Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

355  Schlaszeit  —  Schläser.

wapndelt;  die  gebrochne  sitte  rücht  stets  an  dem  sich,
welcher  sie  gebrochen,  und  bättest  du  schlafwendelnd
Sie  verletzt!  APichler  neue  Markst.  63.  —  Schlafzeit,  (.
Zeit,  zu  der  man  gewöhnlich  zu  schlasen  pflegt.  —
Schlafzimmer,  n.  Zimmer  zum  Schlasen.  —  Zufammensetzung
  zu  2:  Schiafbein,  v.  die  den  Schlaf  am  Kopse
bildenden  Knochen,  neuer  auch  schlälenbein.

Schläse,  k.,  vgl.  schlaf  2.  —  schlafen,  im  Schlase
liegen;  wie  das  dazu  gehörige  Subst.  gemeingerm.  Verbum
mit  Ausnahme  des  Nordischen,  goth.  slepen,  altengl.
sliepen,  altfrief.  slepa,  altsächs.  släpen,  ahd.  slafan,  mbd.
slülen;  der  reduplizierenden  Conjugation  angehörig,  Prät.
goth.  saiziep,  ahd.  alẽt,  sliaf.  slief,  mhd.  slief;  in  alter  Spr.
ohne  Umlaut  in  der  2.  und  3.  Sing.  des  Präsens,  mhd.
släsest  du  Minnes.  Frühl.  39,  18;  der  arme  slält  in
sicherbeit  Boner  Edelst.  15,  65;  für  welche  Formen
später,  vorzüglich  in  mitteldeutschen  Quellen,  sich  slæsest
und  slæfet  ergeben  und  sich  uhd.  fortsetzen  (schlekestu
Marc.  14,  37,  schleft  er  Joh.  11,  12);  oberdeutsch  haben
sich  schlafst  und  schlaft  in  mundartlicher  Rede  gehalten.
Schwache  Formen  sind  nicht  eingetreten.  Bed.  in  eigentlichem
  Sinne:  gut,  gesund,  fest,  tiel,  leisc,  lcicht
schlasen:  in  Vergleichen:  wie  ein  dachs,  murmeltier,
ratz,  sack;  er  .fand  sie  schlalend  Matth.  26,  40;  in
festen  Verbindungen  schlafen  gehen;  die  kinder,  sich
schlalen  legen;  er  .  leget  sich  an  dem  selbigen  ort
schlefen  1.  Mos.  28,  11;  alles  liegt  schlafen  Schiller
Räub.  Trauersp.  4,  16;  du  magst  ruhig  schlalen  gegangen
  sein  Ränb.  Schausp.  3,  2;  als  Aussorderung:
schlaf,  töchterlin!  Garg.  15;  als  Wunsch:  schlaf  wobl!;
wunsche  wohl  zu  schlosen!;  statt  der  Person  das  Auge

enannt:  ich  wil  meine  sugen  nicht  schlalen  lassen
.  132,  4;  unpersönlich:  schläfts  irgend  vielleicht  in
meinem  vorsaal  such?  Schiller  Karl.  3,  1;  mit  dem
Acc.  der  Thätigkeit:  einen  gesunden,  ruhigen  schlaf
schlafen;  ihr  schlieft  einen  erquickenden  schlummer
Schiller  Räub.  2,  2;  der  Zeit:  ein  paar  minuten,
stunden  schlafen;  wir  schlicIen  eine  ruhige  nescht
Goethe  DuW.  19;  nun  will  ieh  .  (in  stöündchen  zu
schlafen  suchen  Grabbe  1,  408;  refl.,  mit  Angabe
der  Wirkung:  siob  gesund  schlafen;  ich  babe  mich  in
zwei  tagen  und  zwei  näüchten  nach  Hamturg  geachlasen
  Lessing  Brief  1769;  unpersönlich:  in  meiner
butte  iszt  und  schluft  eichs  wohl  Grillparzer  7,  181;
mit  Beisinn:  bei  jemanden  schlafen,  an  einem  orte
schlalen,  daselbst  übernachten  Adelung;  anders  und
verfänglich:  und  die  allein  niebt  schlaten  kan,  nehm
die  fasznacht  einen  monn  Garg.  90;  der  bei  einem
weibe  schleft  5.  Mos.  22,  22;  —  in  freierem  Sinne,  in
Bezug  auf  Füchkloswereen,  Betäubung:  der  fusz,  das
bein  schlüft  Adelung,  vgl.  einschlefen;  tiere  schlafen
ibren  winterschlaf;  pflanzen  schlaufen,  die  natur  schlutt
im  winter;  als  Gärtnerausdruck  schlafendes  unge,  das
erst  im  nächsten  Frühjahr  treibt;  in  Bezug  auf  Unthätigkeit,
  Unwirksamkeit,  von  Personen:  der  dich  behüret,
sehlest  nicht  Ps.  121,  3;  von  ihrem  Geist,  Thun,  von
Zuständen,  u.  a.:  jr  verdamnis  schlelt  nicht  2.  Petr.
2,  3;  wie  solche  tielgeprägte  bilder  doch  zu  zeiten  in
uns  schlafen  können  Lessing  Nath.  2,  7;  beäurknisse
  ..  die  cine  zeit  lang  geschlefen  hatten  Goethe
Du  W.  12;  abnungsticfen.  worin  die  gotteskeimce  schliefen
Lenau  379;  mit  den  leidenschuften  der  reformation
ging  auch  der  kirchliche  geist  der  deutschen  schulen
schlalen  Moltke  2,  202,  u.  a.;  vom  Tode:  vicle,  so
unter  der  erden  schlafen  ligen  Dan.  12,  2;  lasz  die
todten  schlafen  Schiller  Näub.  3,  1;  er  licgt  fern  im
engen  bausec,  schlüft  schon  den  #isernen  schlaf  5,  2;  —
das  Part.  des  Präsens  in  Zusammensetzungen  zeitlichzuständlich,
  vgl.  nachtschlafend;  einem  cine  wohischlafende
  nacht  wunschen;  ähnlich  das  Part.  des  Prät.  in
ungeschlafen:  etwas  luszt  einen  ungeschlasen  (JGotthelf
  Schuldenb.  98),  nimmt  den  Schlaf.  —  Schläfer,  m.

schläferig  —  schlaff.  356

der  da  schläst,  mbd.  slũfære:  dasz  alle  schläfer  auffahren
  Schiller  Räub.  5,  1;  erhebt  euch  von  der  erde,
ihr  schläfer,  aus  der  ruh!  Schenkendorf  Ged.  38;
von  einem  trägen,  unthätigen  Menschen:  ein  schbleler
mus  zurissen  kleider  tragen  Spr.  Sal.  23,  21.  —
schläserig,  schläfrig,  zu  Schlasen  geneigt,  ahd.  släfarag,
släfrac,  mhd.  släfrec,  slæiric  neben  slafrcht;  eigentlich:
worden  sie  alle  schleferig,  und  entschlielen  Matth.
25,  5;  Fiesko  hat  sich  schläfrig  geschwelgt  Schiller
Fiesko  5,  1;  es  schien  als  habe  die  dunkelheit  den
tremden  schläfrig  gemacht  Heyfe  5,  5;  schläfrig  scin;
die  schlöfrigen  kinder;  von  den  Augen,  die  Müdigkeit
anzeigen:  mit  schlüfrigen  verdrossenen  augen  Gaudy
Erz.  29;  Ziskas  auge  blicket  schlüfrig  Lenau  307;
von  Zeit  und  Wetter,  die  zum  Schlase  reizen:  es  ist
schlätriges  wetter  heute,  ein  schwületr.  schlätriger  tag;
nickst  du  beim  schlüfrigen  kleuer  Voß  Idyll.  8,  13;
frei,  von  einem  Mangel  an  Rührigkeit  und  Lebendigkeit:
  ctwas  schlälrg  thun,  er  treibt  die  sache  schläfrig
Steinbach;  schlafriger  mensch,  schläfrig  arbeiten,
schlafriges  pferd,  schläfriger  vortrsg,  schläfrige  schreibart
  Adelung;  sein  schlüfriges  ausschen  Rosegger
Waldheim.  2,  56;  gewohnheiten  seincs  schlasiagen
schreiberlebens  Treitschke  1,  163;  —  schläferig  in
Zusammensetzungen,  von  einem  Lager  zum  Schlafen
geeignet:  ein-,  zweischluterige  betten;  es  hüngen  zwar
schon  zwei  am  galgen,  aber  bekanotlich  iat  er  dreischläferig
  Hebel  2,178.—  Schläfrigkeit,  l.  das  Schläfrigsein,
  eigentlich  und  übertragen:  um  ihre  schlafeigkeit
zu  verbergen  Goethe  W.  Meister  1,  6;  ergreilt  vicbt
sebläfrigkeit  die  mude  hand?  Lenau  54;  scblüfrig  keit
eines  vortregs.  —  schläfern,  Neigung  zum  Schlase  haben,
ahd.  släftrön,  mhd.  släsfern,  mud.  släperen,  und  mit
LUmlaut  slögeren;  schlanftren,  schliferig  sein,  dormitare
Maaler;  unperfönlich:  es  echlillert  mich  dormito
Steinbach;  uls  es  mich  gewahig  zu  schlülern  ansing
Hauff  2,  30;  die  kinder  schlöfserts  Heyse  1,  33;  persönlich,
  schon  in  alter  Spr.,  z.  B.  altkölnisch:  hei  eusal
neit  slaiferen  noch  slaiten  Frommanns  Zeitschr.  2,  152;
in  neuerer  Spr.  ungewöhnlich:  ich  schlurere  Adelung
als  landschaftlich  oberdeutsch;  —  anderes  tranf.  schlülern
in  einschlutern  (s.  d.).

Schlaff,  ohne  Spannung,  matt,  locker  herabhängend;
boch=  und  niederdeutsches  Wort,  ahd.  slaph,  slatf,  mhd.
slaf,  mnd.  slap,  die  niederdeutsche  Auslautsstuse  findet
sich  auch  hochdeutsch  schon  früh,  vgl.  schlapp;  in  nächster
Verwandtschaft  zu  altnord.  sleppr  schlaff,  lässig,  und  zu
schlafen  is.  d.);  von  Wörtern  urverwandter  Spr.  wird
herangezogen  altslav.  labö  schlaff,  schwach,  auch  lat.
labi  gleiten,  labare  schwanken.  Die  Steigerungsgrade
gewöhnicch  ohne,  seltener  mit  Umlaut  (schlalter,  sch  lüfler,
am  schlalstcn,  schblüffsten  Steinbach!].  In  alter  Spr.
auf  Menschen  und  menschliche  Eigenschaften  und  Zustände
  bezogen,  ahd.  geediosus,  inera,  desidiosus,  ignaonns,
  debitis  u.  a.  übersetzend  Grass;  wie  in  neuerer
Spr.  ein  schloffer  mensch,  schluffer  geist,  mut;  schla
werden;  sein  fleistz  wird  schlaff,  ihr  seid  ganz  schlaif
mit  der  sache  umgangen  Stieler;  nichts  ruhrt  sein
schlaffee  herz,  als  kluge  munzgesetc  Hagedorn  Epigr.
88;  seine  schlatlen  verren  Lessing  Dram.  33;  dicser
schlaffe  knabe  Freytag  Handschr.  2,  35t;  schlatfo
mitnlmäszigkeit  Treitschke  1,  37,  bedachtsumkceit  486;
vom  Ausdruck:  ein  schlanlcs  gesicht;  den  schlaffen  zugen
mehr  leben  .  gegeben  Wieland  Am.  16,  16;  körperlich,
  von  Gliedern:  (manzs)  remissa  slaphin,  slaftiu
ahd.  Gloss.  1,  531  (nach  Spr.  Sal.  10,  4);  schlaffe  ohren,
aures  fluccidae  Stieler;  schfaffe  hände;  scine  arme
siclen  schlaff.  herab  Heyse  6,  196;  am  sxöätesten
von  Dingen,  zuerst  mnd.  slap  von  der  Sehne  des  Bogens
Schiller-Lübben;  wann  das  neiz  schlaff,  schlapp
wird  Schottel  1100;  schlaffe  schne,  ein  seit  ist  schlalt,
schlatte  wüsche  (die  durch  den  Gebrauch  ihre  Steife