thumbs : Das Lehrlingswesen und die Berufserziehung des gewerblichen Nachwuchses.

I.  Vorbericht.

Von  Dr.  jar.  J.  Altenrath,  Berlin.

Vorbemerkung.

Die  Frage  der  Berufserziehung  hat  in  neuester  iu54„  nicht  nur  die
Nächstbeteiligten,  sondern  auch  die  breiteste  Offentlichkeit  wieder  in  besonders
  lebhafter  Weise  beschäftigt.  Die  verschiedensten  Bestrebungen
und  Erörterungen  haben  immer  wieder  auf  dieses  Grundproblem  hineführt,
  von  dessen  Lösung  die  Behebung  einer  Reihe  von  Schwierigeiten
  auf  den  verschiedensten  Gebieten  abhängig  zu  sein  scheint.  Die
Einordnung  des  Handwerks  in  den  Organismus  des  modernen  Wirtschaftslebens,
  die  möglichste  Erhaltung  der  ihm  angehörenden  Mittelstan
  Sschichten  beschäftigt  alljährlich  die  Parlamente,  und  der  Weisheit
tzter  Schluß  ist  stets  die  Forderung  nach  besserer  beruflicher  Ausbildung.
Eine  angemessene  Beteiligung  der  deutschen  Industrie  am  Weltmar
ist  heute  eine  Lebensfrage  für  die  Entwickelung  unseres  Volkes,  und  da  die
Billigkeit  der  Produkte  nicht  mehr  wie  früher  allein  entscheidend  sein  kann,
rückt  auch  hier  die  Heranbildung  eines  geschulten  Nachwuchses  in  den
Mittelpunkt  des  Interesses,  damit  die  Güte  der  Fabrikate  den  Weltmarkt
  erobere.  Handwerk  und  Industrie  lernen  immer  mehr  den  Wert
der  Fortbildungsschule  erkennen,  und  sie  fordern  von  ihr  eine  Ergänzung
und  Förderung  der  Werkstattausbildung.  Damit  erscheint  die  Fortbildungsschule
  als  eines  der  wichtigsten  Elemente  für  die  Berufsausbildung.
  War  sie  bisher  nur  zum  Teil  Berufs=  und  Erziehungsschule  für
die  wichtige  Zeit  nach  der  Entlassung  unserer  Jugendlichen  aus  der  Volksschule,
  so  galt  es  nunmehr,  diese  beiden  Zwecke  in  den  Vordergrund
zu  stellen,  und  das  Programm  lautete  daher:  Menschen=  und  Staatsbürgererziehung
  durch  Berusserichung,  Hiermit  berührt  sich  dann  noch  ein
anderes  Problem,  dessen  Dringlichkeit  nicht  minder  oft  in  unseren  Tagen
gervorsehoben  wird,  die  Aufgabe,  bei  allem  Ringen  um  wirtschaftliche
orteile  die  inneren  Werte  der  Arbeit,  die  ewig  gültigen  Gestaltungsndsätze
  zu  suchen  und  zu  wahren,  damit  die  Arbeit  das  sei,  was  sie
pen  soll,  ein  Ausfluß  menschlichen  Schaffensdranges  zur  Erhöhung
unseres  Daseins.  Gefordert  wird  also  die  Durchzeistigung  der  deutschen
Arbeit  im  Sinne  der  Werkbundbestrebungen.  Auch  hier  rückt  wieder
die  Frage  der  Berufserziehung  stark  in  den  Vordergrund.

Es  zeigt  sich  somit,  daß  viele  der  brennendsten  Probleme  unserer
Tage  mit  dieser  Frage  im  engsten  Zusammenhange  stehen.  Es  sind
daher  auch  allenthalben  rührige  Kräfte  am  Werke,  um  sie  einer  Lösung
entgegenzuführen.  Die  folgende  Darstellung  soll  ein  Bild  vom  Stande
der  Dinge,  von  den  einzelnen  Bestrebungen  und  ihren  Grundlagen  ent-Schriften

  d.  Zentralstelle  f.  Volkewoblkahrt.  N.  B.  Kr.7.  1