Full text: Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Siebzehnter Jahrgang. 1901. (42)

NHerd-Imerika. (Mai 27.—September 6.) 295 
27. Mai. (Washington.) Das Bundesobergericht ent- 
scheidet, daß die neuen Besitzungen zu den Vereinigten Staaten ge- 
hören, aber nicht integrierende Bestandteile sind; für ihre Bewohner 
gilt die Bundesverfassung nicht. Der Kongreß besiimmt, welche 
politischen und kommerziellen Rechte ihnen zukommen. 
22. Juni. (Virginien.) Infolge eines Dammbruchs kommen 
mehrere hundert Menschen um. 
1. Juli. Beginn eines großen Stahlarbeiterausstandes in- 
folge von Lohnstreitigkeiten zwischen den Trusts und den organi- 
sierten Arbeitern. 
Anfang Juli. In Newyork und Umgegend sterben mehrere 
Personen an Hittzschlag. 
9. August. Das Indianergebiet zwischen dem 98. und 99. Grad 
westlicher Länge und zwischen dem 34. und 35. Grad nördlicher 
Breite wird den Weißen zur Besiedlung frei gegeben. 
24. August. Die Regierung bietet in Venezuela und Columbia 
ihre Vermittlung an. 
5. September. (Buffalo.) Präsident Mac Kinley hält auf 
der panamerikanischen Ausstellung eine Rede über die amerikanische 
Wirtschaftspolitik: 
„Unsere Produktionsfähigkeit hat sich so außerordentlich entwickelt, 
und unsere Produkte sind so zahlreich geworden, daß die Aufgabe, uns 
mehr Märkte zu verschaffen, dringende Aufmerksamkeit erheischt. Wir 
müssen uns nicht auf eine eingebildete Sicherheit verlassen, daß wir für 
immer alles verkaufen, und wenig oder gar nichts zu kaufen brauchen: 
Wir sollten von unseren Kunden diejenigen Produkte nehmen, die wir, 
ohne unsere eigene Industrie und Arbeit zu schädigen, benützen können. 
Die Reziprozität ist die natürliche Folge unserer wunderbaren industriellen 
Entwickelung, die dank unserer einheimischen Politik, jetzt auf eine feste 
Grundlage gestellt ist. Was wir über unsern heimischen Verbrauch hinaus 
produzieren, sollten wir ins Ausland senden. Die Periode der wirtschaft- 
lichen Abgeschlossenheit gehört für uns der Vergangenheit an; die Aus- 
dehnung unseres Handels ist ein dringendes Problem geworden. Wir 
haben einen ungenügenden Dampfschiffverkehr. Es sollte direkte Linien 
von der Ostküste der Vereinigten Staaten nach Südamerika geben. Eines 
der Erfordernisse der Zeit sind Dampferlinien nach den Absatzgebieten, die 
bis jetzt wenig angelaufen werden. Wir müssen mehr Schiffe unter 
amerikanischer Flagge haben, die von Amerikanern gebaut und bemannt 
werden und Amerikanern gehören. Wir müssen über den Isthmus einen 
Kanal bauen, auch die Legung eines Pacifickabels kann nicht länger auf- 
geschoben werden. 
6. September. (Buffalo.) Präsident Mac Kinley wird 
von einem Anarchisten Czolgosc aus Detroit durch zwei Revolver- 
schüsse verwundet.