Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

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 finden,  das  Sie  interessiert.  Ich  würde  es  gern  sehen,  daß  Sie  sich  vollkommen
  frei  fühlen,  wohin  Sie  auch  gehen!“

„Kaiserliche  Hoheit  werden  mein  Amerikanisch-Deutsch  verzeihen“,
sagte  ich,  indem  ich  ihm  einige  Punkte  vorlegte,  die  besonders  amerikanische
  Leser  interessieren  würden.

„Dann  lassen  Sie  uns  englisch  sprechen,  wenn  Sie  glauben,  sich  so
besser  ausdrücken  zu  können“,  war  seine  schnelle  Antwort.  Und  dieser
Aufforderung  Folge  leistend,  gab  mir  der  Kronprinz  sein  erstes  Interview
  in  englischer  Sprache.

„Ich  bin  Soldat  und  kann  daher  keine  Politik  diskutieren“,  sagte
der  Kronprinz,  „aber  es  scheint  mir,  daß  die  ganze  Sache,  alle  die  Tätigkeit,
  um  uns  herum,  sinnlos,  unnötig  und  zwecklos  ist.  Und  doch  war
Deutschland  keine  Wahl  gelassen.  Vom  Niedrigsten  bis  zum  Höchsten
wissen  wir  alle,  daß  wir  um  unsere  Existenz  kämpfen.  Ich  weiß,  das  sagen
auch  die  Soldaten  anderer  Nationen,  und  sehr  viele  denken  auch  dasselbe.
Aber  dies  ändert  die  Tatsache  nicht,  daß  wir

um  unser  nationales  Leben
auch  wirklich  kämpfen.  Da  wir  wußten,  der  Krieg  würde  uns  aufgezwungen
  werden,  so  war  es  unsere  höchste  Pflicht,  dem  Kampfe  durch
jegliche  nötige  und  mögliche  Vorbereitung  für  die  Verteidigung  des
Vaterlandes  zuvorzukommen  gegen  den  Eisenring,  den  unsere  Feinde  seit
Jahren  fest  und  sorgsamst  um  uns  geschmiedet  haben,  um  uns  damit  zu
erdrücken.

Die  Tatsache,  daß  wir  unsere  Verteidigung  vorbereiteten,  wird  nun
als  Argument  gebraucht,  um  die  Welt  zu  überzeugen,  daß  wir  nicht  nur
diesen  Konflikt  brauchten,  sondern  daß  wir  für  ihn  verantwortlich  seien.

Keine  Macht  der  Erde  wird  je  imstande  sein,  unser  Volk  zu  überzeugen,
  daß  dieser  Krieg  nicht  gänzlich  und  allein  ins  Werk  gesetzt  war,
mit  der  Absicht,  nicht  allein  das  deutsche  Volk  zu  erdrücken,  sondern  auch
seine  Regierung,  seine  Einrichtungen,  und  alles  was  ihm  teuer  ist.  Aber
das  Ergebnis  ist,  daß  Sie  das  deutsche  Volk  als.  eine  große  Einheit  finden,
durchdrungen  vom  herrlichen  Geiste  der  Selbstaufopferung.“



Den  Haupteindruck  machte  auf  mich  die  Tatsache,  daß  der  Kronprinz,
trotz  seiner  stark  ausgeprägten  Ueberzeugung,  keinesfalls  den  intensiven
Haß  oder  die  Bitterkeit  gegen  England  zur  Schau  trug,  die  ich  so  konstant
seit  dem  Ausbruch  des  Krieges  in  allen  Volksklassen  bemerkte.  Im  Gegenteil,
  ich  bemerkte  bei  ihm  ein  gewisses  Bedauern  und  beinahe  Trauer  in
seinem  Ton,  als  er  diese  Phase  der  großen  Begebenheit  diskutierte.  Bald
empfing  ich  den  Eindruck,  daß  der  Kronprinz  keinesfalls  der  Mann  ist,
wie  man  ihn  sich  in  England  und  Amerika  vorstellt.  Nichts  vom  Feueresser
  oder  vom  starrköpfigen  Krieger  ist  in  ihm.  Er  zeigte  nicht,  daß  ihm
die  gewonnene  militärische  Erfahrung  Vergnügen  gewähre,  noch  daß  er
am  Kampf.  selbst  Freude  habe.  Zweifellos  hatte  das  Blutvergießen,  das
er  bereits  mitgemacht  hat,  einen  tiefen  Eindruck  auf  seinen  von  Natur
impressionistisch  veranlagten  Geist  hervorgerufen.  Oft  kam  er  auf  die
Verluste  und  die  Leiden  zurück,  nicht  allein  auf  die  seiner  eigenen,  sondern
auch  der  Streitkräfte  der  Feinde.  Jederzeit  war  er  äußerst  freigebig  mit
dem  Lobe  des  Feindes,  mit  dem  er  in  Berührung  gekommen.  Gleich  der