Full text : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1821. (16)

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Umschlage  über  der  Hose  unterm  Knie  gebunden.  Das  Paar  kostete
5—6  Taler.  Die  Stiefel  wurden  stark  eingefettet  und  mit  einem
Krautstrunk  glänzend  gerieben.  Den  Unterschenkel  deckten  bei  Schnallenschuhen
  im  Sommer  blaue  Strümpfe,  im  Winter  weiße  oder  graue
aus  Wolle,  die  bis  unter  die  Hose  heraufreichten.  Armere  trugen  auch
sogenannte  Beinstrümpfe  ohne  Fuß,  die,  wie  jene  aus  Wolle  gestrickt,
oft  aber  auch  nur  aus  Leinwandstreifen  zusammengenäht  waren.  Ebenso
legten  Armere  in  die  Stiefel  nur  Stroh,  während  Bessergestellte  dazu
Fußlappen  oder  solche  mit  übergezogenen  Filzpantoffeln  anlegten.  Unter
dem  anliegenden,  bis  zu  den  Hüften  reichenden,  meist  offen  getragenen
und  mit  großen  Metallknöpfen  besetzten  Koller  oder  Wams  aus  schwarzem
oder  blauem  Samtmanchester,  blauem  Tuch  oder  Leinwand,  deckte  den
Oberkörper  der  bis  unter  die  Magengegend  reichende  Brustlatz,  der
einer  hochgeschlossenen  Weste  nicht  unähnlich,  aus  blauem  Samtmanchester,
  rotem  Wollenstoff  oder  sonst  einem  bunten  geblumten  Stoffe
bestand.  Der  Brustlatz,  späterhin  Weste  genannt,  wurde  vorn  durch
eine  Reihe  blanker  Knöpfe  aus  Zinn,  Neusilber  oder  Messing  oder
auch  durch  eine  Reihe  gehenkelter  Silbergeldstücke,  wie  Zwanzigkreuzer.
halbe  Gulden,  geschlossen.  Quer  über  die  Weste  zog  sich  die  silberne,
stählerne  oder  messingene  Uhrkette  mit  allerlei  Anhängseln,  darunter
gewöhnlich  Uhrschlüssel  und  Petschaft,  oder  sie  hing  unter  der  Weste
herab.  Den  Ausschnitt  des  Brustlatzes  füllte  der  breite  Hemdkragen,
unter  dem  vorn  das  rote  englische  Halstuch  zu  einer  Schleife  gebunden
oder  einfach  nur  geknotet  wurde.  Das  langärmlige  Hemd  hatte  Rückenschluß.
  Jüngere  Leute  zogen  in  den  50er  Jahren  dem  Koller  oder
Wams  den  Bol  vor,  ein  aus  grünem  Tuch  gefertigtes  Kleidungsstück,
das  vorn  auf  der  Brust  verschnürt  wurde,  bis  in  die  Hüften  eng  anlag,
von  hier  ab  aber  in  zahllosen  Falten  die  Oberschenkel  fast  bis  zu  den
Knien  lose  umfiel.  Altere  Männer  dagegen  legten  einen  bis  zu  den
Knöcheln  reichenden  Schößenrock  an,  dessen  kurze  Taille  vorn  durch
eine  Reihe  Knöpfe  geschlossen  wurde  und  je  nach  den  Verhältnissen
aus  blauem  oder  grauem  Tuch  oder  Leinwand  gefertigt  war.  Gegen
die  Kälte  im  Winter  schützte  ein  bis  über  die  halbe  Wade  herunterreichender
  schwarzer  oder  blauer  Tuchmantel  mit  einem  überfallenden
Kragen.  Durch  einen  inwendig  angebrachten  Zug  wurde  der  Mantel,
der  in  der  Regel  18  Taler  kostete,  in  den  Hüften  zusammengezogen.
Daneben  trug  man  auch  sogenannte  „Zippelpelze“,  d.  h.  Schafpelze
ohne  Überzug.

Als  Kopfbedeckung  diente  ein  25—30  cm  hoher,  ein  wenig  nach
innen  geschweifter  Hut  aus  ganz  starkem  Filz  mit  einem  ungefähr  7  cm
breiten  Sammetbande,  das  vorn  —  wie  es  in  Frohnau,  Großrückerswalde
  üblich  war  —  durch  eine  aufklappbare  Schnalle  zusammengehalten
wurde,  in  die  man  den  „Eilegpfeng“  für  den  Klingelbeutel  legte.
Diese  hohen  Filzhüte,  die  mancherorts  auch  „6e  bissel  gefirlicher“,  d.  h.
etwas  weniger  hoch,  getragen  wurden,  kamen  im  allgemeinen  schon  in
den  50er  Jahren  ab,  blieben  aber  bei  einzelnen  noch  lange  in  Gebrauch.
Außer  dem  Hute  deckte  den  Kopf  im  Sommer  noch  ein  „Käppel“,  im