Full text: Sächsisches Realienbuch enthaltend Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Physik, Chemie und Mineralogie.

— 45 — III 
der Sonne zuwenden. Da sie 3—5lappig sind, so lassen sie die Sonnenstrahlen 
leichter durch. Auf der Unterseite zeigen sie kleine, goldglänzende Punkte, die 
von Harzausschwitzungen herrühren. Einige Pflanzen haben nur Staub--, 
andere nur Stempelblüten. Die Stempelblüten sind zapfenartige 
Gebilde. Sie bestehen aus Deckschuppen, hinter denen je zwei Blüten 
sitzen; jede Blüte ist außerdem zum Schutze mit einem kleinen Deck- 
blättchen versehen. Auf den Deckschuppen und Deckblättchen finden 
sich ebenfalls gelbliche, klebrige Harzdrüsen. (Hopfenstaub.) Sie ent- 
halten zum Schutz gegen Tierfraß einen würzigen, bitteren Stoff, 
der dem Biere den angenehmen bitteren Geschmack verleiht. Nur 
um dieses Hopfenstaubes willen wird der Hopfen gebaut. — Die Klimmhaken 
Staubblätter hängen in grünen Rispen herab. — Aus dem wilden am Hopfen- 
Hopfen hat sich erst durch sorgfältige Pflege der angebaute Hopfen stengel. 
entwickelt. Da er sehr hoch wird, so stützt man ihn durch 5—6 m lange Stangen. 
2. Hopfenernte. Ende August färben sich die Stempelblüten dunkelgelb, 
fühlen sich klebrig an und erhalten einen starken Geruch und bitteren Ge- 
schmack. Dann schnei- » 
det man die Stengel 
20—40 em hoch über 
dem Erdboden ab, 
bindet sie zusammen 
und schafft sie nach 
Hause. Hier werden 
die Stempelblüten 
behutsam abgeschnit- 
ten und durch ein 
untergestelltes Gefäß 
aufgefangen, damit 
  
  
Hopfen. 
» A. Männk. Blüte. B. Weibl. Blütenstand. C. Schuppenblatt mit 2 weibl. Blüten. 
der Hopfenstaub nicht r. Fruchtstand. F. Decblatt mit Frucht. G. Blütenhülle, die eine Frucht einschließt, 
verloren gehe Dar- H. deren Längsschnitt. #. Schuppenblatt, d. Deckblatt, bh. Blütenhülle, k. Fruchtwand. 
auf trocknet man sie an der Luft und verpackt sie sorgfältig in Kisten oder Säcke. 
Der in der Erde zurückgebliebene Wurzelstock treibt 12—15 Jahre hintereinander 
im Frühjahre wieder neue Aste. (Bierbrauerei s. Chemie! S. 99.) 
s 4#. Bolunder. I. (S. 73.) 
1. Standort. Sage. In der Hecke, im verlassenen Winkel am Hause, auf 
Schutthaufen, am Gartenzaune ist der Holunder zu finden. Der Landmann hat 
ihn gern; denn in vielen Krankheitsfällen ist er ihm ein treuer Helfer. Am 
heilkräftigsten sind seine Blüten, die einen schweißtreibenden Tee geben. Darum 
galt er auch unseren heidnischen Vorfahren als heilig. In seinen Zweigen 
wohnte Frau Holder (entstellt aus Holda), die Schutzgöttin des Hauses. Kinder 
tranken zum Schutze gegen Halsweh aus Holunderröhren. Unter dem Holunderbaume 
begrub man die abgeschnittenen Haare und Nägel und die ausgezogenen Zähne, 
damit niemand durch sie den Bewohnern des Hauses ein Gebrechen anzaubern könne. 
2. Mark. Kork mit Rindenporen. Stamm und Zweige enthalten viel 
Mark. Je jünger die Zweige, desto dünner die Holzwände und desto dicker