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sterium Opposition zu machen, dagegen diejenige Verwaltung zu
unterstützen, welche dem Ernste der Finanzlage Rechnung tragen
werde, und alle politische und moralische Kraft zur Überwindung
der Krise aufzubieten.
11. November. Auch Nicotera erläßt ein Schreiben an seine
Wähler, worin er das alte Thema von der Unfähigkeit Giolittis
in einer neuen Variation behandelt. Nicotera will statt neuer
Steuern Ersparnisse auf allen Gebieten, namentlich in der Ad—
ministration der Armee (nicht in der Armee selbst), durch Ver-
minderung des Beamtenheeres und Streichung von tausend und
abertausend unnützen Ausgaben, leider fehle es an Männern, um
solche Radikalreformen durchzuführen. Heute müssen die Italiener
sich errötend sagen lassen, daß sie bei Deutschland um militärischen
Schutz, bei Frankreich um Geld betteln.
11. November. (Rom.) Das anmtliche Blatt veröffentlicht
ein Dekret, durch welches die Zahlung der Zollabgaben in Metall-
geld angeordnet wird.
Die Emissionsinstitute werden angewiesen, an diejenigen, welche darum
zum Zwecke der Zahlung von Eingangszöllen ersuchen, auf Namen lautende
Lagerscheine (Warrants) gegen Zahlung von Staats= oder Bankbillets in
dem Betrage der Warrants mit Zuschlag des Wechsellagers unter Abzug
von 25 Centimes für je 100 Frc. zu geben. Das an die Emissionsbanken
zu zahlende Wechselagio wird sich dem Durchschnittspreise für die Checks
auf das Ausland gleichstellen, wie dieser an den Börsen in Rom, Genua,
Turin, Mailand, Venedig, Florenz, Neapel und Palermo zwei Tage vor
demjenigen Tage notiert wird, an welchem die Warrants übergeben werden
sollen. Die Zollämter werden diese Warrants bei Zollzahlungen als Metall-
geld in Zahlung nehmen.
11. November. Der Redakteur des „Papolo Romano“ Chauvet,
ein intimer Freund Giolittis, wird wegen Teilnahme an Zoll-Be-
trügereien verhaftet. Er war der einflußreichste Journalist in Rom.
15.—16. November. Aufenthalt des österreichischen Minister
des Auswärtigen Graf Kalnocky bei König Humbert vgl. Oesterreich.
23. November. Die Kammer wird wieder eröffnet. Die
Regierung legt ein Grünbuch über Aigues-Mortes sowie ihre Steuer-
projekte vor. Darnach beginnt die Verlesung des Berichts der Par-
laments-Kommission (vgl. 21. März) über die Bank-Skandale.
Die Relation untersucht zunächst die Beziehungen der einzelnen Kabi-
nette, der Deputierten und Journalisten zur Banca Romana, wobei als
Prinzip aufgestellt wird, daß jeder Deputierte wie alle anderen Bürger ein
Recht auf Kredit habe, vorausgesetzt natürlich, daß dieser Kredit seine Finanz-
kraft nicht übersteige. Hinsichtlich der Deputierten erklärt auch die Relation,
daß außer dem verstorbenen Decerbi kein einziger sich von der Banca Ro-
mana habe korrumpieren lassen; dagegen hätten viele Deputierte Indeli-