Full text: Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Neunter Jahrgang. 1893. (34)

II. 
Die Osterreichisch-ungarische Monarchie. 
1. Januar. (Ungarn.) Der Ministerpräsident Wekerle 
kündigt in einer Neujahrs-Ansprache schärfere Maßregeln gegen die 
Widerspenstigkeit der nicht-magyarischen Nationalitäten in 
Ungarn an. 
11. Januar. Die ungarische Regierung schließt einen Kon- 
versions= und Anleihe-Vertrag mit der Rothschild-Gruppe ab. 
24. Januar. (Wien.) Vermählung der Erzherzogin Mar- 
garethe Sophie mit dem Herzog Albrecht von Württemberg, dem 
präsumtiven Thronfolger. 
26. Januar. Der Statthalter von Böhmen, Graf Thun, 
hält in Teplitz eine Ansprache, in der er sich selbst mit Nachdruck 
als einen Deutschböhmen bezeichnet. 
4. Februar. (Wien.) Im Abgeordnetenhause des Reichs- 
rats versammeln sich der Klub der vereinigten deutschen Linken, 
der Polenklub und der Klub der Konservativen. In sämtlichen 
drei Klubs geben diels betreffenden Obmänner das Programm der 
Regierung bekannt. Dasselbe lautet: 
Die Allerhöchste Thronrede vom 11. April 1891 hat die Hoffnung 
ausgesprochen, daß sich die laufende Session des Reichsrats als eine Periode 
erfolgreicher Arbeit erweisen werde, und hat zur Mitwirkung alle diejenigen 
aufgerufen, deren Ueberzeugung es ist, daß über den einzelnen Parteien die 
Gesamtheit, Staat und Volk, stehe und daß die Sorge für diese höchsten 
Interessen durch Parteibestrebungen niemals beirrt werden dürfe. Um diesen 
Intentionen der Allerhöchsten Thronrede gerecht zu werden, erscheint es 
jedoch nach den gemachten Erfahrungen notwendig, daß jene Parteien und 
Abgeordneten, welche dem an sie ergangenen Aufrufe mit patriotischer Bereit- 
willigkeit zu folgen entschlossen sind, in eine Koalition treten und hier- 
durch einen entsprechenden und gedeihlichen Fortgang der parlamentarischen 
Thätigkeit sichern. Die Regierung wendet sich daher an jene parlamen- 
tarischen Faktoren, welche den in der Allerhöchsten Thronrede entwickelten 
Anschauungen beipflichtend im Interesse der Gesamtheit ihren Partei- 
bestrebungen Einhalt geboten und dies durch einen übereinstimmenden Be-