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Napoleon verlegte sein Hauptquartier nach dem Schlosse Schönbrunn bei
Wien. Hier ließ er den preußischen Gesandten zum zweitenmal vor; er empfing
ihn mit dem Hochmute des Siegers, der sich jetzt gegen das schwache
Preußen alles erlauben dürfe, und Haugwitz dachte nicht mehr daran, ihm
das preußische Ultimatum vorzulegen, vielmehr vermied er nach seinem eigenen
Zeugnis alles, was seine üble Laune hätte reizen können («il m'est réussi
d’amortir les premiers élans Ghumeur qui s'étaient manifestés?). Er nahm
geduldig die Vorwürfe hin, welche der erzürnte Kaiser ihm wegen des Vertrages
von Potsdam machte, und wagte keinen Einwand, als dieser die preußische
Politik, die beständig jedermanns Freund und niemands Feind sein wolle,
scharf tadelte. Der preußische Gesandte stand vor Napoleon wie ein Schulknabe
vor seinem Zuchtmeister, und als Napoleon ihn genügend eingeschüchtert und gedemütigt
zu haben glaubte, stellte er ihm großmütig die Wahl zwischen einem
Freundschaftsbündnisse oder sofortigem Kriege mit Frankreich. Der gewissenlose
Minister opferte die Ehre Preußens dem Bündnisse mit dem fremden Machthaber.
Am 15. Dezember, demselben Tage, an welchem die in dem preußischen Ultimatum
Napoleon gestellte Frist zur Erfüllung der preußischen Forderungen ablief, unterzeichnete
Graf Haugwitz eigenmächtig, ohne jede Vollmacht, den Vertrag zu
Schönbrunn, welcher die Unterwerfung Preußens unter die napoleonische
Zwingherrschaft bedeutete. Danach sollte Preußen ein Schutz= und Trutzbündnis
mit Frankreich eingehen, die Fürstentümer Ansbach und Baireuth an Bayern,
das Fürstentum Neuschatel, den Rest von Kleve und die Festung Wesel an Frankreich
abtreten und dafür durch den souveränen Besitz von Hannover, sowie von
seiten Bayerns durch ein Gebiet von 20000 Seelen entschädigt werden. Bayern
sollte das Herzogtum Berg an Frankreich abtreten. Mit diesem Zeugnis feigherziger
Unterwürfigkeit, eines Aktes, der im Preußischen Staate ohne Vorgang
ist und dem Landesverrat gleichzustellen ist, wagte der Schwächling wieder vor
die Stirn des Königs zu treten, der ihn abgesandt hatte, um für die ihm von
einem fremden Gewaltherrscher zugefügte Beleidigung Genngthnung zu fordern.
Mit dem Schönbrunner Vertrage in der Hand ward es Napoleon leicht,
Osterreich seine Friedensbedingungen vorzuschreiben. Die definitive Abrechnung
mit Preußen konute er auf eine spätere Zeit verschieben. Für jetzt war sein
Ziel: das Haus Österreich zu demütigen, seine Macht im Reiche vollständig zu
vernichten und dafür jene französisch-dentschen Vasallenkönigreiche zu schaffen,
die den deutschen Süden in volle Abhängigkeit von Frankreich und dem napoleonischen
Kaisertum brachten. Dieses Ziel erreichte er durch den Frieden
von Preßburg. Durch diesen Frieden verlor Osterreich ein Gebiet von
1140 Quadratmeilen mit 2800000 Einwohnern; es mußte 40000000 Francs
Kriegskosten zahlen, und, was die Hauptsache war, sein Zusammenhang mit Deutschland,
mit der Schweiz und Italien war zerrissen. Die von Osterreich abgetretenen