Volltext : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

119

ribbe,  rebbe,  ahd.  rippa,  mhd.  rippe  mit  den  Nebensormen
  zibbe,  ribe,  riebe,  die  anch  im  älteren  Nhd.
noch  vorkommen;  urverwandt  zu  altflav.  rebro  gleicher
Bed.  Neben  der  Femininsorm  findet  sich  vereinzelt  das
Neutr.:  das  ripp  Maaler;  costa  rybe,  rieb,  rieben.
rebe,  rippe,  ripp.  niederd.  ribbe,  rebbe.  ref  Dief.;
gett  der  herr  bawet  ein  weib  aus  der  riebe,  die  er
von  dem  wenschen  nam  1.  Mofs.  2,  22;  der  grosze  ripp
hat  costatus  Maaler;  die  langen  (ganzen),  kurzen
(halben)  rippen;  in  festen  Wendungen:  die  rippen
brechen,  entzwei  fallen;  einem  die  rippen  brechen,
cntzweischlagen,  einstoszen;  einem  den  degen  durch
die  rippen  jagen,  stoszen;  vom  Schlagen  des  Herzens:
euer  eigenes  herz,  das  üngsllich  bebend  wider  eure
rippen  schlügt  Schiller  Räub.  5,  1;  wie  schlägt  mein
Lerz  mir  an  die  rippe  Platen  gläs.  Pantoff.  3;  von
Dürren:  man  kann  ihm  die  rippen  zühlen;  auf  einem
ross,  dem  man  alle  rippen  unter  der  haut  .  .  zählen
konnte  Hebel  2,  234;  übertragen  aus  die  Gegend  der
Nippe,  Seite  eines  Körpers:  druckt  an  ibre  rippen
s  ie  mich  als  den  dudelsack  Hölty  207;  ich  will  dir
das  herz  aus  den  rippen  stampfen  Schiller  Räub.
5,  1;  einen  in  die  rippen  stoszen,  derb  mahnend,  aufmunternd;
  ich  kann  das  geld  nicht  aus  den  rippen
schwitzen,  sagt  der  gänzlich  mittellose  Schuldner;  die
rippen  wagen  für  cinen  (Goethe  Egm.  M,  das  Leben;
Bezeichnung  des  Cheweibes,  nach  der  oben  mitgeteilten
Bibelstelle:  das  der  guth  fromme  herr  durch  die  riebe
bewegt  wirdet  Dief.-Wülcker  (v.  1545);  —  bezogen
auf  rippenähnliche  Dinge:  des  felsens  nackte  rippen
Schiller  Alpenjäger;  rippen  an  Pflanzen,  Tabak,  an
Gewölben,  Schiffen,  Geräten;  an  der  Sicherung  eines
Hinterladers  Instr.  24;  bei  den  Schlachtern  werden
Seitenteile  des  geschlachteten  Rindes  dieke,  dunne  rippe
genannt;  talsche  rippe,  das  Fleisch  zwischen  zwei  Rippen.
—  Zusammensetzungen:  rippcnartig,  nach  Art  der  Rippen
gefertigt  oder  verlausend.  —  Rippcubraken,  m.  gebratenes
oder  zum  Braten  bestimmtes  Rippenstück.  —  Rippenbruch,
  m.  Bruch  einer  oder  mehrerer  Rippen.  —  Nippengar,
  u.  je  zwei  vom  Rückgrat  ausgehende  Rippen.  —
Rippenstoß,  m.  Stoß  in  die  Rippen;  beim  Drängen,
Kampsfe,  als  derbe  Mahnung  zum  Aufmerken:  theilt
man  rippenstösze  aus  Möser  Phant.  3,  78;  durch
einen  freundschaftlichen  rippenstosz  aufmerksam  darauf
zu  macben  Hauff  1I,  70.  —  Nippenstück,  u.  Fleischstück
  eines  geschlachteten  Tieres  aus  der  Rippengegend;
Bezeichnung  von  Quadern,  die  zur  Bekleidung  von
Wasserwerken  verwendet  werden;  Krummhölzer  als  Verbindungsstücke
  im  Boden  des  Schiffes.  —  Rippenweh,  u.
Schmerz  in  den  Rippen  oder  der  Nippengegend;  auch
als  bestimmter  Krankheitsname  für  lr
Nippeln,  1)  sich  regen,  bewegen,  Ablautbildung  zu
rappeln  (s.  d.),  in  gewöhnlicher  Rede:  ich  .  rippelte
mich,  und  schuttelte  mich  Weiße  kom.  Op.  3.  23;  er
darf  sich  nicht  rippclun  Adelun  6.  (muß  ganz  stil  sein).
2)  anderes  ripbeln,  zu  reiden  gehörig  und  Häufigkeitsbildung
  davon,  mundartlich  weit  verbreitet,  auch  als
ribbeln.  ribeln:  die  leute  rippeln  mir  die  ohren  schreeklich
  Weise  böse  Cath.  2,  5.  —  rippen,  mit  Rippen,
Rippenähnlichem  versehen:  ein  gelisz,  blech  rippen;

rippenartig  —  risch.

gerippte  arbecil  bei  Klempnern  Adelung;  gerippter

griti  Instruct.  6;  gerippte  blöütter.
Nips,  m.  Name  eines  gerippten  Seiden=  oder  Wollenstoffes,
  auch  reps;  aus  dem  engl.  Plur.  ribs  von  rib
eripptes  Zeug:  ribs,  rips,  rebs  Schedel  Warenlex.
1935)  2,  275.  —  rips,  Interjection,  vgl.  raps  2.
Risch,  beweglich,  schnell  und  kräftig,  munter,  im  Ablaut
  zu  rasch  (s.  d.),  erst  mhd.  als  riseh  erschelnend,
im  Nhd.  gegen  rasch  zurücktretend:  agilis,  celir,  im-%
  risch,  resch,  risz,  riesche  Dief.;  ein  rischer  helt
livl.  Chron.  3731;  zu  lande  weren  sie  nicht  risch.  eie
k'nen  weder  gebn  noch  rheiten  BWaldis  Esop  2,  22;

Nispe  —  Niß.  120

adverbial:  eile  risch  und  stehe  nicht  still  1.  Sam.
20,  38;  risch  wie  der  wind  Schiller  Räub.  2,  3;  risch
vom  plerd  herab!  Wieland  Liebe  um  Liebe  2,  228;
graf  Simon  schuttelt  den  becher  risch  Droste  206;
im  Ablautspiele  mit  rasch:  rischrasch  quer  ubern  krenzweg
  gings  Bürger  d.  wilde  Jäger;  in  der  Bed.  des
kräftig  aufrechten:  unser  nacken  kann  nicht  so  risch,
wie  der  lhrige  stehen  Möser  Phaut.  2,  50.

Rispe,  k.  Buschartiges,  Buschwerk,  mhd.  rispe,  ahd.
hrispa,  bezeugt  in  der  Weiterbildung  hrispahi.  Buschwerk,
  Gebüsch;#ispe.  risp,  zuyg  Dies.:
dornenäste  und  rispen  (zur  Absperrung  eines  Weges)
Hebel  2,  48;  übertragen  auf  die  Getreidcähre  Frisch;
auf  den  büschelartigen  Blütenstand  an  gewissen  Pflanzen
(Haser,  Hirse,  Rispengras)  Adelung:  in  der  Weberei
gewisse  Lage  der  Fäden;  in  der  Baukunst  eine  gegen
die  Sparren  des  Daches  entgegengesetzt  liegende  Stuhlsäule.
  —  rispeln,  leises,  raschelndes  oder  kratzendes  Geräusch
  geben-  im  Ablaute  zu  raspeln  (s.  d.):  im  rispelnden
  wald  Droste  191;  solches  Geräusch  erregen:  sie
blättern  und  rispeln  im  grauen  breviere  206.  »

Riß,  m.  das  Reißen  und  die  dadurch  bewirkte  Offmung;
  gemeingerm.  Wort,  in  den  einzelnen  Spr.  verschiedener
  Bed.  nach  dem  Verbum,  goth.  vrits,  altnord.
rit,  altengl.  writ,  ahd.  riz  Strich,  Punkt,  Buchstabe,
Schrift;  erst  im  mhd.  rig  tritt  der  allgemeine  Sinn
einer  durch  Reißen  bewirkten  Verletzung  hervor  (###%
%c#e#ra  risz,  risse  Diefs.);  über  das  Verhältnis  zu
ritz  s.  dort.  1)  Handlung  des  Neißens,  Ab=  und
Austrennens;  einen  risz  machen,  älter  thun:  einen  risz,
zwei,  drei  risse  thun  Adelung;  ris2  mit  einer  gluhenden
  zange  ebd.;  bei  Leinwandhändlern  risz  nach  dem
saden;  übertragen  —  Schlag  mit  Stock  oder  Peitsche:
risse  bekommen,  Schläge  Adelung;  unsinnlicher  risz
in  ein  verhältnis,  eine  freundschaft;  thet  der  herr  unser
gott  einen  risz  unter  uns  1.  Chron.  16,13;  du  willst,
den  risz,  den  schmerzlichen,  mir  schmerzlicher  noch
machen  Schiller  Wallenst.  Tod  3,  23;  in  Wien  war
man  sich  bewuszt,  dasz  man  hiermit  einen  nenen  risz
in  das  verhältnis  zu  Ruszland  machte  Sybel  Vorträge
n.  Auss.  158.  2)  das  durch  Reißen  entstandene,  gewaltsame
  Offnung,  Schlitz,  Spalt  u.  ä.:  risz  in  einer  mauer,
au  einem  hause,  balken,  kleide,  in  einem  teller,  lopfe;
der  risz  wird  erger  (im  Kleide)  Matth.  9,  16;  ein  risz
an  einer  bohen  mauren  Jes.  30,  13;  das  haus  gewan
einen  groszen  risz  Luc.  6,  19;  einige  tiefe  risse  in  die
haut  Issland  Spieler  4,  11;  (Kästchen)  das  einen  risz
zu  haben  schien,  eben  als  wäre  es  .  .  gesprungen
Goethe  Wanderj.  3,6;  risz  gesprengter  särge  Schiller
an  die  Freude,  geborstner  klippen  Alpenjäger,  der  wolken
Tell  1,  1;  an  einer  nicht  fest  schließenden  Thür:  da  sali
es  durch  den  risz  binaus  Alberus  Fab.  12,  67;  bei
den  Kupserstechern  gewisse  Verletzung  der  Platte  durch
das  Scheidewasser  beim  Radieren;  im  Bergbau  Aussetzung
  eines  Ganges  zu  Tage  und  Tageban;  unsinnlicher
  risz  im  herzen:  die  hulft’  (des  Herzens)  ist
bei  ihr.  o  welch  ein  ris  ist  dis  Zesen  Rosem.  8;  risz,
den  der  tod  gemacht  hat;  cin  tuüchtiger  risz  im  beutel,
viel  Geldanusgaben;  an  den  risz,  die  Bresche  in  der
Mauer  lehnen  feste  bildliche  Wendungen  an:  ob  jemand
wider  den  risz  stünde  Hes.  22,  30;  vor  die  risz  und
brüche  treten  Günther  901;  so  ein  bursche  ..  stebt
besser  vor  dem  risz  Iffland  Spieler  3,  6;  der  prinz
muszte  fur  den  risz  stchen  Gaudy  Erz.  36;  der  reiche
mann  musz  vor  deu  risz  stehen  Keller  Werke  6,  295.
3)  risz  in  verengtem  technischem  Sinne  (vgl.  unter
reiszen  14),  Linie:  aigenschaft  des  risz  und  skrichs,  so
nur  lang  ist,  kain  höch  noch  prait  hat  Aventin
1,  127;  lineare  Zeichnung,  Entwurf  in  Linien,  besonders
im  Bauwesen  (vgl.  grundrisz):  der  riesz  von  einem
schlosse,  arcis  delmertio  Steinbach;  die  besten  risse
der  baukunst  Gellert  7,  128;  (ich)  uberreichte  ihm