Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Napoleon  verlegte  sein  Hauptquartier  nach  dem  Schlosse  Schönbrunn  bei
Wien.  Hier  ließ  er  den  preußischen  Gesandten  zum  zweitenmal  vor;  er  empfing
  ihn  mit  dem  Hochmute  des  Siegers,  der  sich  jetzt  gegen  das  schwache
Preußen  alles  erlauben  dürfe,  und  Haugwitz  dachte  nicht  mehr  daran,  ihm
das  preußische  Ultimatum  vorzulegen,  vielmehr  vermied  er  nach  seinem  eigenen
Zeugnis  alles,  was  seine  üble  Laune  hätte  reizen  können  («il  m'est  réussi
d’amortir  les  premiers  élans  Ghumeur  qui  s'étaient  manifestés?).  Er  nahm
geduldig  die  Vorwürfe  hin,  welche  der  erzürnte  Kaiser  ihm  wegen  des  Vertrages
  von  Potsdam  machte,  und  wagte  keinen  Einwand,  als  dieser  die  preußische
  Politik,  die  beständig  jedermanns  Freund  und  niemands  Feind  sein  wolle,
scharf  tadelte.  Der  preußische  Gesandte  stand  vor  Napoleon  wie  ein  Schulknabe
vor  seinem  Zuchtmeister,  und  als  Napoleon  ihn  genügend  eingeschüchtert  und  gedemütigt
  zu  haben  glaubte,  stellte  er  ihm  großmütig  die  Wahl  zwischen  einem
Freundschaftsbündnisse  oder  sofortigem  Kriege  mit  Frankreich.  Der  gewissenlose
Minister  opferte  die  Ehre  Preußens  dem  Bündnisse  mit  dem  fremden  Machthaber.
Am  15.  Dezember,  demselben  Tage,  an  welchem  die  in  dem  preußischen  Ultimatum
Napoleon  gestellte  Frist  zur  Erfüllung  der  preußischen  Forderungen  ablief,  unterzeichnete
  Graf  Haugwitz  eigenmächtig,  ohne  jede  Vollmacht,  den  Vertrag  zu
Schönbrunn,  welcher  die  Unterwerfung  Preußens  unter  die  napoleonische
Zwingherrschaft  bedeutete.  Danach  sollte  Preußen  ein  Schutz=  und  Trutzbündnis
mit  Frankreich  eingehen,  die  Fürstentümer  Ansbach  und  Baireuth  an  Bayern,
das  Fürstentum  Neuschatel,  den  Rest  von  Kleve  und  die  Festung  Wesel  an  Frankreich
  abtreten  und  dafür  durch  den  souveränen  Besitz  von  Hannover,  sowie  von
seiten  Bayerns  durch  ein  Gebiet  von  20000  Seelen  entschädigt  werden.  Bayern
sollte  das  Herzogtum  Berg  an  Frankreich  abtreten.  Mit  diesem  Zeugnis  feigherziger
  Unterwürfigkeit,  eines  Aktes,  der  im  Preußischen  Staate  ohne  Vorgang
ist  und  dem  Landesverrat  gleichzustellen  ist,  wagte  der  Schwächling  wieder  vor
die  Stirn  des  Königs  zu  treten,  der  ihn  abgesandt  hatte,  um  für  die  ihm  von
einem  fremden  Gewaltherrscher  zugefügte  Beleidigung  Genngthnung  zu  fordern.

Mit  dem  Schönbrunner  Vertrage  in  der  Hand  ward  es  Napoleon  leicht,
Osterreich  seine  Friedensbedingungen  vorzuschreiben.  Die  definitive  Abrechnung
mit  Preußen  konute  er  auf  eine  spätere  Zeit  verschieben.  Für  jetzt  war  sein
Ziel:  das  Haus  Österreich  zu  demütigen,  seine  Macht  im  Reiche  vollständig  zu
vernichten  und  dafür  jene  französisch-dentschen  Vasallenkönigreiche  zu  schaffen,
die  den  deutschen  Süden  in  volle  Abhängigkeit  von  Frankreich  und  dem  napoleonischen
  Kaisertum  brachten.  Dieses  Ziel  erreichte  er  durch  den  Frieden
von  Preßburg.  Durch  diesen  Frieden  verlor  Osterreich  ein  Gebiet  von
1140  Quadratmeilen  mit  2800000  Einwohnern;  es  mußte  40000000  Francs
Kriegskosten  zahlen,  und,  was  die  Hauptsache  war,  sein  Zusammenhang  mit  Deutschland,
  mit  der  Schweiz  und  Italien  war  zerrissen.  Die  von  Osterreich  abgetretenen