Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

Januar  11.

28  1611  12.

Meuterei  nicht  bürgen.  Ich  versehe  mich  daher  vom  Kaiser  umso
weniger,  dass  er  meine  Schickung  nach  Heidelberg  übel  aufnimmt,
zumal  dabei  nicht  das  geringste  angebracht  wurde,  was  ihm  nachteilig
wäre,  vielmehr  besteht  der  ganze  Vertrag  aus  den  zwei  wolverantwortlichen
  Punkten:  1.  wofern  das  passauer  Volk  Gewalt  anwenden
würde,  2.  wenn  sie  an  jenem  Ort  zu  meinem  und  der  meinen  Schaden
überwintern  wollten.  Beides  werden  weder  der  Kaiser  noch  E.  L,  gerne
sehen  und,  wenn  E.  L,  es  nicht  wehren  können,  wird  ee  Ihnen  nicht
zuwider  sein,  wenn  ich  und  andere  benachbarte  Interessenten  uns  vor
grössereom  Unheil  selber  schätzen,  zumal  mir  meine  bereits  aufgewendeten
  Unkosten  und  die  durch  dies  Volk  erlittenen  Schäden
noch  nicht  ersetzt  worden  sind.  —  Wenn  das  passauer  Volk  in
des  Kaisers  Devotion  und  in  gebührendem  Respekt  gegen  seine
Obersten  geblieben  wäre  und  sich  gegen  mich  und  die  meinen
klaglos  und  nachbarlich  verhalten  hätte,  so  würde  ich  weitere  Hilfe
nicht  gesucht  haben.  Der  Sache  wäre  aber  auch  dann  noch  geholfen
  gewesen,  wenn  ich  von  dem  Aufbruch  und  Durchzug  dieses
Volkes  vom  Kaiser  oder  E.  L.  nach  meiner  ausdrücklichen  Bitte
verständigt  worden  wäre,  zumal  so  verschiedene  Nachrichten  umliefen
  und  bald  vom  Abdanken,  bald  von  Böhmen,  bald  von  Tirol,
Mähren,  Oesterreich  die  Rede  war,  auch  E.  L.  selbst  versicherten,
dass  der  Kaiser  nach  der  Abdankung  des  Volkes  trachte;  nun  ist
aber  ein  anderes  erfolgt.  Ich  weiss  auch  nicht,  warum  E.  L.  mir
von  dem  Aufbruch,  weiterm  Vorhaben  und  von  der  Abforderung
Trautmannsdorfs  trotz  des  vorigen  Erbietens  guter  Korrespondenz
nicht  schrieben.  —

Ich  möchte  von  denen,  die  meine  Defension  so  übel  deuten,
gern  hören,  warum  gerade  mir,  der  ich  der  Gefahr  am  nächsten
bin,  meine  Vorkehrungen  verdacht  werden,  [,als  oh]  dardurch  ein
anderes,  so  doch  mit  Gottes  hilf  nit  angehn  sol,  gesucht
werden  wil.“  E.  L.  werden  Gelegenheit  haben,  sich  Ihres  und
Ihres  Stifts  Schaden  zu  erholen;  ich  sehe  aber  noch  nicht,  wie
ich  die  aufgewendeten  Unkosten  und  den  erlittenen  Entgang  ersetzt
erhalte,  zweitle  aber  nicht,  der  Kaiser  werde  mir  den  Ersatz  zubilligen
  und  E.  ,.  mir  dazu  behilflich  sein.  —  Ich  lege  eine  Abschrift
der  braunschweigischen  Missiven  und  Protestation  bei  und  bitte  E.  L.,
sie  mit  meiner  heidelberger  Werbung  zu  vergleichen,  sie  auch
allen  denen,  die  mir  diese  verdenken,  zustellen  zu  lassen.  Dass  in  meiner
Werbung  des  Königs  Matthias  einige  male  gedacht  wurde,  geschah,
weil  ich  von  ansehnlichen  Ständen  glaublich  vernahm,  dass  sie  ein
Einverständnis  zu  dem  Ende  gemacht  hätten,  damit  der  König  dem
Kaiser  die  grosse  vom  passauer  Volk  drohende  Gefahr  zu  erkennen
gebe  und  neben  andern  Nachbarn  ihn  ersuche,  das  Volk  abzudanken
und  aus  dem  Stift  abzuführen.  Ich  wollte  auch  meine  bereits  unterfertigten
  Schreiben  abgehen  lassen,  habe  aber,  da  die  Lage  sich
geändert,  damit  zurückgehalten  und  mit  dem  König  weder  vor  noch