Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

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Ehe  wir  unsere  Betrachtungen  über  diese  für  die  Geschichte  der  Cultur
und  die  Bildung  der  brandenburgischen  Staaten  jedenfalls  sehr  wichtige  Zeit
schließen,  müssen  wir  noch  eine  allgemeine  Unsitte  erwähnen,  von  welcher  sogar
die  höchsten  Stände  wesentlich  berührt  wurden  —  nämlich  das  übermäßige  Trinken.
An  der  kurfürstlichen  Tafel  selbst,  denn  Georg  Wilhelm  zeichnete  sich  als  ein
starker  Trinker  aus,  ebenso  wie  sein  Zeitgenosse,  der  Kurfürst  Johann  Georg
von  Sachsen,  ward  so  über  alles  Maaß  und  Ziel  hinaus  in  diesem  Punkte
geschwelgt,  daß  Oberst  von  Burgsdorf,  der  bekannte  Feind  des  Grafen  von
Schwarzenberg,  in  seltsamen  Unwillen  über  die  mäßigere  Lebensweise,  welche
nach  Georg  Wilhelm's  Tode  an  dem  Hofe  eingetreten  war,  zu  dem  jungen
Herrscher  äußern  konnte:  „Ich  weiß  nicht,  gnädigster  Herr,  wie  Sie  leben.  Bei
Ihrem  Herrn  Vater  ging  es  weit  lustiger  her;  da  hat  man  tapfer  herumgetrunken,
und  da  war  auch  dann  und  wann  ein  Schloß  oder  Dorf  mit  Trinken  zu  ge:
winnen,  und  ich  weiß  die  Zeit,  in  welcher  ich  achtzehn  Maaß  Wein  bei
einer  Mahlzeit  getrunken  habe.“  Dem  Hofe  eiferten  die  Bürger  nach,  welche
von  alter  Zeit  her  nicht  wegen  ihrer  Mäßigkeit  berühmt  waren,  und  so  mögen
denn  auch  diese  Ausschweifungen  wesentlich  dazu  beigetragen  haben,  den  Wohlstand
  in  den  märkischen  Ländern  zu  untergraben.

Der  Kurfürst  verlebte  die  letzte  Zeit  seiner  Regierung  in  Königsberg,  fern
von  dem  Kriegsschauplatze.  Hier  starb  er  am  1.  December  1640,  noch  in  dem
frischesten  Mannesalter,  an  den  Folgen  eines  zu  wenig  beachteten  Beinschadens.

Friedrich  Wilhelm,  der  große  Kurfürst,
1640  —1688.

Eine  fast  ununterbrochene  Reihe  tüchtiger  Fürsten  aus  dem  Hause  der
Hohenzollern  hatte  über  die  Mark  Brandenburg  geherrscht;  manche  von  ihnen
mit  ausgezeichneter  Einsicht  und  Thatkraft.  Die  Macht  ihres  Hauses  war  gewachsen,
  theils  durch  kriegerische  Thaten,  mehr  noch  durch  umsichtige  Benutzung
günstiger  Verhältnisse;  besonders  hatte  sich  in  der  letzten  Zeit  der  Hausbesitz
wesentlich  erweitert.  Allein  diese  bedeutenden  Mittel  lagen  zerstreut,  es  fehlte
der  schöpferische  Genius,  welcher  die  getrennten  und  machtlos  daliegenden  Glieder
mit  seinem  Hauche  beleben  und  einen  Staatskörper  bilden  sollte,  der  mitgezählt
werden  durfte  unter  die  selbstständigen  Staaten  der  europäischen  Welt.

Dieser  große  Genius  ward  zu  einer  Zeit  geboren,  wo  eher  eine  Auflösung
  als  eine  Erhöhung  der  hohenzollernschen  Herrschermacht  zu  erwarten
stand.  Friedrich  Wilhelm,  der  von  der  Vorsehung  bestimmte  Gründer  der  hohenzollernschen
  Macht,  erblickte  das  Licht  der  Welt  am  16.  Februar  1620,  gerade
in  dem  Augenblick,  wo  der  Krieg  um  die  böhmische  Krone,  aus  welchem  sich
der  entsetzliche  Religionsstreit  entwickelte,  dessen  traurige  Folgen  wir  im  Umriß
wenigstens  angegeben  haben,  ausbrach.  Die  übelen  Wirkungen  des  Krieges