Pologne, Monsieur!“ entgegengerufen hatte. Keine Regierung schien
möglich, in der Floguet einen maßgebenden Einfluß hätte ausüben können.
Um so mehr Aufmerksamkeit erregte es in Paris, daß der russische Bot-
schafter, Baron Mohrenheim, jetzt persönliche Beziehungen mit Floquet
aufnahm. Baron Beyens berichtet am 4. Februar 1888 aus Paris!) über
diese Dinge und sucht festzustellen, von welcher Seite der erste ÄAn-
näherungsschritt getan worden sei. Einen unmittelbaren Zusammen-
hang dieser Dinge mit der Veröffentlichung des Dreibundvertrages lehnt
Beyens ab, meint aber doch, daß die Überbrückung eines so alten Gegen-
satzes für Rußlands augenblickliche Lage in der Welt sehr bezeichnend sei.
‚ Ehe noch Floquet dazu gelangte, tatsächlich das neue Kabinett zu
bilden, nahm die Boulanger-Bewegung in Frankreich einen neuen Auf-
schwung. Der belgische Geschäftsträger Leon Maskens berichtet aus-
führlich darüber?). Boulanger war der Mittelpunkt des Wahlkampfes.
Einsichtige Franzosen befürchteten das Wiedererwachen cäsarischen
Geistes. Maskens meint: „Die große Mehrheit der 50 oder 60 000 Wähler
des Generals Boulanger hat weder für einen Diktator noch für einen zu-
künftigen Cäsar zu stimmen beabsichtigt, sondern für den Mann, der die
innere Kraft der französischen Armee gehoben, der sie mit dem Gefühl
ihrer Leistungsfähigkeit erfüllt hat, und der gegenwärtig die lebendige
Verkörperung des Hasses gegen Deutschland darstellt. Diese Wähler
wollen nicht mit ihren Stimmen den Krieg heraufführen; niemand in
Frankreich wünscht ihn; aber vor die Wahl gestellt von drei Namen,
deren einer Monarchie oder Kaiserreich bedeutet, der andere Republik
und der dritte Haß gegen Deutschland, haben sie es vorgezogen, dem
Gefühle zu folgen, das ihnen am meisten am Herzen liegt. Der Konser-
vative oder der Republikaner ist nur der Gegner; der Deutsche ist der
Feind.“ Maskens fügt hinzu, daß diese Stimmung die französische Re-
gierung in große Verlegenheiten bringen könne.
Lebhafte Sorge für die Zukunft des europäischen Friedens atmet
ein zwei Tage später erstatteter Bericht desselben Geschäftsträgers?).
Mit Besorgnis erfüllte ihn hauptsächlich die Haltung des französischen
Publikums. ‚Die Öffentlichkeit läßt keine Gelegenheit unbenutzt, um
ihren Kundgebungen zugunsten Rußlands einen immer enthusiastischeren
Ausdruck zu geben. Das Kaiserreich der Zaren ist in der Mode, wie Au-
relian Scholl in einer seiner Übersichten sagt. Im Theater, in der Presse
mit einigen wenigen Ausnahmen, selbst auf der Straße wird jeder Vor-
wand zu Kundgebungen benutzt. In diesem Punkte gibt es kein Aus-
einandergehen der Anschauungen bei den Franzosen, ob sie nun die
raffinierteste Erziehung genossen, oder ob sie ihre ganze Kraft aufgewendet
haben, um in den Volksversammlungen gegen die leitenden Klassen und
gegen die Kapitalisten zu wettern. Für sie alle ohne Unterschied ist der
!) Bd. V, S. 212/213.
2) Paris, 2. März 1888, Bd. V, S. 213/214.
8) Paris, 4. März 1888, Bd. V, S. 214 ff.
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