Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

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Schreiben  Herzogs  Chrisioph  von  Wirtemberg
an  Landgrafen  Philipp  10.  Oktober  4552.

Hochgebohrener  Fürst,  Freundlicher  lieber  Vetter.  Nachdem
  durch  Schickung  des  Allmächtigen  gütigen  Gottes  Euer
Liebden  des  schweren  Kreuzes  und  der  merklichen  grossen  Beschwerden,
  so  dieselbige  nnumehr  bis  in's  sechste  Jahr  getragen,
  väterlich  entledigt  worden,  und  also  wieder  zu  deren
Land  und  Leuten,  auch  Regicrung  derselben  gekommen.  Das
haben  wir  mit  erfreutem  Gemöthe  freundlich  und  vetterlich
vernommen,  zu  seiner  Allmächtigkeit  tröstlich  verhoffend,  solches
  alles  soll  (darum  wir  herzlich  bitten)  zu  seiner  Glori  und
Ehre,  auch  Erhaltung  und  Erbreitung  seines  heiligmachenden
Worts,  auch  sonst  zu  aller  zeitlichen  friedlichen  Wohlfahrt
gereichen  und  gelangen.  Deshalber  wünschen  wir  Euer  Liebden
  zu  solchem  allem  und  sonderlich  der  neuen  Regierung  von
Gott  dem  Herrn  viel  Gnade,  Glück  und  alle  Wohlfart  mit
dem  freundlichen  und  vetterlichen  Erbieten,  worinn  wir  Euer
Liebden  angenehme  und  wohlgefällige  Dienste  erzeigen  und
beweisen  können,  daß  wir  solches  jederzeit  zu  thun  sonders
freund=  und  gutwillig  erfunden  werden  wollen.

Tübingen  10.  Oct.  1552.  «
„Christoph.

Anmerkung.  Mit  diesem  Schreiben  schickte  Herzog  Christoph
seinen  Vorschneider,  Andreas  von  Schwarzenstein,  an  den
Hessischen  Hof,  welchem  folgender  Denkzettel  mitgegeben  wurde:

Erstlich,  dieweil  der  alte  Landgraf  Philipp  wieder  zu  Land
und  Leuten  gelassen,  soll  er  von  Schwarzenstein  sich  bei  seinem
Bruder  oder  andern,  doch  allein  als  für  sich  selbst,  erkundigen,
ob  gemeldter  Landgraf  sich  der  Regierung  wieder  unternommen,
item  wie  sich  derselbige  der  Religion  halber  halten  und  erzeigen
thue,  und  ob  er  derwegen  noch  keine  Aenderung  vorgenommen,
  und  was  solches  für  eine  Aenderung  sep.