Full text : Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

174  Der  Deutsch-dänische  Krieg.

indessen  den  Vorteil,  ihre  Truppen  rasch  an  bedrohte  Punkte  werfen  zu  können
und  die  Gegner  zu  zwingen,  alle  Hafenorte  und  den  ganzen  Küstenstrich  zu
besetzen,  um  sich  gegen  Überfälle  zu  sichern.

Die  preußischen  Garden  unternahmen  die  erste  Rekognoszierung  gegen
Düppel  und  zogen  dann  mit  den  Osterreichern  nach  Norden,  während  der  Heeresteil
  des  Prinzen  Friedrich  Karl  zurückblieb  und  feste  Stellung  vor  Düppel  nahm.

Folgen  wir  zuerst  dem  kombinierten  Korps.  Ein  kleines,  kühn  ausgeführtes
Reitergefecht  der  preußischen  Gardehusaren  bei  Niederbjert  bildete  das  Vorspiel
  zu  ernsteren  Kämpfen.  Am  8.  März  wurde  die  Koldingau,  die  Grenze
Jütlands,  überschritten.  Da  geriet  die  hohe  Diplomatie  in  Erregung.  Das
ginge  über  das  verkündigte  Programm  hinaus!  so  hieß  es.  So  unrecht  hatten
die  Herren  nicht,  insofern  ursprünglich  nur  von  der  Beschlagnahme  der  deutschen
Herzogtümer  die  Rede  gewesen  war;  aber  die  Verbündeten  konnten  ihrerseits.
mit  Fug  und  Recht  eben  so  gut  darauf  hinweisen,  daß  die  Dänen,  indem  sie
deutsche  Schiffe  zur  See  wegnahmen,  selbst  nicht  die  Voraussetzungen  erfüllten,
an  welche  die  Beschränkung  des  Kampfes  auf  die  Herzogtümer  sich  knüpfte.

Die  preußischen  Garden  waren  gegen  Fridericia  vorgegangen  und  hinter
Gudsoe  und  Haidekrug  auf  den  Feind  gestoßen.  Die  überlegene  Feuerwaffe
der  preußischen  Infanterie  und  die  überlegte,  stets  auf  Schonung  von  Menschenleben
  bedachte  Leitung  des  Gefechts  feierten  bei  Sonderskoogaard  und
Bredstrup  ihren  ersten  Triumph.  Die  Truppen  benahmen  sich  wie  bei  einem
Manöver,  der  Feind  wurde  überall  ohne  große  Verluste  geworfen,  viele  Gefangene
  eingebracht,  eine  ganze  Kompanie  ward  abgeschnitten  und  gezwungen,
das  Gewehr  zu  strecken.  Der  Name  des  Majors  von  Beeren  ward  hier  zum
erstenmal  in  diesem  Kriege  rühmlich  genannt;  er  sollte  bald  die  höchste  —
und  die  letzte  Ehre  erringen!

Die  Österreicher  hatten  ihren  Vormarsch  gegen  Veile  gerichtet  und  waren
draufgegangen  wie  bei  Oberselk  und  Oeversee.  Zuerst  Graf  Czernin  mit
seinen  tollltühnen  Reitern,  dann  im  wilden  Sturm  auf  Veile  das  Regiment
„Hessen“,  wetteifernd  mit  den  Neuner-Jägern.

Der  Ulanenrittmeister  Baron  Löwenstern  springt  beim  ersten  Sturmangriff
  vom  Pferde,  entreißt  einem  Gemeinen  von  der  Hesseninfanterie  das
Gewehr  und  geht  in  Reih  und  Glied  mit  vor.  Seine  ersten  Schüsse  streckten
zwei  Feinde  zu  Boden,  durch  den  dritten  macht  er  einen  Gefangenen,  den  er
sich  selbst  aus  den  Reihen  der  Gegner  holt,  worauf  er  weiter  fortstürmt.  Der
Feldherr  leitet  das  Gefecht  mit  gemessener  Ruhe  —  aber  ungeduldig  springt
Graf  Gondrecourt  vom  Pferde  und  führt  die  „eiserne“  Brigade  mit  hoch
geschwungenem  Säbel  zum  Sieg.  Der  Tag  ist  entschieden.

Wie  herzerhebend  ist  das  Gefühl  in  der  Brust  eines  Kriegers  nach  solch
einem  Ehrentagel  Dankgefühl  gegen  Gott  hebt  die  Brust,  der  Krieger  hat  dem
Tode  getrotzt  und  die  Kugel  hat  ihn  verschont.  Ein  Kamerad  schüttelt  dem
andern  die  Hand,  einer  ist  stolz  auf  den  andern.  Ein  Blick  inniger  Teilnahme
folgt  den  Verwundeten,  die  man  fortträgt  ins  Spital;  ein  Blick  der  Wehmut
ruht  auf  den  gefallenen  Tapferen,  und  am  Wachtfeuer  gedenkt  man  derer,  die
den  Heldentod  gefunden.