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„Grenzland“, die Schulen nach dem im Lande selbst künstlich
gezüchteten Bedürfnis nach Französisch einrichten wird.
Zwar bilden wir Ungebildete, d.h. Unverwelschte, immer
noch die Mehrzahl im Lande, aber die Meisten von uns stehen
ganz unter der Suggestion der sogenannten „Gebildeten“
und würden sich darum völlig von unen führen lassen. So
könnte es kommen, daß wir in 100 Jahren ein völlig verwelschtes
Elsaß hätten, das durch seine Sprache nicht mit dem
übrigen Reich, sondern mit Frankreich geistig verbunden wäre.
Die untersten Schichten würden im neuen Bundesstaat in
den Stand gesetzt werden, den Bildungsschwindel der oberen
mitzumachen, um den sie heute diese sehnsüchtig beneiden.
Sie würden nicht bedenken, daß zum Grenzpverkehr keine welsche
Kindererziehung nötigist, auch kein besonders gutes Französisch,
ja daß es auch, ohne Französisch zu verstehen, möglich ist,
mit Franzosen zu verkehren: wenn nämlich diese die
Kosten des Verkehrs tragen und deutsch lernen, was wir
Deutsche ihnen seit Jahrhunderten durch unser Französischlernen
erspart haben.“) Denken wir uns den günstigsten Fall,
daß die neue Regierung die Einführung des französischen
Unterrichts den Gemeinden oder die Teilnahme daran den
Eltern überließe. Die Teilnahme am französischen Unterricht
würde dann als eine Ehrensache betrachtet werden, in welcher
eine Gemeinde mit der Nachbargemeinde, eine Familie mit
der andern wetteifern würde. Wir wollen doch nicht vergessen,
daß Frankreich einst seine großen Erfolge in der
geistigen Eroberung unseres urdeutschen Landes seit 1789
hauptsächlich dem Umstand verdankte, daß sein einheitliches
Staatswesen für einen solchen Grundsatz „Elsaß den Elsässern“
keinen Raum hatte. Wenn das Land jetzt sich selbst überlassen
würde, so würde es sich notgedrungen in der Richtung weiter
entwickeln, die sein geistiges Leben in französischer Zeit eingeschlagenhat,
und kaum imstandesein, sich von den Vorurteilen
zu befreien, die es aus Frankreich mit herüber gebracht hat.
Diesen Sommner hörte ich in Straßburg einen Vortrag
eines bekannten Abgeordneten über die Aähse Verfassungsfrage.
Er schloß unter brausendem Beifall mit dem Hinweis
* Ich schlage darum folgenden Maßstab vor: wir lernen
10 oder 50 Kilometer östlich der Grenze genau so viel Französisch
als ebensoviel Kilometer westlich der Grenze Deutsch gelernt wird;
nicht mehr und nicht weniger. Dleser Maßstab %t aber völlig
über die geistige Fassungskraft der allermeisten Elsässer, obwohl
doch kaum etwas Gerechteres denkbar ist. Wir wollen den Franzosen
nicht mehr Verkehrskosten zumuten, derm das hieße sie bochmüt von
oben herunter behandeln; wir wollen sie aber auch nicht demütigst
von unten herauf behandeln, indem wir diese Kosten alle selber kragen.