation  Grenzen
zu  setzen,  und  den  bedrohten  Völkern  Frieden  und  Wohlfahrt  zu  erhalten.
Richt  ein  Krieg  mit  einem  gefitteten  Volke  und  ordentlich  disciplinirten  Kriegsheeren
  sei  zu  führen,  sondern  ein  Krieg  mit  rasenden  nie  zu  mindernden  Volksschwärmen,
  mit  einer  zahlreichen  überall  gerüsteten  und  Alles  zur  Kriegsreserve
machenden  Nation  im  Rückhalt,  die  nicht  nur  um  Eroberung  kämpfe,  sondern
auch  den  Umsturz  der  ganzen  bürgerlichen  Verfassung  Deutschlands  durch  Feuer
und  Schwert  und  das  Gift  ihrer  Lehre  verbreite.  Diesem  sast  unbezwingbaren
Feinde  hätte  der  König  ein  Heer  von  70,000  Mann  der  auserlesensten  Truppen
entgegengestellt,  und  den  Krieg  unter  den  hinderlichsten  Erfahrungen  aller  Art
in  weiter  Entlegenheit  von  den  preußischen  Grenzen  mit  fast  unsäglichen  Kosten
geführt,  wobei  er  seine  eigne  Person  und  die  Prinzen  des  Hauses  den  gefahrvollsten
  Ereignissen  für  Deutschlands  Sicherheit  ausgesetzt  habe.  Ein  solcher
Krieg  habe  die  Staatskraft  der  preußischen  Monarchie  in  weit  stärkerem  Maße
angreifen  müssen,  als  bei  anderen  mitkriegführenden,  näher  an  Frankreich  gelegenen
  Mächten  der  Fall  gewesen,  und  Seine  Mcjestät  sei  endlich  in  die  unbedingte
  Unmöglichkeit  gekommen,  an  demselben  ohne  gänzliche  Zerrüttung  Ihrer
eignen  Staaten  und  ohne  Erschöpfung  ihrer  Unterthanen  blos  aus  eignen  Mitteln
  einen  weiteren  gleich  thätigen  Antheil  zu  nehmen.  Um  aber  dem  deutschen
  Reiche  noch  fernerhin,  und  selbst  mit  vermehrter  Macht,
Schutz  und  Schirm  zu  gewähren,  sei  der  König  mit  den  verbündeten
Mächten  in  Unterhandlung  getreten  und  habe  ihnen  eine  Einrichtung  vorgeschlagen,
  nach  welcher  außer  bestimmten  Subsidien  die  Naturalverpflegung  des
größten  Theils  des  preußischen  Heeres  vom  gesammten  Reiche  und  zunächst  provisorischer
  Art  von  den  sechs  vorderen  der  Gefahr  ausgesetzten  Reichskreisen
geleistet  werden  sollte.  Die  erforderliche  Eröffnung  bei  dem  Reichstage  und  den
genannten  Kreisen  wäre  mit  der  unumwundenen  Vorerklärung  geschehen,  daß,
im  Falle  die  angetragene  Maßregel  nicht  zu  Stande  kommen  sollte,  Seine  Majestät
  sich  gedrungen  sehen  würde,  den  größten  Theil  des  Heeres  aus  dem  Reiche
zurückzuziehen  und  das  Reich  seiner  Vertheidigung  und  seinem  Schicksale  zu