Niederdeutsche Kirchenhandbülcher. 357
„dat nicht alleine de gewöhnliche kerchengesünge in den gemeinen
Gesang Bökeren sebr falsch und derer veele thom dehle in metris, thom
deble averst in sententz, meinung und wörden depraveret, daher den
neue geringe Unrichtigkeit im Singen und vorstande erwasset und kumpt
sunder ock in den Evangelien und Epistel Bökeren etlyke Fest- und Söndaglike
Evangelia und epistolae uthgelaten, und dar se glick befindtlick, dennoch
sehr varieren, und in einem dysse, im anderen andere entholden, de
an einem Orde gebrücklike averst nicht gesettet und darher nene geringe
erringe entstheit; hebbe ick nütlick und heilsahm tho syn geachtet, wen
ick de vornehmeste und gebrückligeste Kercken Gesänge reviderede und se
bester mahten als möglick correct heruth geve, deosülvigen ock de an
underschedtliken Orden gewöhnlike Fest- und Sondages Evangelia und Epistolas
dorch dat gantze Jahr complet hentho dehde, damit daran neen
maogel syn und de Kercken Gesänge förmliken mit beterem Vorstande und
Andacht gesungen werden mochten.“
Das Manuale Walthers, das wegen seines reichen Inhalts das
Handböleschen des Alardus bald verdrängte, enthält 95 niederdeutsche,
19 lateinische und 4 lateinisch-deutsche Gesänge, die größenteils bereits
seit der Reformation in den Kirchen des Landes gesungen waren.
Um eine Vorstellung zu geben von der Kraft dieser niederdeutschen
Lieder, will ich zunächst zwei Luthersche mitteilen.
Ein vasto borch ys unse Gocdt, Und wen-de welt vull düvel wer
ein gude wehr und wapen, und woldn uns gar vorschlingen,
he helpt uns fry uth aller nodt, so früchten wy uns nicht so sehr,
de uns itzt hefft bedrapen. ydt schal uns doch gelingen.
De olde böse fyendt, De förste dysser welt,
mit ernst he ydt nu meint, wo suhr be sick ock stelt,
groth macht und veel list deyth he uns doch nicht,
syn gruwsam rüsting ys, dat makt, he ys gericht,
up erdn ys nicht syns gliken. ein wörtlin kan en fellen.
Mit unser macht ys nichts gedahn, Dat wordt se scholen lathen stahn
Wy Synd gahr bald verlaron. und neen danck dartho bebben;
idt stridt vor uns de rechte man, he ys by uns wol up dem plan
den Godt sülvst hefft erkaren. mit synem geist und gaven.
Fragestu, wol he ys? Nemen se uns den lyff,
He hethet Jesus Christ: gudt, ohre, kind und wyff,
de her Zebaoth lath fahren darben,
— und yFs neen ander Godt — se hebbent neen gewin:
dat felt moth he beholden. dat ryck moth uns doch bliveo.